So hat sich der Heizölpreis im April entwickelt – wie geht’s weiter?

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Selten sah sich der Ölmarkt so von politischen Faktoren getrieben wie im April. Im Mittelpunkt standen die USA und die zahlreichen Konfliktherde, die die Regierung Trump vor allem mit offenen Worten noch befeuerte. Wir erklären, was im April wichtig war, und stellen die Aussichten für Mai vor.

Im Überblick: das Öljahr 2018

  • Januar: Preiseuphorie und positive Nachfrageaussichten
  • Februar: Marktbereinigung und vorsichtiges Nachrechnen
  • März: geopolitische Faktoren nehmen zu – USA im Mittelpunkt

Kompakt informiert: die wichtigsten Entwicklungen im April

  • (Drohender) Handelskrieg zwischen China und USA steigert Sorge um die Entwicklung der Weltwirtschaft
  • Chemiewaffenangriff in Syrien ruft den Westen auf den Plan – und steigert die Risikoprämien
  • Iran-Abkommen droht zu scheitern
  • Ölpreise erreichen neue Langzeithochs, der Euro sinkt auf Tiefstände wie zu Jahresanfang

Die Heizölpreisentwicklung im April 2018 im Überblick © TOTAL

Trump, Tweets und Handelskrieg

Auch wenn die Überschrift etwas polemisch klingt, so bringen diese drei Faktoren den Ölmonat April doch komplett auf den Punkt: Die Ölmärkte schlugen dann besonders heftig aus, wenn US-Präsident Trump in seinen Tweets seine weltpolitischen Ansichten deutlich machte und gleichzeitig auch Einblick in die aktuellen Konfliktherde der Welt gab.

Und davon gab es reichlich: Zu Monatsbeginn waren es vor allem die Handelszölle auf chinesische Waren, die den Markt in Atem hielten. Trump signalisierte gegenüber Peking unbedingte Härte und drohte sogar damit, nicht nur Stahl und Aluminium, sondern chinesische Waren im Wert von 100 Milliarden Dollar mit Strafzöllen zu belegen. China seinerseits antwortete auf ähnliche Art.

Dieser kurz vor der Eskalation stehende Handelskrieg schickte die Ölpreise zunächst auf Talfahrt. Denn die Aussichten, dass die Weltwirtschaft ausgebremst werden und die Nachfrage dementsprechend sinken könnte, wurden in diesem Umfeld immer wahrscheinlicher.

Überraschend versöhnliche Töne aus Washington reduzierten diesen Brennpunkt allerdings relativ schnell wieder auf Sparflamme – das Thema ist nicht aus der Welt, sondern wird nun gerade auf dem diplomatischen Parkett bearbeitet.

Dafür stand quasi direkt im Anschluss Syrien im Mittelpunkt. Nach einem (mutmaßlichen) Chemiewaffenangriff durch syrische Regierungstruppen im eigenen Land hatte Trump sofort und vehement mit Vergeltung gedroht – auch über Twitter. Gleichzeitig hatte er dabei auch Russland beschuldigt, an Assads Seite zu stehen. Die Eskalationslage verdichtete sich zusehends, die Preissteigerungen bei Öl – im Zusammenspiel mit Risikoprämien – erreichten teilweise bereits neue Langzeithochs.

Man konnte praktisch zusehen, wie die Märkte erst dann wieder ausatmeten, als ein US-Militärschlag gegen Syrien ohne Tote verlief und sich ausschließlich auf militärische Infrastrukturen beschränkte.

Doch auch dieses Ausatmen war nur von kurzer Dauer, als das alles bestimmende Thema gen Monatsende in den Mittelpunkt rückte: das Iran-Atomabkommen. Trump hatte schon mehrfach geäußert, dass das aus 2015 stammende Abkommen „Erleichterung der Handelssanktionen gegen Zurückhaltung beim Atomprogramm“ nicht ausreichend sei und der Iran des Öfteren gegen die Auflagen verstoßen habe.

So kristallisierte sich für die Öffentlichkeit spätestens zur Monatsmitte heraus, dass das Abkommen zu kippen droht – mit weitreichenden Konsequenzen für die Weltpolitik, die Weltwirtschaft und nicht zuletzt das Ölangebot. Hinter den Kulissen arbeiteten die Europäer unter Federführung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien zwar unermüdlich daran, die USA doch noch umzustimmen und am Stichtag 12. Mai dieses Abkommen nicht aufzukündigen. Doch resignierte Worte von Frankreichs Präsident Macron bei einem Staatsbesuch in den USA zeigten, dass diese Hoffnung vergeblich sein könnte. Auch Kanzlerin Merkel schien direkt im Anschluss kein Gehör bei Trump zu finden.
 

OPEC erreicht das Ziel des Kürzungsdeals

Alle anderen Faktoren – von den US-Ölbeständen bis hin zur globalen Nachfrageentwicklung – traten in diesem dichten politischen Netz fast vollständig in den Hintergrund. Trump selbst hatte in einem Tweet die OPEC dafür verantwortlich gemacht, dass die Preise innerhalb des Monats April um durchschnittlich 6 bis 7 Dollar gestiegen sind und jenseits ihrer 3,5-Jahres-Hochs rangierten.

Angesichts der politischen Lage ist diese Aussage nur sehr bedingt richtig – hat aber gleichzeitig wahre Aspekte. Die selbstauferlegten Förderkürzungen von OPEC- und Nicht-OPEC-Ländern greifen so erfolgreich, dass das Ziel des Kürzungsdeals, die globalen Bestände auf ein 5-Jahres-Durchschnittsniveau zu senken, bereits fast erreicht ist. Allein im März soll die Quotentreue der Länder bei 149 Prozent gelegen haben.

Erste Länder, darunter ausgerechnet auch Iran, denken deshalb schon laut darüber nach, dass eine weitere Verlängerung des Deals über 2018 hinaus nicht angebracht ist. Saudi-Arabien sieht dies anders, Russland hat sich vom anfänglich deutlichen Nein zur Verlängerung inzwischen zu einer langfristig gewünschten Zusammenarbeit mit der OPEC durchgerungen.

Was mit dem Deal im Jahr 2019 passiert, wird Mitte Juni bei einem OPEC-Treffen beratschlagt und verabschiedet.
 

Der Heizölpreis – ein Blick auf die Entwicklung des Eurokurses

Es ist natürlich klar, dass die weltpolitischen Turbolenzen auch am Eurokurs nicht spurlos vorbeigegangen sind. Selbst hier hatten Trumps Tweets direkt Einfluss. Zur Monatsmitte hatte der Präsident China vorgeworfen, seine Währung künstlich abzuwerten. Dies brachte dem Dollar eine kurzzeitige Schwäche ein und trieb den Euro im Gegenzug auf teilweise über 1,24 US-Dollar.

Doch der Höhenflug war nicht von langer Dauer. Während die europäische Wirtschaftszone mit eingetrübten Konjunkturaussichten zu kämpfen hat, sind die Nachrichten vom US-Markt in den vergangenen Wochen so positiv gewesen, dass der Dollar auf einem stabil starken Niveau rangiert. Der Euro wiederum sank zum Monatsende auf Tiefstwerte wie zuletzt im Januar und gab damit auch dann den Ausschlag für teurere Heizölpreise, wenn die Ölbörsen kurzfristig nachgaben.
 

Was im Mai weiter wichtig bleibt

Der Mai dürfte fortsetzen, was der April schon gebracht hat: Alle uns jetzt bestimmenden Themen werden im nächsten Monat nicht vom Tisch sein. Zwei Daten stehen im Mittelpunkt: Am 1. Mai läuft die Befreiung Europas von den US-Strafzöllen aus, am 12. Mai fällt die Entscheidung über das Iran-Abkommen.

Dazwischen gibt es genug weitere politische Baustellen, die sicher nicht an Bedeutung verlieren. Und auch Trumps Twitter-Account spielt im momentanen Marktgeschehen eine so immense Rolle, wie es bisher noch nie der Fall gewesen ist.

Es gibt also keinerlei Möglichkeit, den Heizölpreis und die Entwicklungen auf den Märkten sicher vorherzusagen. Darum informieren wir Sie täglich mit unseren Heizölnews und analysieren für Sie die wichtigsten tagesaktuellen Entwicklungen. Einen übersichtlichen Blick auf die Kurse erhalten Sie auf unserer Heizölpreisseite.