G 20-Gipfel und OPEC-Meeting: Ölpreise zeigen gespannte Erwartungshaltung

30. November 2018, Nicola Bergau

Obwohl die amerikanische Ölsorte WTI gestern zwischenzeitlich auf unter 50 Dollar fiel, haben sich die Notierungen heute Morgen wieder stabilisiert. Der Markt schaut beim G20-Gipfel sehr genau hin und sucht nach Impulsen für das OPEC-Treffen. Heizöl heute etwas günstiger.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Russland befürwortet nun doch langsame Kürzungen
  • Brent bei 59,65 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 560,25 US-Dollar
  • Euro bei 1,1390 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 74,50 Euro / 100L
     

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

Russland kann sich schrittweise Kürzung vorstellen
Buzzard-Ölfeld in der Nordsee abgeschaltet
Saudi-Arabien kürzt Exporte
OPEC bringt Förderkürzungen ins Spiel
Venezuela fördert alarmierend weniger Öl

G 20-Gipfel in Buenos Aires
IEA-Spitze warnt vor Produktionskürzungen
USA baut weiteres Export-Terminal für Öl
Russland weitet Förderreserven aus
Sanktionen gegen Iran

Saudi-Arabiens Rohölförderung auf Rekordhoch
EIA: Januarnachfrage deutlich niedriger
US-Rohölbestände laut DOE gestiegen
OPEC, EIA & IEA erwarten sinkende Nachfrage- und zugleich steigende Produktionsentwicklung
Sondergenehmigungen der USA für iranisches Öl
USA fördern auf Rekordniveau und nähern sich Energieunabhängigkeit
Libyen und Irak mit stark ausbaufähiger Ölförderung

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 59,65 US-Dollar. Der Vergleichswert von Donnerstag betrug noch 58,79 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 59,51 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 560,25 US-Dollar. Der Vergleichswert am Donnerstag lag bei 562,50 US-Dollar, der Schlusspreis bei 566,00 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 30.11.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Mit dem heute anstehenden G20-Gipfel könnte sich in der kommenden Woche eine Stoßrichtung für die möglichen Kürzungen der OPEC herauskristallisieren. Saudi-Arabien und Russland haben bereits angekündigt, in Buenos Aires Gespräche zur aktuellen Lage des Ölmarkts zu führen. Diese Gespräche sind auch nötig, schließlich herrscht kaum Einigkeit darüber, ob und wie Kürzungen die aktuelle Überversorgungslage bei Öl beheben könnten. Doch scheinbar hat es bereits eine Annäherung gegeben.

Russland war noch gestern Morgen laut Aussagen der Ansicht, dass Preise um die 60 Dollar problemlos tragbar sind und hatte sich gegen Kürzungen ausgesprochen. Saudi-Arabien, das seine Förderung zuletzt auf Rekordniveaus steigerte, ist da standfest anderer Ansicht. Fakt ist, dass ein OPEC-Deal ohne Russland noch weniger zur Ausbalancierung des Marktes beitragen würde – und damit stünde grundsätzlich im Raum, ob der Deal überhaupt Sinn ergibt.

Nun hat sich Russland gestern doch noch überraschend (aber vorsichtig) für Kürzungen ausgesprochen, betonte aber, dass man schrittweise und langsam vorgehen solle. Über handfeste Zahlenwerte und Mengen schwieg man sich erwartungsgemäß bisher aus.

Da weitere Neuigkeiten oder aktuelle Markteinschätzungen gestern ausblieben, konnte der DOE-Bericht zu weiter steigenden US-Ölbeständen nachwirken und schickte insbesondere die amerikanische Ölsorte WTI auf einen Stand unter 50 Dollar, wie wir ihn seit Oktober 2017 nicht mehr gesehen haben. Weitere technische Verkaufssignale folgten.

Der Trend konnte aber nicht anhalten, zumal die Mathematik langsam warnt, dass eine Trendwende durchaus möglich wäre. Genauso, wie zuvor alle Annahmen zu einer knappen Versorgungslage irgendwann eingepreist und die Preissteigerungen ab einem gewissen Punkt nicht mehr tragfähig waren, kündigt sich nun das Gegenteil an: Die Prognosen für die Überversorgung sind umgesetzt, die technischen Verkaufssignale werden immer schwächer. Sollte nun also ein unvorhergesehenes Ereignis die aktuelle Versorgungslage verknappen, könnte sich daraus wieder eine Preisrallye ergeben. Unterm Strich erkennen die Analysten, dass die Preisrutsche genauso schon viel zu lange anhalten wie die vormaligen Preissteigerungen. Normalerweise ist der Markt nicht so eindeutig.

Doch das ist erst einmal nur graue Theorie. Für Heizölkäufer ist wichtiger, dass der Wetterbericht endlich Niederschläge ankündigt, die die Fahrrinnen der wichtigsten europäischen Flüsse wieder auffüllen könnten. Damit würde sich die Lieferstruktur im Inland wieder normalisieren und der Heizölpreis noch schneller auf sein marktaktuelles Niveau zurückkehren, das direkt an die Entwicklungen auf den Ölmärkten gekoppelt ist.

Mit zunehmender Normalisierung müssen sich Kunden aber auch darauf einstellen, dass das Kaufinteresse wieder steigt – der Winter ist schließlich praktisch eingezogen. Darum ist es wichtig, die Heizölbestellung rechtzeitig auszulösen und sich von allen weiteren Entwicklungen unabhängig zu machen.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1390 US-Dollar, Dienstag um die gleiche Zeit waren es 1,1391 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Donnerstag wurde bei 1,1387 US-Dollar festgesetzt.

Im impulsarmen Handelsumfeld bewies das Protokoll der Zinssitzung der US-Notenbank Fed nur noch das, was der Vorsitzende Jerome Powell schon am Vortag durchblicken ließ: 2019 könnte ein Jahr ohne Zinserhöhung werden, die Erhöhung im Dezember wäre die vorerst letzte. All das hatte der Markt schon erwartet und eingepreist, sodass wesentliche Veränderungen im Devisenhandel ausblieben.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • G 20-Gipfel: Russland will schrittweise Kürzung, Trump sagt Treffen mit Putin ab
     

Der heute startende G20-Gipfel ist schon im Vorfeld von Turbulenzen betroffen. Kanzlerin Merkel musste ihre Pläne nach einer Flugzeugpanne umstellen, US-Präsident Trump hat über Twitter angekündigt, das mit Putin geplante Treffen am Rande des Gipfels abzusagen. Grund dafür sei die Auseinandersetzung vor der Krim.

Diese offene Politikmache über den Nachrichtendienst durch Trumps ist nichts Neues und Moskau reagierte nach außen trotzig-gelassen. Wichtig ist in dieser Konstellation für den Ölmarkt vorrangig, dass die USA, Russland und Saudi-Arabien momentan die Hauptakteure sind, die die gesamten Preisturbulenzen tragen.

Trump setzt den Wirtschaftspartner Saudi-Arabien beständig unter Druck, die Ölpreise nicht steigen zu lassen und dreht dabei die eigenen Förderhähne auf Rekordniveau auf. Saudi-Arabien wiederum will mit Kürzungen die aktuell sichtbar gefallenen Preise wieder stabilisieren, will aber nicht im Alleingang handeln – denn nach dem Tod des Journalisten Kashoggi und mit dem Druck aus Washington ist Saudi-Arabien immer wieder isoliert.

Da kommt es zur rechten Zeit, dass Russland nun doch angekündigt hat, sich Förderkürzungen vorstellen zu können. Allerdings sehe man es lieber, wenn diese Kürzungen schrittweise und langsam erfolgten. Damit ist bereits eine grobe Stoßrichtung für das OPEC-Treffen am 6. Dezember in Wien vorgegeben, jetzt geht es um konkrete Zahlen und Quoten.

Die Tatsache, dass Russland bei den Förderkürzungen nun einen moderaten Weg einschlägt und damit zumindest in Teilen die Forderungen von Saudi-Arabien berücksichtigt, stützt das derzeitige Preisniveau.

Gleichzeitig setzt Moskau ein klares Signal in Richtung Washington ab, deren Verhältnis derzeit alles andere als freundschaftlich ist. Insbesondere die Geständnisse des ehemaligen Trump-Anwalts Michael Cohen zur Einmischung Russlands in den US-Wahlkampf und der damit gestiegene Druck auf Trump gießen aktuell weiter Öl ins Feuer. Die Festnahme ukrainischer Marinesoldaten durch russisches Militär vor der Krim am vergangenen Wochenende hatte Trump dazu gebracht, das Treffen abzusagen. Diese Reaktion kommt durchaus überraschend – denn in der Vergangenheit hatte sich der US-Präsident kaum in den Konflikt eingemischt.  

Es wundert also nicht, dass der G20-Gipfel auf dem Ölmarkt eine noch größere Rolle spielt als sonst. Jeder Schritt, jede Verkündigung zu Allianzen, Übereinkünften oder auch Aversionen könnte akute Folgen für die Ölpreisentwicklung haben.

Fakt ist aber auch, dass moderate und schrittweise Kürzungen – selbst bis zu den angekündigten 1,4 Mio. B/T – nicht ausreichen könnten, um die aktuelle Überversorgung zu beseitigen. Aber wie schon die Entwicklung vom Juni bis jetzt zeigt, stellen sich Annahmen und Prognosen sehr schnell als voreilig heraus. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, dass Russland zur Mäßigung mahnt. Wer weiß, wie die Konstellation Russland – USA – OPEC nächste Woche aussehen wird.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 74,50 Cent pro Liter Heizöl. Am Donnerstag waren es 74,55 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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