Die Versorgungslage verbessert sich – die Ölpreise fallen

2. August 2018, Nicola Bergau

Heizölpreise steigen am Donnerstag

Nicht nur die Bestandsdaten des US-Departments of Energy vermeldeten mehr Rohöl, auch Irak und Kuwait haben im Juli mehr Öl auf den Markt gebracht. Damit verbessert sich die Versorgungslage und die Ölpreise fielen gestern dementsprechend. Der Eurokurs sorgt allerdings für steigende Heizölpreise.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick
 

  • DOE: mehr Rohöl, aber weniger Benzin in den US-Lagern
  • Irak und Kuwait steigern Ölexporte im Juli
  • Brent bei 72,55 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 640,50 US-Dollar
  • Euro fällt auf 1,1632 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt auf 69,62 Euro / 100L
     

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

▲ Angriff auf saudische Öltanker / Exportstopp nach Europa
▲ Weniger saudische Ölexporte im August
▲ China investiert in die Infrastruktur
▲ Nachfrage im US-Markt zieht an
▲ Produktionsschwierigkeiten in Kanada bis September
▲ Steigende Ölproduktion in OPEC-Staaten begrenzt Reservekapazitäten

▶  Einvernehmliches Ergebnis im Handelsstreit zwischen USA und EU
▶  Rebellen wollen Angriffe auf saudische Tanker einstellen

▼ Spekulationen um neuerliche OPEC-Produktionsausweitung
▼ DOE und API vermelden mehr Öl in US-Vorratslagern
▼ Irak, Kuwait, Saudi-Arabien exportieren mehr Öl im Juli
▼ Mehr US-Ölbohranlagen
▼ EIA: US-Ölförderung wird im Juli und August stark steigen
▼ Wachstum der globalen Ölnachfrage verlangsamt sich
▼ Handelsstreit zwischen USA und China verschärft sich erneut
 

 


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 72,55 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwoch betrug noch 73,97 US-Dollar, der Schlusspreis für Mittwoch wurde bei 72,39 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 640,50 US-Dollar. Der Vergleichswert am Mittwoch lag bei 648,00 US-Dollar, während der Schlusspreis am Mittwoch bei 638,00 US-Dollar festgehalten wurde.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 02.08.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Auch wenn die Preisrutsche bei den wesentlichen Ölnotierungen deutlich sind, so wäre es doch verfrüht, von einer Trendwende zu sprechen. Denn die Preisnachlässe sind eigentlich eher eine Bereinigung, welche die Preissteigerungen der vergangenen zwei Wochen aufgrund von politischen Meldungen oder punktuellen Ereignissen wie dem Angriff der Rebellen auf Öltanker herausgerechnet haben.

Darum wäre es – zumindest im Wochenvergleich – angebrachter, von einer Preisstabilisierung zu sprechen. Es ist trotzdem richtig, dass sich die Versorgungslage auf dem Markt durch die Produktionssteigerungen von Irak, Kuwait und vorrangig Saudi-Arabien verbessert hat. Allerdings gelten die Schätzungen rückblickend für Juli und können dementsprechend kaum abbilden, wie es in den kommenden Tagen und Monaten wird. Deshalb bleiben die Händler auch weiterhin vorsichtig mit ihren Kaufentscheidungen.
 

Entwicklung Eurokurs

Der Euro hat sich noch weiter nach unten orientiert und ist das Zünglein an der Preiswaage für Heizöl. Zum heutigen Tagesstart kostete er 1,1632 US-Dollar, der Vergleichswert für Mittwoch betrug 1,1680 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis für Mittwoch auf 1,1696 US-Dollar fest.

Weiterhin ist der Dollar übermächtig stark und treibt den Eurokurs vor sich her. Gestern signalisierte die US-Notenbank Fed nach ihrer Zinssitzung, dass der bisherige Kurs mit Zinsanhebungen erstens beibehalten und zweitens im September vielleicht noch einmal gestrafft werden könnte. Von dieser Aussicht ließen sich Anleger beeindrucken, während es um die Eurozone momentan sehr ruhig ist.

 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • DOE folgt weitestgehend API-Zahlen zeichnet jedoch ein widersprüchliches Bild vom US-Markt.
  • Auch Kuwait und Irak steigern Produktion
     

DOE: Nachfrage sinkt – mehr Öl in den Lagern

Der Bestandsbericht des Department of Energy hielt zwar gestern in dem Sinne keine Überraschungen bereit, folgte er doch weitestgehend dem API-Bericht. Doch ein paar Fakten sind definitiv erklärungswürdig und etwas widersprüchlicher als bei API.

Die DOE-Daten im Überblick

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-31-020818 // Alle Angaben ohne Gewähr

Erstmals seit Wochen hat die Raffinerieauslastung deutlich zugenommen, was eigentlich für Bestandsabbauten bei Rohöl sorgen müsste. Dennoch sind die Lager laut DOE voller, denn die Exportquote ist gesunken, während die Importe nahezu gleich geblieben sind.

Zudem scheint sich die Nachfrage nach unten orientiert zu haben – was in dieser Deutlichkeit in den vergangenen Wochen nicht so war. Lediglich beim Sommer-Verkaufshit Benzin gingen die Vorräte zurück und entsprachen damit der saisonalen Erwartung.

Eine Überraschung hielt der DOE-Bericht hingegen für die US-Rohölförderung bereit. Diese ist um 0,1 Mio. B/T in der vergangenen Woche gefallen, was zumindest den Eindruck bestätigt, den das DOE gestern mit ihren korrigierten Schätzungen für die Produktion im Mai vermittelt hat: ganz so rasant, wie es den Anschein hatte, wächst die US-Ölindustrie dann doch nicht.

Letztendlich reichten die preissteigernden Faktoren gestern nicht aus, um die preissenkenden Faktoren auszugleichen – zumal das aktuelle Marktumfeld sowieso für die Preiskorrektur nach unten spricht.
 

Die Angebotslücke wird kleiner – aber nicht ausgeglichen

Mit den Meldungen, dass auch Irak und Kuwait ihre Exporte im Juli für ihre Verhältnisse deutlich gesteigert haben, entsteht langsam der Eindruck, dass die Zeit der Preissteigerungen vorbei ist. Doch Experten sehen das ein wenig anders.

Erstens liegen Angebot und Nachfrage nun einfach näher beieinander: Laut Schätzungen der International Energy Agency werden aktuell rund 99,1 Mio. B/T vom Markt benötigt. Im Juni soll das Angebot bei 98,8 Mio. B/T gelegen haben, im Juli dürfte es dementsprechend höher liegen – allerdings hinter dem Komma.

Denn sowohl OPEC-Wortführer Saudi-Arabien, als nun auch Kuwait und Irak produzieren inzwischen an der Kapazitätsgrenze. Zwischen dem (geschätzten) saudischen Maximalwert von 10,6 Mio. B/T und dem aktuellen Niveau von 10,3 Mio. B/T ist eben nicht mehr viel Luft.

Das bedeutet, dass das aktuelle Angebot zwar den aktuellen Bedarf decken könnte, aber weder ein Nachfragewachstum, noch unerwartete Ausfälle durch politische oder wirtschaftliche Ereignisse ausgleichen könnte. Beide Faktoren spielen allerdings eine immense Rolle.

Sollte zum Beispiel Iran wirklich vom globalen Ölmarkt durch US-Sanktionen abgeschnitten werden, müssten die Kalkulationen wieder schlagartig mit rund 1,4 Mio. B/T weniger auskommen – und dieser Wert kann selbst dann nicht ausgeglichen werden, wenn sich neben den OPEC-Staaten nun auch Russland zu noch größeren Steigerungen entschließt.

Selbst bei einem sofortigen Ende des OPEC-Kürzungsdeals wäre der Ausgleich durch die Kapazitätsgrenzen kaum möglich – aber daran ist sowieso niemandem gelegen. Denn eine Ölschwemme würde die Preise kaputt machen und damit alle Erfolge vernichten, die sich die OPEC-Staaten von der freiwilligen Zurückhaltung versprochen haben.

So wird die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage gen Jahresende zumindest nach aktuellem Stand wieder größer, was manchen Analysten dazu verleitet, von Preisen um die 100 Dollar pro Barrel zu sprechen. Das klingt zwar etwas überzogen, aber zumindest sind deutliche Preisverfallstendenzen erst einmal nicht zu erwarten – auch, wenn die aktuelle Marktsituation ein anderes Bild zeichnet.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 69,62 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 69,06 Cent.

Auch wenn sich die Versorgungslage zu bessern scheint und damit auch Aussichten auf Preisnachlässe bestehen, zeigt insbesondere die Marktanalyse zu Angebot und Nachfrage, dass es keinen Sinn ergibt, auf weitere Preisnachlässe zu hoffen – zumindest auf deutliche. Heute Morgen müssen Sie zudem den Eurokurs einkalkulieren, der die Situation zu Ihren Ungunsten verändert und damit wiederum seinen Einfluss als wichtiges Gegenelement zum allgemeinen Marktgeschehen deutlich macht. Sicherheiten sind im aktuellen Marktumfeld also nicht zu geben.

Damit wird es immer wichtiger, sich das heutige Preisniveau zum Heizölkauf zu sichern. Das gilt insbesondere, wenn sich der Tank leert. Denn so machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.