DOE-Bericht mit deutlichen Abbauten: Ölpreise steigen

14. Juni 2018, Nicola Bergau

Heizoelpreise sind gestiegen

Wie vermutet, hat der DOE-Bericht den API-Daten zu den US-Ölbeständen widersprochen und meldet deutliche Abbauten. Die IEA sieht für 2018 eine knappere Angebotslage. Die Ölpreise stiegen nur leicht, bleibt es doch bei einer preismindernden Stimmung. Der Euro hat einen Satz nach oben gemacht.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • DOE meldet deutlich weniger US-Öl
  • IEA schätzt das Öljahr 2018 wie der Markt ein
  • Brent bei 76,46 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 667,50 US-Dollar
  • Euro steigt auf 1,1795 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt auf 69,43 Euro / 100L

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

Bestandsabbauten bei US-Öl laut DOE
IEA schätzt Angebotslage etwas knapper ein
Uneinigkeit innerhalb der OPEC zu Produktionssteigerungen
Nordkorea bekennt sich zu Denuklearisierung
Force Majeure auf Öllieferungen aus Venezuela
Drohende US-Sanktionen gegen Venezuela
USA kündigen harte Sanktionen gegen Iran an

Russland und Saudi-Arabien produzieren mehr Öl
US-Strafzölle auf europäische Stahl und Aluminium 
OPEC-Produktion könnte schon im Juni steigen
 


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 76,46 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwoch betrug noch 75,64 US-Dollar, der Schlusspreis für Mittwoch wurde bei 76,74 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 667,50 US-Dollar. Der Vergleichswert am Mittwoch lag bei 661,50 US-Dollar, während der Schlusspreis am Mittwoch bei 666,00 US-Dollar stand.

 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 14.06.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

In einer eher preismindernden Stimmung, wie sie zuletzt an den Märkten herrschte, zeigen News wie der DOE-Bericht sofort Wirkung. Das ist vor allem ein Zeichen dafür, dass kaum jemand am Markt eine klare Richtungstendenz vorhersagen kann. Auch wenn es so aussieht, dass durch die Fördererhöhungen von Russland und Saudi-Arabien mehr Öl auf den Markt gelangt, ist die Angebotslage dennoch so knapp, dass von einem deutlichen Preisabschwung erst einmal nicht die Rede sein kann. Diesen Annahmen folgte gestern auch der Monatsbericht der International Energy Agency, weshalb seine Auswirkungen eher verhalten blieben.
 

Entwicklung Eurokurs

Der Eurokurs ist heute Morgen sichtbar über die 1,18 Dollar-Marke gestiegen. Kostete die Gemeinschaftswährung zum gestrigen Tagesstart noch 1,1738 US-Dollar, notierte sie heute Morgen bei 1,1814 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis für Mittwoch auf 1,1764 US-Dollar fest.

Die angekündigte Zinssatzanhebung der US-Notenbank wurde gestern offiziell. Im laufenden Jahr wird es nicht nur einen Anstieg der Zinsen um 0,25 Prozentpunkte geben, es wurde gestern auch eine zusätzliche Anhebung für das Jahr 2018 angekündigt. Der Markt hatte dies allerdings erwartet, sodass der Euro nur kurzfristig unter Druck geriet.

Heute verkündet das europäische Pendant EZB seinerseits wichtige Entscheidungen, bei denen es vor allem um das Ende des Wertpapierankaufs gehen könnte. Diese Erwartungshaltung ist im Wesentlichen dafür verantwortlich, dass sich der Euro heute Morgen erholt hat.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • DOE meldet Bestandsabbauten auf breiter Fläche
  • IEA folgt in Monatsbericht Prognosen des Marktes
  • Russland und Saudi-Arabien nutzen WM-Spiel zum Öl-Talk


DOE widerspricht API deutlich                                      

Die vergangenen Wochen haben uns gelehrt, dass der DOE-Bericht zu US-Ölbeständen momentan immer wieder deutliche Widersprüche zum vorherigen API-Bericht aufweist. Normalerweise ergehen sich die API-Zahlen in Superlativen, während das Zahlenwerk des Department of Energy ein moderateres Bild der US-Ölindustrie zeichnet. Dies hatte sich in den vergangenen Wochen umgedreht und auch in dieser Woche schauten die Marktteilnehmer bei den DOE-Zahlen zweimal hin.
 

Die DOE-Daten im Überblick
 

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-24-130618 // Alle Angaben ohne Gewähr // © TOTAL


Nimmt die Raffinerieauslastung zu, sinken folgerichtig die Bestände an Rohöl. Diese saisontypische Annahme wurde vom DOE gestern bestätigt, wo das API noch überraschend Aufbauten gemeldet hatte. Mit dem hohen Bestandsabbau bei Rohöl hatte allerdings niemand gerechnet.

Diese erklären sich laut DOE allerdings durch gesunkene Importe und gleichzeitig gestiegene Exporte, abgepuffert durch eine wiederum gestiegene US-Ölproduktion.

Wirklich für Aufhorchen sorgten vor allem die gesunkenen Bestände bei Destillaten und Benzin, nach denen momentan auf dem US-Markt eine deutlich höhere Nachfrage besteht, als es im Vorjahr und rein statistisch der Fall war.

Damit zeigt sich, dass der Nachfragefaktor weiterhin einen hohen Ausschlag für den Ölmarkt gibt – zumindest exemplarisch am amerikanischen Markt.

Allerdings merken Beobachter bereits an, dass die deutlichen Aussagen, die das DOE in den vergangenen Wochen gemacht hat, durchaus verzerrt sein könnten. Es ist einfach zu auffällig, dass das sonst so moderate Zahlenwerk der US-Behörde aktuell die „reißerischen“ Werte liefert, wie sie sonst vom API zu erwarten sind. Die Verzerrungen könnten sich aus verschiedenen Feiertagen ergeben haben. Es besteht aber immer noch die Möglichkeit, dass die Zahlen durchaus der Realität entsprechen und sich Nachfrage sowie Produktion auf dem US-Markt immer stärker potenzieren.
 

IEA folgt Markterwartungen

Der lang erwartete Bericht der International Energy Agency IEA verpuffte gestern in seinen Auswirkungen fast. Denn die Experten kommen zu Ergebnissen, die der Markt schon längst angenommen hat:

Die Nachfrageentwicklung bleibt stabil und nimmt damit zu. Die globale Versorgungslage wird durch Sorgenkinder wie Iran und Venezuela nicht einfacher. Selbst wenn die OPEC-Länder nun mit der Steigerung ihrer Förderquoten begonnen haben, sind diese möglicherweise erst einmal dazu da, die Ausfälle aus Iran und Venezuela aufgrund von Handelsbeschränkungen durch die USA zu kompensieren. Die IEA rechnet dazu vor, dass das Angebot dann um rund 1,6 Mio. B/T sinken könnte, wenn andere Länder nicht mehr Öl auf den Markt bringen.

Auch die US-Ölindustrie ist bei der IEA Thema. Aber auch hier nimmt man der gefürchteten „Öl-Flut“ momentan etwas von ihrem Schrecken, denn auch hier werden die infrastrukturellen Probleme aufgegriffen (siehe dazu Heizölnews vom 04.06).

Damit gab es von dieser Seite also kaum Überraschungen, was auch die praktische Nichtreaktion auf den Bericht erklärt.
 

Fußball als Öl-Politikum

Selbst, wer mit Fußball absolut nichts am Hut hat und die diesjährige WM eigentlich links liegen lassen will, sollte das Eröffnungsspiel heute zwischen Russland und Saudi-Arabien sehr genau verfolgen. Allerdings nicht unbedingt auf dem Platz.

Denn die beiden Länder wollen die Gelegenheit nutzen, um sich über die beiderseits geplanten und schon umgesetzten Produktionssteigerungen auszutauschen. Zwar hat auch dieses Gespräch am Rande des Platzes keine offizielle OPEC-Note. Die Vollversammlung tritt erst am 22. Juni zusammen und will dann ihr Votum dazu geben, ob die Produktionsquoten nun langsam angehoben werden oder nicht.

Doch Russland und Saudi-Arabien sind die „Spielmacher“ des Kürzungsdeals und setzen ihre Ansprüche momentan auch gegen den Widerstand anderer Deal-Mitglieder durch, die angesichts möglicher Steigerungen das wirtschaftliche Nachsehen haben könnten. (siehe zum Beispiel Heizölnews vom 11.06.)

Was bei diesem Spiel-Talk zur Sprache kommt und welche Auswirkungen das haben wird, analysieren wir morgen früh. Für den sportlichen Aspekt dieser Zusammenkunft stehen anderen Experten bereit.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 69,43 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 68,92 Cent.

Momentan lautet unser wichtigster Tipp für den Heizölkauf: Machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig – und nutzen Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf insbesondere dann, wenn sich der Tank leert.

Denn die Anzahl unsicherer Markfaktoren und kurzfristiger Gegentendenzen ist momentan so hoch, dass sich Vorhersagen innerhalb kürzester Zeit erledigen können. Zwar weiß niemand wie lange und in welchem Umfang, aber genau das ist momentan das Problem für Heizölkäufer. Wenn Sie sich heute zum Kauf entscheiden, können Ihnen die Entwicklungen der nächsten Monate vollkommen gleich sein – und Sie holen die Tankanzeige aus dem roten Bereich.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

Heizölnews Autor

Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel

Der Ölmarkt und der Euro-Dollar-Kurs bestimmen Ihren Heizölpreis. Die Märkte bieten täglich Überraschungen. Wir liefern Ihnen die Hintergrundinformationen.
  kontakt-heizoelnews@total.de

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