Indien und Südkorea dürfen weiter Öl aus Iran importieren: Ölpreise im Sinkflug

2. November 2018, Nicola Bergau

Heizöl heute nur leicht günstiger | 02.11.2018

Die USA haben Südkorea und Indien die weitere Einfuhr von sanktioniertem iranischem Öl erlaubt. Das befeuerte gestern die allgemein preissenkende Stimmung. Die Ölpreise sanken sichtbar, während der Euro zulegte. Der Effekt reichte aus, um auch den Heizölpreis zu drücken.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Markt unterschätzt Libyen und USA
  • Indien und Südkorea dürfen unter Auflagen iranisches Öl importieren
  • Brent bei 73,13 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 687,75 US-Dollar
  • Euro bei 1,1419 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 92,84 Euro / 100L

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

China: Importstopp für iranisches Öl
Saudi-Arabien erwägt Produktionskürzungen
Sicherheitslage im Irak angespannt – Ölindustrie bedroht
Iranische Ölexporte wegen US-Sanktionen rückläufig

Trump will angeblich Handelsstreit mit China beilegen
USA baut weiteres Export-Terminal für Öl
Russland weitet Förderreserven aus
Russland will wohl Tauschgeschäft mit Iran umsetzen

Indien und Südkorea erhalten Sondergenehmigungen von USA für iranisches Öl
USA fördern auf Rekordniveau
Saudi-Arabien und Russland haben Ölförderung um 1,5 Mio. Barrel pro Tag angehoben
Libyen mit ausbaufähiger Ölförderung
Irak auf Exporthoch – mit noch freien Kapazitäten
OPEC und IEA erwarten sinkende Nachfrageentwicklung

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 73,13 US-Dollar. Der Vergleichswert von Donnerstag betrug noch 74,55 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 72,89 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 687,75 US-Dollar. Der Vergleichswert am Donnerstag lag bei 699,00 US-Dollar, der Schlusspreis bei 685,75 US-Dollar.
 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 01.11.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Auch wenn es mit den Notierungen im Vergleich weiter sichtbar nach unten geht, ist die Zeit für eine eindeutige Trendwende noch nicht gekommen. Denn zum Morgen steigen die Werte wieder leicht an und zeigen auch im Tagesverlauf deutliche Schwankungen.

Diese sogenannte Volatilität ist ein deutliches Zeichen für die Verunsicherung des Marktes, der immer noch in der Prognoseunsicherheit gefangen ist. Die kommenden US-Sanktionen gegen iranisches Öl haben indes immer mehr an Einfluss verloren. So wurde nun auch bekannt, dass Indien und Südkorea, die schon länger mit den USA verhandeln, nun doch eine Ausnahmeregelung erhalten. Sie dürfen weiter iranisches Öl importieren, ohne Strafen befürchten zu müssen. Dieses Zugeständnis beruht aber auf Auflagen.

Viel wichtiger wirkt nach, dass man offensichtlich unterschätzt hat, wie deutlich die USA ihre Schieferölproduktion gesteigert haben. Nachdem gestern bekannt wurde, dass die USA im August laut Bericht des EIA zum größten Erdölproduzenten der Welt aufgestiegen sind (wir berichteten), rückt nun auch Libyen in den Fokus. Hier sind ebenfalls große Steigerungen zu verzeichnen, die selbst von zeitweiligen Streiks oder Unruhen kaum eingegrenzt wurden.

Damit verdichten sich die Anzeichen, dass die extrem knapp eingeschätzte Versorgungslage wohl doch wesentlich komfortabler ist, als zunächst angenommen. Damit kommt nun einfach etwas Druck aus den Kursen, die von der Knappheits-These in den vergangenen Monaten erheblich aufgebläht wurden.

Die Verkaufswelle, die gestern die weiteren Preisnachlässe angeschoben hat, ist dennoch technischer Natur und wird von bestimmten statistischen Mechanismen bestimmt. Aus diesem Grund muss auch erst einmal abgewartet werden, ob den technischen Signalen auch faktische Tatsachen folgen. Sollten etwa die Sanktionen gegen iranisches Öl, die am 4. November in Kraft treten, keine weiteren wesentlichen Auswirkungen zeigen, sind weitere Preisnachlässe durchaus möglich.

Der Eurokurs hat dne Sprung über die 1,14-Dollarmarke wieder geschafft und verstärkt damit die Abwärtstendenz für den inländischen Heizölpreis. Obwohl dieser immer noch entkoppelt ist, zeigen sich auch hier langsam wieder die Einflüsse des globalen Marktes. So wird Heizöl langsam aber stetig günstiger.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1419 US-Dollar, Donnerstag um die gleiche Zeit waren es 1,1360 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Donnerstag wurde bei 1,1393 US-Dollar festgesetzt.

Die Erholung resultiert aus einem schwächeren Dollar, der unter enttäuschenden Industrieindikatoren leiden musste. Gleichzeitig sorgten Fortschritte bei den Brexit-Gesprächen für eine bessere Stimmung auf dem Devisenmarkt. Ein gütlicher Brexit spricht für Europa und stärkt damit die Position des Euro.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Indien und Südkorea dürfen weiter iranisches Öl importieren
  • Will Trump den Handelskrieg mit China beenden?


Weiter iranisches Öl für Indien und China

Zwar gibt es Auflagen und Importbegrenzungen, doch der iranische Ölhahn für Indien und Südkorea wird nun doch nicht vollständig von den USA zugedreht. Nach langen Verhandlungen ist man übereingekommen, dass die beiden Länder ohne Strafen durch Washington ihr Öl weiter aus Iran beziehen dürfen. Indien muss die Einfuhrmenge um rund 35 Prozent senken, in Südkorea darf man nach dem Totalstopp im Juli überhaupt erst einmal wieder importieren.

Dies ist nicht nur ein kleiner Sieg für Iran – und seine Stammkunden. Es zeigt auch, dass die Sanktionen im Vorfeld wohl etwas zu auswirkungsstark eingeschätzt wurden. Denn auch China und Japan stehen in Verhandlungen mit den USA und haben mit Indien und Südkorea nun zwei Referenzfälle parat, die ihre Position stärken.

Allerdings hat China aufgrund des Handelskriegs mit den USA eine wesentlich schlechtere Verhandlungsstärke, ist aber gleichzeitig der wichtigste und größte Importeur iranischen Öls. Darum wäre es durchaus denkbar, dass die Zugeständnisse an Indien und Südkorea seitens der USA nur ein Zeichen für die „Güte“ und „Vernunft“ der Sanktionen sein sollen, dass es aber ansonsten keine weiteren Ausnahmen gibt – schon gar nicht für China, das man in Washington sowieso unter ganz anderen Prämissen betrachtet. Denn weitere Ausnahmen würden eben auch darauf hindeuten, dass man es mit den Sanktionen dann doch nicht so ernst meint. Das wäre zumindest eine politische Einschätzung, die der aktuellen Stimmung im Weißen Haus folgt.

Der Markt nimmt die beiden Ausnahmen dennoch zum Anlass, um die Iran-Sanktionen neu zu bewerten. Der Tenor momentan: Die Auswirkungen scheinen doch nicht so groß zu werden bzw. wird die Öl-Sanktion die Exportsituation nicht noch weiter wesentlich verschärfen. Damit gibt es kaum einen Grund, diesen Faktor erst einmal weiter in den Ölpreis hineinzurechnen. Die aktuellen Preistendenzen sind vielmehr ein Zeichen dafür, dass der Faktor Iran langsam aus dem Preis herausgerechnet wird. Dass dieser aber nicht mit einem Knall, sondern fast kontrolliert und vorsichtig passiert, zeigt, wie sehr der Markt dem „Frieden“ immer noch nicht traut.
 

Trump will angeblich den Handelsstreit beilegen

Die üblichen „gut informierten Kreise“ haben in Washington angegeben, dass Trump den Handelsstreit in China noch in diesem Monat beilegen will. Dies soll angeblich beim Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Ende des Monats anlässlich des G20-Gipfels passieren.

Was von dieser Meldung zu halten ist, kann angesichts der eher erratischen Natur des US-Präsidenten kaum eingeschätzt werden. Außerdem ist die Frage, unter welchen Bedingungen der Streit beigelegt werden könnte und was das für den Wirtschaftsmotor der Welt bedeutet. Löst sich dieses Problemfeld allerdings in Wohlgefallen auf, dann könnten wir erneut mit einem Nachfrageanstieg rechnen, der wiederum das Marktverhältnis zum Angebot infrage stellt. Es bleibt also einmal mehr spannend.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 92,84 Cent pro Liter Heizöl. Am Donnerstag waren es 93,38 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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