Produktionssteigerungen vs. Produktionsausfälle – der Heizölpreis vor dem Wochenende

29. Juni 2018, Nicola Bergau

Stärkerer Eurokurs lasst Heizölpreis leicht fallen. 29.06.2018

Gestern blieb es auf den Märkten relativ ruhig, auch wenn die vielen unerwarteten Produktionsausfälle weiterhin die Preise stabilisieren. Günstig für Heizölkäufer wirkt sich heute der erholte Eurokurs aus. Wir erklären die Lage beim Heizölpreis vor dem Wochenende.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Produktionsausfälle werden saudische Produktionssteigerungen wohl ausgleichen
  • Brent bei 77,84 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 665,75 US-Dollar
  • Euro steigt auf 1,1650 US-Dollar
  • Heizölpreis fällt auf 70,34 Euro / 100L
     

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 

 US-Rohölbestände stark rückläufig  Nach Beschluss: OPEC-Staaten heben Ölproduktion sukzessive an
 US-Regierung erhöht den Sanktionsdruck gegen den Iran  Saudi-Arabien plant Rekordhoch bei Rohölförderung
 Produktionsunterbrechungen in Libyen und Kasachstan halten an  Handelsstreit zwischen USA, EU und China
 Lieferprobleme aus Kanada nach USA  US-Strafzölle auf europäischen Stahl und Aluminium

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 77,84 US-Dollar. Der Vergleichswert von Donnerstag betrug noch 77,43 US-Dollar, der Schlusspreis für Donnerstag wurde bei 77,85 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 665,75 US-Dollar. Der Vergleichswert am Donnerstag lag bei 662,25 US-Dollar, während der Schlusspreis am Donnerstag bei 665,25 US-Dollar stand.

 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 29.06.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

 

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Während sich die für Europa und inländische Heizölkäufer entscheidenden Notierungen kaum verändert haben, ging es gestern vor allem für die amerikanische Referenz-Ölsorte WTI aufwärts. Stand hier der Unterschied (Spread) zur Nordseesorte Brent in den vergangenen Wochen stets bei rund 10 Dollar, gleichen sich die beiden Notierungen nun immer weiter an. Das zieht nicht nur die europäischen Notierungen mit, es zeigt auch, wie knapp die Angebotslage momentan tatsächlich ist.

Denn Lieferschwierigkeiten aus Kanada plus infrastrukturelle Probleme der amerikanischen Ölindustrie machen deutlich, dass auch die „US-Ölflut“ nicht so rollen wird, wie zunächst angenommen. Dadurch wird die globale Angebotslage, die durch zahlreiche andere Förderprobleme bereits noch verschärft wird, nicht gerade entspannter. Darum scheut sich der Markt auch davor, auf fallende Ölpreise zu setzen – was im Gegenzug wiederum die Notierungen hoch hält, auch wenn es ansonsten keine wirklichen News gibt.
 

Entwicklung Eurokurs

Für den Euro ging es im Vergleich zu gestern Morgen heute zum Tagesstart wieder nach oben. Gestern stand er um diese Zeit bei 1,1562 US-Dollar, heute verzeichnen wir einen Wert von 1,1665 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzwert am Donnerstag bei 1,1538 US-Dollar fest.

Wichtigste Begründung dafür ist die Einigung der Regierungschef beim EU-Gipfel, die europäische Asylpolitik zu verschärfen. Zu dieser Frage hatte sich nicht nur die deutsche Regierung in die Krise gestritten, auch andere direkt betroffene Länder wie Italien hatten sich im Vorfeld lautstark gegen eine zu lockere Politik gestellt und damit auch das Scheitern des Gipfels möglich gemacht.

Die Einigkeit, die das Ergebnis nun zeigt, ist ein wichtiges Signal für den Devisenmarkt, der zuletzt konstant an der Stabilität des europäischen Staatenbündnisses gezweifelt hatte. Für Bundeskanzlerin Merkel geht es nun darum, mit der Rückendeckung des Gipfels im eigenen Land wieder für Ruhe zu sorgen – namentlich mit der CSU, die das Thema Asylpolitik zu einem destabilisierenden Thema für die Regierung gemacht hat.

Sollte auch hier eine tragbare Einigung erzielt werden, könnte dies ebenfalls als positives Signal für den Euro gewertet werden und damit die gebeutelte Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar stärken.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Saudische Produktionssteigerungen reichen wohl vorerst nicht für die Marktbalance

Anhaltendende Lieferprobleme in Libyen, Venezuela, zuletzt auch noch Kanada und Kasachstan machen deutlich, wie empfindlich der Markt momentan darauf reagiert, wenn unerwartet Lieferungen ausfallen – und dass es momentan kaum Reserven gibt, um solche unvorhergesehenen Ereignisse auszugleichen.

Darum rechnen Experten nun auch wesentlich deutlicher vor, dass selbst die von Saudi-Arabien für Juli angekündigten Produktionssteigerungen, die immerhin 0,8 Mio. B/T betragen sollen, nicht ausreichen, um solche Lieferausfälle aufzufangen.

Selbst wenn sich die saudische Produktion auf dann rund 10,8 Mio. B/T erhöht, stehen dem aktuell Ausfälle in Höhe von 1,05 Mio. B/T aus den Regionen Kanada, Libyen und Kasachstan gegenüber. Die sinkende Produktion Venezuelas sowie die sinkende Produktion, die Iran aufgrund der Sanktionen hinnehmen muss, sind da noch nicht mitgerechnet.

Es müssten also wesentlich mehr Mitglieder des OPEC-Deals ihre Förderung steigern, um überhaupt ein halbwegs ausgeglichenes Verhältnis aus Angebot und Nachfrage zu schaffen. Doch selbst, wenn Großproduzent Russland und wichtige OPEC-Mitglieder wie die Emirate und Kuwait ihren Output steigern, ist auch damit nicht gesagt, dass sich die knappe Angebotslage verbessert. Denn andere Länder, wie eben Venezuela, produzieren kontinuierlich weniger – und auch jede Steigerung hat ihre (infrastrukturellen) Grenzen.

Damit lässt sich zumindest schon einmal festhalten, dass der OPEC-Beschluss vom 22. Juni in dem Sinne keinerlei Bedeutung mehr für den Markt hat. Außerdem sieht es zunächst so aus, dass die Probleme insbesondere in Libyen und Kanada wohl mindestens noch im Juli anhalten werden. Und darum sind Entspannungen bei den Ölpreisen, wie sie noch in den Tagen vor dem OPEC-Gipfel vorausgesagt wurden, vorerst vom Tisch.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 70,34 Cent pro Liter Heizöl. Am Donnerstag waren es 70,50 Cent.

Wie wir schon mehrfach festgehalten haben, ist das Hoffen auf baldig weiter und schnell sinkende Heizölpreise momentan eher unrealistisch. Nicht nur die zahlreichen Lieferengpässe, auch die relative (bisherige) Wirkungslosigkeit der OPEC-Beschlüsse spielen in diese Entwicklung hinein. Nicht zuletzt der Eurokurs macht mögliche Preisnachlässe für inländische Heizölkäufer momentan immer wieder zunichte.

Darum lautet unser wichtigster Tipp: Machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Auswirkungen unabhängig – und nutzen Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf insbesondere dann, wenn sich der Tank leert. Wenn Sie sich heute zum Kauf entscheiden, können Ihnen die Entwicklungen der nächsten Monate vollkommen gleich sein – und Sie holen die Tankanzeige bei einem gefälligen Preisniveau aus dem roten Bereich.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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