Gasoil- und Rohölnotierungen entkoppeln sich – Heizöl teurer

8. November 2018, Nicola Bergau

Heizöl am Donnerstag teurer 08.11.18

Gestern trat der seltene Fall ein, dass sich die Rohöl-Notierungen und die Gasoil-Werte unterschiedlich entwickelten. Das Problem: der für Heizölkäufer ausschlaggebende Gasoil-Preis machte einen deutlichen Satz nach oben – aus mehreren Gründen. Heizöl heute teurer.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • DOE: US-Ölproduktion macht erneut Sprung nach oben
  • OPEC-Deal-Mitglieder könnten Produktion kürzen
  • Venezuela kurz vor Öl-Kollaps?
  • Gasoil- und Rohölnotierungen entkoppeln sich
  • Brent bei 72,24 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 697,75 US-Dollar
  • Euro bei 1,1433 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 93,98 Euro / 100L
     

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

OPEC und Russland bringen weitere Produktionskürzungen ins Spiel
Venezuela fördert alarmierend weniger Öl
Zweite Sanktionswelle gegen Iran tritt in Kraft
Saudi-Arabien erwägt Produktionskürzungen
Sicherheitslage im Irak angespannt – Ölindustrie bedroht

US-Pipelineprojekte bald abgeschlossen – mehr US-Öl für den Weltmarkt in Aussicht
Trump will angeblich Handelsstreit mit China beilegen
USA baut weiteres Export-Terminal für Öl
Russland weitet Förderreserven aus
Russland will wohl Tauschgeschäft mit Iran umsetzen

EIA erwartet sinkende Nachfrage- und zugleich steigende Produktionsentwicklung
Indien und Südkorea erhalten Sondergenehmigungen von USA für iranisches Öl
USA fördern auf Rekordniveau
Saudi-Arabien und Russland haben Ölförderung um 1,5 Mio. Barrel pro Tag angehoben
Libyen mit ausbaufähiger Ölförderung
Irak auf Exporthoch – mit noch freien Kapazitäten

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 72,24 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwoch betrug noch 71,78 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 72,07 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 697,75 US-Dollar. Der Vergleichswert am Mittwoch lag bei 680,00 US-Dollar, der Schlusspreis bei 692,75 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 08.11.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Mit der Entkopplung von Preisen kennen sich Heizölkunden inzwischen leider gut aus: Die Heizölnotierungen hatten in den vergangenen Wochen entgegen des Börsentrends einen Sprung nach oben gemacht, da die inländische Versorgung durch niedrige Rheinpegel behindert wird.

Nun folgt auch noch die für die Preisbildung des Heizölwerts entscheidende Gasoil-Notierung diesem Trend. Sie kletterte gestern, zunächst rein aufgrund technischer Signale, zusammen mit den Rohölnotierungen sichtbar nach oben. Die Rohölnotierungen gaben im Laufe des Tages wieder nach, was vor allem am DOE-Bericht lag, der den Eindruck einer hochaktiven US-Ölindustrie verstärkte.

Der Gasoil-Preis zeigte sich davon jedoch unbeeindruckt und reagierte vielmehr auf den Vorstoß Russlands, dass die Deal-Mitglieder der OPEC demnächst weitere Produktionskürzungen anstreben könnten.

Die Entkopplung lässt sich schwierig erklären, liegt aber zu großen Teilen in den undurchsichtigen Mechanismen des Marktes begründet. Außerdem ist Gasoil als Zwischenprodukt auf dem Weg zu Heizöl nicht nur von Fördermengen und Lieferstrukturen, sondern auch von Raffinerien und einem Herstellungsprozess abhängig. Man kann also nur vermuten, dass die Gasoil-Entkopplung etwas mit der globalen Infrastruktur und der Nachfrage nach Ölprodukten durch Konsumenten zu tun haben könnte.

So oder so ergibt sich daraus eine ungünstige Ausgangssituation, die Heizöl heute wiederum verteuert.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1433 US-Dollar, Dienstag um die gleiche Zeit waren es 1,1455 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Dienstag wurde bei 1,1487 US-Dollar festgesetzt.

Die Schwankungen sind zwar nicht dramatisch, zeigen aber, wie sehr der Markt auf die heute fallende Entscheidung der US-Notenbank Fed zur weiteren Zinspolitik schaut – insbesondere unter dem Eindruck der Midterm-Wahlen in den USA. Zwar werden keine Überraschungen erwartet, doch hat in den vergangenen Monaten jede neue Verlautbarung der Fed für deutliche Bewegung im Devisenmarkt gesorgt.

Gleichzeitig rücken EU Konjunkturprognosen in den Mittelpunkt, bei denen es hauptsächlich um Italien und dessen Staatshaushalt gehen dürfte. Die neue italienische Regierung liegt im Zwist mit der EU, da sie die Zusagen der vorherigen Staatsführung nicht einhalten will.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • DOE zeigt aktive US-Ölproduktion
  • OPEC erwägt neue Produktionskürzungen
  • Was wird aus Venezuela?
     

DOE übertrifft Markterwartungen

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem DOE-Bericht verstecken sich nicht in den reinen Mengenangaben. Insbesondere die US-Ölförderung und die Nachfrage waren interessant.
 

Die DOE-Daten im Überblick

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-45-081118 // Alle Angaben ohne Gewähr

Im Wesentlichen sind sich DOE und API in ihren Zahlenwerken einig: Die Rohölbestände haben zugenommen, die Destillate sind weniger geworden, die Raffinerieauslastung nimmt nach der Wartungssaison wieder zu.

Allerdings hält das detaillierter arbeitende Department of Energy auch fest, dass die Benzinbestände gestiegen sind. Dies ist ein Indikator für den Befund, dass die Nachfrage auf dem US-Markt über alle Produkte hinweg abgenommen hat.

Gleichzeitig jedoch hat sich die US-Förderung mit einem Gesamtwert von 11,6 Mio. B/T nun auf ein erneutes absolutes Rekordniveau begeben. Gleichzeitig nahmen die Importe zu und die Exporte ob.

Die Rekordförderung steht damit erst einmal im Gegensatz zur Nachfrage, schließlich muss das geförderte Rohöl auch irgendjemand abnehmen. Da dieser Trend aber erst einmal nur die vergangene Berichtswoche abdeckt, ist es noch viel zu früh, irgendeine Art von Schluss daraus zu ziehen.
 

Russland will die Hähne zudrehen

Nachdem schon Saudi-Arabien als OPEC-Wortführer laut über Produktionskürzungen nachgedacht hat, stößt nun auch Russland als wichtigstes Nichtmitglied im Kürzungsdeal offiziell ins gleiche Horn: Kürzungen seien mehr als denkbar, schließlich hat sich die aktuelle Weltlage anders entwickelt, als die Prognosen noch vor einigen Monaten, als man im Juli Förderanhebungen beschlossen habe, verändert.

Oder anders gesagt: Die hohen Preise sind ein Segen für die Produzenten, also sollte man diesen Vorteil nicht verschwinden lassen. Das ist insbesondere deshalb interessant, weil Russland noch vor den Förderanhebungen sehr deutlich sagte, dass man die Preise nicht allzu hoch steigen lassen sollte, um die Abnahme nicht zu gefährden.

Der Stimmungswechsel kommt also durchaus etwas überraschend. Allerdings muss die Welt noch bis zum offiziellen Treffen der OPEC+-Gruppe, wie sie nun knackig genannt wird, am 6. Dezember warten. Erst dort kann die Vollversammlung über das weitere Vorgehen abstimmen.
 

Lage in Venezuela immer dramatischer

Laut International Energy Agency (IEA) steht es immer schlechter um die Wirtschaft Venezuelas. Das von Korruption, Misswirtschaft und Despotentum gebeutelte Land war einstmals ein durchaus wichtiger Lieferant von Rohöl und ist Mitglied der OPEC. Seit dem Amtsantritt von Nicolás Maduro hat sich die Situation kontinuierlich und dramatisch verschlechtert und immer wieder auch unsere Schlagzeilen beherrscht.

Nun wird laut IEA eine psychologisch wichtige Grenze durchbrochen, das Land fördert wohl demnächst nur noch deutlich unter 1 Mio. B/T. Allein von September zu Oktober sei die Produktion um 40.000 B/T gefallen.

Mit solchen Neuigkeiten ist es durchaus legitim, Venezuela aus Sicht der Preisbildung als „neues Iran“ zu definieren: Denn die Auswirkungen des US-Boykotts gegen Teheran haben sich deutlich abgemildert, doch mit den neuen Erkenntnissen aus Venezuela kommt wieder das Thema auf, wie fragil die Versorgungslage auf dem Markt doch ist. Zwar äußerte IEA-Chef Fatih Birol die Hoffnung, dass die Ölpreise nicht noch weiter steigen. Aber mit seiner deutlichen Warnung hat er theoretisch genau diese Entwicklung befeuert.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 93,98 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 92,67 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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