Heizölpreis gerät durch OPEC-Entscheidung nur kurz unter Druck

25. Juni 2018, Felix Schmidt

Heizöl zum Wochenstart etwas teurer // 25.06.2018

Lange hatten die Märkte auf das OPEC-Treffen am vergangenen Freitag geblickt. Die geplante Produktionssteigerung wurde am Ende jedoch nicht in vollem Umfang durchgesetzt - unter anderem aufgrund der Kritik des Irans. Was bedeutet dieser Wochenstart für den Heizölpreis?

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Ölpreise geraten nach OPEC-Entscheidung nur kurz unter Druck
  • Die USA erwägen Strafzölle gegen Autoimporte aus Europa
  • Libyen hat weiter mit Produktionsausfällen zu kämpfen
  • Brent bei 74,22 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 641,00 US-Dollar
  • Euro fast unverändert bei 1,1638 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt auf 68,04 Euro / 100L

 

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung


 Produktionsunterbrechungen in Libyen halten an
 Mögliche US-Strafzölle für europäische Autoimporte
 Force Majeure auf Öllieferungen aus Venezuela
 Drohende US-Sanktionen gegen Venezuela
 USA kündigen harte Sanktionen gegen Iran an

Nach Beschluss: OPEC-Staaten heben Ölproduktion an
US-Rohölfördermenge steigt im Zeitverlauf 
 Unruhe im Handelsstreit zwischen den USA, der EU und China
 US-Strafzölle auf europäischen Stahl und Aluminium 
 OPEC-Produktion könnte schon im Juli steigen

 

 Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 25.06.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 74,22 US-Dollar. Der Vergleichswert von Freitag betrug noch 73,94 US-Dollar, der Schlusspreis für Freitag wurde bei 75,05 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 641,00 US-DollarDer Vergleichswert am Freitag lag noch bei 637,25 US-Dollar, während der Schlusspreis am Freitag bei 645,50 US-Dollar stand.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Schon am Freitag berichteten wir über das Treffen der OPEC-Staaten in Wien. Hintergrund war die Diskussion um das vorzeitige Aufheben der Förderkürzungen, die Anfang 2017 in Kraft getreten waren, um das Überangebot am Ölmarkt zu eliminieren.

Trotz der Tatsache, dass der Iran das Vorhaben zunächst kritisierte, schien die Entscheidung für den Markt bereits schnell festzustehen. Entsprechend gerieten die Ölpreise schon am Freitag unter Druck. Zum Wochenstart pendelten sich die Kurse jedoch recht schnell wieder ein, sodass der Heizölpreis heute leicht im Plus liegt – unter anderem aufgrund der Tatsache, dass sich die Förderquote - trotz Beschluss – insgesamt kaum verändert hat.

Im globalen Handel geht es zudem turbulent zu. Dreh- und Angelpunkt dieser Entwicklung sind die USA, welche inzwischen mit mehreren Wirtschaftsräumen, darunter China und die Europäische Union, im Handelsstreit liegen. Eine Eskalation könnte die Preise entweder drücken oder aber in die Höhe schießen lassen – abhängig davon, welcher Wirtschaftsraum stärker von Strafzöllen und anderen Handelsbarrieren betroffen ist.
 

Entwicklung Eurokurs

An den Devisenmärkten beginnt die neue Woche mit einem nahezu unveränderten Eurokurs. Die Gemeinschaftswährung hatte erst kürzlich wieder die Marke von 1,16 US-Dollar übersprungen und hält sich dort auch heute Morgen mit einem Kurs von 1,1638 US-Dollar. Der Vergleichswert vom Freitag betrug noch 1,1607 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis am Freitag auf 1,1648 US-Dollar fest.

Zum Wochenbeginn legte das Ifo-Institut in München den Geschäftsklimaindex vor, der zu den wichtigsten Indikatoren der deutschen Wirtschaftsleistung zählt. Dieser bescheinigte im Juni eine etwas eingetrübte Stimmung. Allerdings war die leicht rückläufige Entwicklung von den Analysten bereits im Voraus erwartet worden, sodass die Prognose für die bevorstehende zweite Jahreshälfte nicht angeglichen wird. Diese guten Nachrichten für Europas größte Volkswirtschaft stützten letztlich auch den Eurokurs.

Ob diese Einschätzung zutrifft, wird der weitere Verlauf der Handelskonflikte zeigen. Schließlich hatten fünf große Wirtschaftsinstitute ihre Erwartungen aufgrund des Streits zwischen den USA, der EU und China aufgrund dessen nach unten korrigieren müssen. So blickt man weiter mit Sorge auf die gegenseitig erhobenen Strafzölle.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Nach OPEC-Beschluss: Kann sich der Iran durchsetzen?
  • Anhaltende Produktionsunterbrechungen in Libyen
  • Mögliche Ausweitung der US-Strafzölle auf Autoimporte


Vorsichtige Produktionssteigerungen seitens der OPEC

Als die Förderquoten der OPEC Anfang 2017 in Kraft traten, solle das damalige Überangebot, das den Ölpreis kräftig nach unten drückte, aufgehoben werden. Die global steigende Nachfrage sowie sinkende Ölbestände hatten zuletzt dafür gesorgt, dass das Ziel schneller, als erwartet, erreicht werden konnte.

Am vergangenen Freitag diskutierten die OPEC-Staaten deshalb eine Auflockerung der Quoten und schienen sich, mit Ausnahme des Irans, auch relativ einig zu sein, dass eine Anhebung von 1 Mio. Barrel pro Tag im Rahmen des Möglichen liegt.

Im Verlauf des Tages wurde jedoch deutlich, dass es maximal zu einer Anhebung von 0,6 Mio. Barrel pro Tag kommen wird und die Gesamtquote sogar weiter bestehen bleibt. Lediglich die Flexibilität hat sich erhöht. Wenn einige Länder weniger Öl produzieren, als es die Quote vorgibt, können andere Länder diese Mengen nun ausgleichen. Darunter fällt beispielsweise auch der Produktionsrückgang in Venezuela. Einzig eine Übererfüllung der Quoten, wie sie zuletzt stattgefunden hat, soll künftig entfallen. So konnte der Iran mit dem Hinweis, dass das Land in Anbetracht der US-Strafzölle kaum Vorteile aus einer Produktionsanhebung hätte, einen Teilerfolg erzielen.

Diese Nachricht stoppte die Talfahrt des Ölpreises über das Wochenende und sorgte sogar für leichte Aufschwünge zum Wochenstart.
 

In Libyen halten die Produktionsausfälle an

Die Gefechte um wichtige Ölhäfen in Libyen setzen sich scheinbar fort und schüren die Sorge, dass trotz des OPEC-Beschlusses Lieferengpässe entstehen könnten.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, musste in der vergangenen Woche aufgrund des Konflikts die gesamte Belegschaft aus den Exporthäfen in Ras Lanuf und Es Sider abgezogen werden, nachdem Truppen der Petroleum Facility Guards (PFG) die Kontrolle übernommen hatten. Mittlerweile scheint die Libyan National Army (LNA) das Gelände jedoch wieder zurückerobert zu haben.

Libyen ist nach wie vor zerrissen vom Bürgerkrieg und von den Kämpfen verschiedener Milizen. Die wichtigste Einnahmequelle des Landes ist Erdöl. Bei den Auseinandersetzungen sind die Anlagen und Exporthäfen schwer beschädigt worden, weshalb es zu Ausfällen von bis zu 450.000 Barrel pro Tag kam, was ca. der Hälfte der Gesamtproduktion entspricht.
 

Erheben die USA weitere Strafzölle gegen die EU?

Es ist vermutlich das bestimmende Wirtschaftsthema des ersten Halbjahres. Der Handelskonflikt zwischen den USA, der EU und China ist in vollem Gange und alle Länder haben inzwischen Straf- oder Schutzzölle erhoben. Nun droht der EU die nächste Eskalationsstufe. Denn am Freitag kündigte US-Präsident Trump kurz vor Handelsschluss an, Strafzölle für Autoimporte aus der EU prüfen zu lassen. Damit wäre eine Schlüsselbranche in Deutschland und anderen Mitgliedsländern der EU betroffen.

Eine weitere Eskalation würde sich letztlich negativ auf die Nachfrage auswirken, was zwar zunächst keine unmittelbar negativen Konsequenzen für Verbraucher hätte, da bei einer gesunkenen Nachfrage der Ölpreis tendenziell fällt. Doch auch die anderen Preishebel, wie etwa der Eurokurs, müssen in die Rechnung einbezogen werden. So könnte sich aus der Zuspitzung des Konflikts eine brisante Mischung ergeben, die sich letztlich nicht nur negativ auf die Wirtschaftsleistung der EU auswirkt, sondern beim Heizölpreis auch aus Verbrauchersicht negative Konsequenzen mit sich bringt.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 68,04 Cent pro Liter Heizöl. Vor dem Wochenende waren es 67,84 Cent.

Die erwarteten Preisabschwünge in der Folge des OPEC-Treffens sind ausgeblieben, da die geplante Produktionssteigerung nun nicht vollumfänglich umgesetzt wird und im Sinne der Einigkeit Kompromisse mit dem Iran geschlossen werden mussten. In Anbetracht der anhaltenden Ausfälle in Libyen und einer möglichen Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und der EU ist die genaue Entwicklung des also Heizölpreises ungewiss.

Deshalb gilt, wie so oft: Machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Unsicherheiten unabhängig – und nutzen Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf insbesondere dann, wenn sich der Tank leert.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Felix Schmidt – Autor
            

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