Öl- und Heizöpreise steigen durch Kämpfe im Irak

12. Juni 2014

Die Ölpreise stiegen gestern und auch heute im frühen Handel deutlich an. Auslöser ist die Situation im Irak, wo Islamisten die zweitgrößte Stadt Mosul eingenommen haben. In der Folge steigt die Risikoprämie im Ölpreis, da bei einem weiteren Vormarsch der Islamisten mit einem Ausfall der irakischen Öllieferungen gerechnet werden muss. Die Heizölpreise werden in der Folge weiter ansteigen.

Die Gruppe „Isis“ (Islamischer Staat im Irak und in Syrien) befindet sich im Irak auf dem Vormarsch. Ziel der Islamisten, die eng mit Al-Qaida verbunden sein sollen, ist die Errichtung eines islamischen Kalifats auf dem Territorium des Iraks und Syriens. In den letzten beiden Tagen haben die Islamisten die Millionenstadt Mossul sowie die Stadt Baidschi eingenommen, in der sich die größte Raffinerie des Iraks befindet.

Der irakische Ölminister versicherte zwar, dass die Ölexporte des Landes sicher seien, aber falls die Islamisten weiter vordringen oder sogar Bagdad erreichen sollten, erscheint dies sehr fraglich. Der Irak exportiert derzeit circa 2,5 Mio. Barrel Rohöl am Tag. Da die Reservekapazitäten der OPEC nur bei rund 2 Mio. Barrel liegen, könnte ein Ausfall der irakischen Lieferungen nicht aufgefangen werden.

Alternative Lieferanten wie der Iran oder Libyen kommen aus jetziger Sicht auch nicht in Frage, da im Falle des Iran die Atomverhandlungen ins Stocken geraten sind und in Libyen die Ölproduktion durch den Streit zwischen Regierung, regionalen Milizen und anderen Demonstranten nicht wieder zum Laufen kommt. Daher schürt die augenblickliche Situation im Irak Ängste vor einer Versorgungslücke und die Risikoprämie am Markt steigt entsprechend.

Durch die Entwicklungen im Irak gerieten andere Einflüsse in den Hintergrund. Die Ölbestandsdaten der USA hätten die Ölpreise etwas sinken lassen können, da die Produktbestände trotz geringer Raffinerieauslastung zulegten, was auf eine niedrigere Nachfrage schließen lässt. Auch die Rohölimporte sind nur geringfügig gestiegen. Die USA importieren damit im Vergleich zum gleichen Zeitraum vor zwei Jahren fast zwei Mio. Barrel Rohöl pro Tag weniger.

Die Aussichten für diese Woche sind im Hinblick auf die Heizölpreisentwicklung nicht gut. Neben der Lage im Irak scheint es auch verhärtete Fronten im Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine zu geben. Zum Ende der Woche läuft ein Ultimatum Russlands aus, es droht der angekündigte Lieferstopp. Und auch der Euro steht weiter unter Druck und wertet gegen andere europäische Währungen weiter ab. Analysten sehen den Eurokurs bereits auf dem Weg in Richtung der 1,30 US-Dollar Marke. Momentan behauptet sich der Euro noch, was aber weniger an der Stärke des Euros, als an der Schwäche des Dollars liegen könnte.

Eine Übersicht über die regionale Heizölpreisentwicklung finden Sie hier: TOTAL Heizölpreise

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