Eurokurs und Ukraine bleiben bestimmend

Nachdem die Öl- und Heizölpreise die letzten drei Tage kontinuierlich gestiegen sind, erwarten wir heute einen leichten Preisrückgang. Allerdings sollte man nicht mit einer signifikanten Abwärtsbewegung rechnen. Aufgrund der Situation in der Ukraine wird am Ölmarkt vor dem Wochenende in der Regel mehr gekauft als verkauft, um bei einer mit Preissteigerungen verbundenen Eskalation der Lage keine Verluste einzufahren.

Der Euro-Wechselkurs sank gestern zeitweise auf 1,365 Dollar. Der Euro konnte sich dann bis in den heutigen frühen Handel wieder leicht erholen und liegt jetzt bei 1,372 Dollar. Damit ist der Eurokurs auch ein Grund für den leicht sinkenden Start der Heizölpreise. Allerdings erscheint die weitere Entwicklung tendenziell nach unten gerichtet zu sein. Klar ist, dass die EZB einen enorm starken Euro nicht begrüßt.

Der hohe Eurokurs belastet vor allem die schwächeren Volkswirtschaften Europas, da sich deren Exporte außerhalb der Eurozone verteuern, worunter wiederum die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder leidet. Zudem arbeiten die USA an einer Rückführung der lockeren Geldpolitik, während die EZB eine Ausweitung der Geldmenge für Juni bereits mehr oder weniger angekündigt hat. Manche Banken und Analysten prognostizieren einen Eurokurs unter der 1,30 US-Dollar Marke bis zum Ende des Jahres. Dies würde eine erhebliche Verteuerung des in Dollar gehandelten Öls bedeuten und den Heizölpreis zwangsweise kräftig steigen lassen.

Am Ölmarkt wird die Angebots- und Nachfragsituation weiter als ausgeglichen angesehen. In ihrem Ausblick widersprechen sich die großen Energieagenturen IEA und EIA dagegen. Während die internationale Energieagentur einen steigenden Bedarf an OPEC Öl für das zweite Halbjahr prognostiziert, erwartet die amerikanische Energieinformations-Behörde, dass der Bedarf das aktuelle Niveau nicht überschreiten wird.

Risikofaktor ist und bleibt auf absehbare Zeit die Ukraine. Durch das Risiko eines Bürgerkrieges und die immer noch drohenden Sanktionen gegenüber Russlands Energiesektor sind die Ölpreise auf einem höheren Niveau, als es der tatsächlichen Versorgungslage entsprechen würde. Die Risikoprämie im Ölpreis wird beim Ausbleiben deutlicher Signale der Entspannung nicht abschmelzen.

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist die Ankündigung der ukrainischen Regierung, die ausstehenden Forderungen aus den Gaslieferverträgen mit Russland zu begleichen. Wie der riesige Schuldenbetrag von ca. vier Milliarden Dollar dabei aufgebracht werden soll, wurde bisher noch nicht beantwortet. Russland kündigte jedoch an, auch bei einer „signifikanten Teilzahlung“ von einer Unterbrechung der Gaslieferungen in die Ukraine abzusehen.

Ein möglicher Kompromiss würde auch die Sicherheit der Versorgung des europäischen Energiemarktes erhöhen. Der letzte Gaskonflikt im Jahr 2009 zeigte, dass die durch die Ukraine laufenden Gaslieferungen nach Europa von einer Lieferunterbrechung nicht verschont blieben. Daher könnte der Ausblick auf eine sichere Versorgung letztendlich den Kaufdruck auf den Energie-Märkten reduzieren und das Preisniveau sinken lassen.

Eine Übersicht über die regionale Heizölpreisentwicklung finden Sie hier: TOTAL Heizölpreise

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