Heizölpreise: Erste US-Sanktionen gegen Iran – die Auswirkungen

7. August 2018, Peter Dudda

Heizöl am Dienstag etwas teurer 07.08.18

Heute tritt die erste US-Sanktionswelle gegen den Iran in Kraft. Der Öl-Sektor ist zwar offiziell erst in drei Monaten dran, doch wirken sich vor allem Einschränkungen im Devisenhandel bereits jetzt schon negativ aus. Welche Auswirkungen die Sanktionen auf die Ölmärkte haben, erfahren Sie bei uns.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Erste US-Sanktionen gegen Iran treten in Kraft
  • Saudi Arabien räumt bewusste Förderkürzung ein
  • Versorgungslage undurchsichtigf
  • Brent bei 73,98 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 655,00 US-Dollar
  • Euro fällt weiter auf 1,1552 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt auf 71,00 Euro / 100L
     

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung
 

 Ölproduktion Saudi Arabiens geringer als gedacht
 Starker Bestandsabbau im US-Öllager Cushing
 Iran führt militärische Übungen in Seestraße Hormuz durch
 China investiert in die Infrastruktur
 Produktionsschwierigkeiten in Kanada bis September
 Steigende Ölproduktion in OPEC-Staaten begrenzt Reservekapazitäten

 Inkrafttreten erster US-Sanktionen gegen Iran
Iran kritisiert OPEC-Produktionsausweitungen
 Einvernehmliches Ergebnis im Handelsstreit zwischen USA und EU

 China verhängt Strafzölle auf US-Öl-Importe
 Spekulationen um neuerliche OPEC-Produktionsausweitung
 DOE und API vermelden mehr Öl in US-Vorratslagern
 Saudi-Arabien senkt Preise für September-Lieferungen
 EIA: US-Ölförderung wird im Juli und August stark steigen
 Wachstum der globalen Ölnachfrage verlangsamt sich

 


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte zum Dienstagmorgen bei 73,98 US-Dollar. Der Vergleichswert von Montag lag noch bei 73,23 US-Dollar, der Schlusspreis für Montag wurde bei 73,75 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Dienstagmorgen bei 655,00 US-DollarAm Montag waren es noch 651,25 US-Dollar, während der Schlusspreis am Montag bei 655,50 US-Dollar festgehalten wurde.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 07.08.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Der Handel am Montag war vor allem zum Nachmittag hin von einer steten Aufwärtsbewegung bestimmt. Gestützt wurden die Kurse vor allem von zwei Meldungen: Zum einen ist heute die erste Welle der US-Sanktionen gegen den Iran in Kraft getreten. Kommt es zu keiner Einigung zwischen den USA und dem Iran, wird in drei Monaten der iranische Öl- und Gassektor vom gleichen Schicksal ereilt. Doch bereits die aktuellen Sanktionen wirken sich negativ auf die iranische Wirtschaft, vor allem die iranische Exportfähigkeit aus. Denn Devisengeschäfte sind jetzt schon betroffen und immer mehr westliche Unternehmen ziehen sich aus dem Land zurück. Wie die US-Sanktionen übergangen werden könnten erfahren Sie weiter unten im Artikel.  Die zweite preistreibende Meldung wurde durch Saudi Arabien verursacht. Bereits gestern berichteten wir über den Verdacht, dass Saudi Arabien weniger Öl gefördert hat als vereinbart und von den Märkten bisher auch angenommen. Gestern äußerste sich das Königreich offiziell und räumte ein, die Ölförderung im Juli tatsächlich zurückgefahren zu haben. Als Begründung gibt Saudi Arabien an, nicht genug Abnehmer für das geförderte Öl zu finden. Dafür spricht auch die Preissenkung für Lieferungen im September. Zugleich deutet das Gebaren der Saudi auf eine entspannte Versorgungslage hin. Doch auch die Macht der Saudis zur Beeinflussung der Preise kommt hier zum Tragen. Denn im aktuellen Marktumfeld ist Saudi Arabien mithilfe der Produktionsstellschraube die Preise leicht in der Spanne von 70 bis 80 US-Dollar zu halten. Da diese Spann eine stabile Nachfrage garantiert, sollte es auch klar sein, dass eventuelle Mindermengen aus dem Iran durch Saudi Arabien kompensiert werden könnten. Für Heizölverbraucher sind die Zeiten gerade etwas unsicher. Der Euro ist schwach, die Teilnehmer an den Öl-Märkten scheinen verunsichert. Die Preise für Heizöl könnten in dieser Woche noch weiter anziehen.
 

Entwicklung Eurokurs

Der Euro schwächelt weiter, hat sich aber wenigstens auf seinem Wochenstart-Niveau stabilisiert. Zum Morgen kostete der Euro 1,1552 US-Dollar, am Montagmorgen waren es noch 1,1567 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis zuletzt am Montagnachmittag auf 1,1543 US-Dollar fest.

Heute Morgen befindet sich die Gemeinschaftswährung bereits im Aufwind. Gestützt wurde die Entwicklung vor allem durch robuste Außenhandelsdaten aus Deutschland. Die Exporte, vor allem innerhalb der EU sind stabil mit einem leichten Plus und auch die Importe Deutschlands haben etwas zugelegt. Dennoch hat die Deutsche Produktionsleistung im Juni nachgegeben, was zu den gestrigen Verlusten mit beigetragen hat.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • US-Sanktionen gegen den Iran und die Auswirkungen auf die Ölmärkte
     

US-Sanktionen einseitig – EU zeigt sich erfinderisch

Anfang Mai kündigte US-Präsident Donald Trump ein mit dem Iran bestehendes Atom-Regulierungsabkommen im Alleingang auf. Nach Ansicht der USA halte sich der Iran nicht an die Vereinbarungen des Deals und forsche weiter an Technologien, die das „Gleichgewicht“ im Nahen Osten – vor allem zum Ungunsten Israels – verschieben könnten. Zwar machte Trump in der letzten Woche ein Gesprächsangebot in Richtung Teherans, hält aber gleichzeitig seinen harten Kurs bei und verlangt eine komplette Neuverhandlung des Abkommens.

Der Iran zeigte sich indes wenig beeindruckt vom Gesprächsangebot Trumps und verlangte zuallererst Zugeständnisse. Das Trump dazu nicht bereit ist, zeigt das heutige Inkrafttreten der ersten Sanktionswelle. Sanktioniert werden ab jetzt der Devisen- und Goldhandel sowie die Automobilbranche. Anfang November, mit der nächsten Sanktionswelle, wäre auch der Öl- und Gassektor des Irans betroffen. Theoretisch könnte der Iran dann kein Tropfen Öl mehr ausführen, vor allem weil der Handel von Öl global in US-Dollar stattfindet. Doch schon jetzt könnten die Exporte des Irans betroffen sein. Denn Geschäfte in US-Dollar mit dem Iran sind künftig nicht mehr erlaubt. Unternehmen die sich nicht daran halten, könnten ebenfalls mit Sanktionen und Strafen belegt werden.

Die EU, ausgemachte Kritikerin der einseitigen Deal-Aufkündigung durch die USA, feilt zurzeit an Lösungen. Denn die EU ist in einer misslichen Lage. Zum einen möchte sie das Abkommen mit dem Iran fortführen, andererseits möchte sie eigene Unternehmen gegenüber den USA nicht ins offene Messer laufen lassen. Das Abkommen fortzuführen ist aber nur möglich, wenn sich die EU an ihre zugesagten Abmachungen gegenüber dem Iran hält. Das sind zum einen Investitionen im Land und natürlich auch die Aufhebung von Sanktionen.

Bei den Lösungen scheint die EU erfinderisch. So wird überlegt die Notenbanken der einzelnen Länder zu nutzen, um Zahlungen an den Iran abzuwickeln. Auch Tauschgeschäfte scheinen denkbar. Der Iran würde für exportiertes Öl anstatt eine Überweisung eine Gutschrift erhalten. Diese könnte dann wiederum für den Kauf Importgütern verwendet werden. Auf diese Weise müsste kein einziger Dollar fließen und die USA hätten damit keine Grundlage die Geschäfte zu unterbinden und die beteiligten Unternehmen zu bestrafen.

Ein endgültiges Ende des Deals würde den Iran wieder in die Isolation treiben. In der Folge hätte die EU keinen Einsicht und Einflussmöglichkeit in etwaige Atomprogrammen des Landes. Sollte der Iran abgeschlossen von der internationalen Gemeinschaft Kernwaffen herstellen, könnte das zu einer Kettenreaktion der Destabilisierung im Nahen Osten führen. Entsprechend bemüht ist die EU im Umgang mit dem Iran. Dennoch muss sie auch aufpassen wie die USA die Lage einschätzt – denn an einem fehlt es der USA bekanntlich zurzeit am wenigsten: Selbstbewusstsein.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet vor allem aufgrund des schwachen Euros aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 71,00 Cent pro Liter Heizöl. Zum Wochenstart waren es noch 70,66 Cent.

Auch wenn sich die Versorgungslage zu bessern scheint und damit auch Aussichten auf Preisnachlässe bestehen, sollten Heizölverbraucher weiter vorsichtig sein wenn sie auf fallende Ölpreise setzen. Vor allem der fallende Eurokurs könnte bei gleichbleibenden Ölpreisen in den nächsten Tagen für teureres Heizöl sorgen. Auch die niedrigen Pegel am Rhein spielen bei der innerdeutschen Versorgung eine Rolle. Bereits seit einigen Tagen können die Transporte auf den Flüssen mangels Tiefgang nicht im gewohnten Umfang erfolgen.

Damit wird es immer wichtiger, sich das heutige Preisniveau zum Heizölkauf zu sichern. Das gilt insbesondere, wenn sich der Tank leert. Denn so machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Peter Dudda - Autor
            

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