Heizölpreise sinken weiter

20. Dezember 2018, Peter Dudda

Heizoelpreise am Donnerstag gesunken 20.12.18

Überraschende Entwicklungen bei den US-Rohölbeständen und optimistische Bekundungen hinsichtlich der Verlängerung des OPEC-Förderkürzungsdeals über den April hinaus, stützten die Ölpreise. Seit heute Morgen setzt an den Ölmärkten dennoch ein erneuter Preisrutsch ein. Heizöl deutlich günstiger.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • DOE: Fallende Rohölbestände nicht bestätigt, Destillatbestände fallen tatsächlich
  • Saudi Arabien: Verlängerung der Förderbeschränkungen sehr wahrscheinlich
  • Irak: Zeichen stehen auf Kapazitätssteigerungen für Ölförderung
  • Brent bei 55,59 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 524,50 US-Dollar
  • Euro bei 1,1388 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 67,00 Euro / 100L

​Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 Saudi-Arabien kürzt Öl-Exporte vorrangig gen USA
 OPEC+ beschließt Förderkürzungen um 1,2 Mio. B/T
 Kanada kürzt Ölförderung
 USA und China machen Pause im Handelsstreit – vorerst
 Venezuela fördert alarmierend weniger Öl
 Abschaltung des größten libyschen Ölfelds

 DOE-Daten zu US-Ölbeständen nicht nachhaltig preissteigernd
China nimmt US-Ölimporte wieder auf
 USA baut weiteres Export-Terminal für Öl
 Sanktionen gegen Iran

 Russland nutzt den Dezember für deutliche Produktionssteigerungen
 EIA Monatsbericht: US-Ölproduktion legt im Dezember und Januar deutlich zu
 OPEC & EIA: Förderkürzungen werden Überangebot nicht nachhaltig begrenzen
 OPEC-Prognose: Öl-Förderung von Nicht-OPEC-Förderern steigt 2019
 EIA: Januarnachfrage deutlich niedriger
 Sondergenehmigungen der USA für iranisches Öl
 USA fördern auf Rekordniveau und nähern sich Energieunabhängigkeit
 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 55,59 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwoch betrug noch 56,52 US-Dollar, am Dienstag waren es sogar noch 58,65 US-Dollar. Der Schlusspreis wurde gestern Nacht bei 57,24 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 524,50 US-DollarDer Vergleichswert am Mittwoch lag bei 526,75 US-Dollar, am Dienstag waren es noch 542,75 US-Dollar. Der Schlusspreis wurde bei 538,75 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 20.12.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die aktuelle Preisentwicklung im Überblick

Der Blick auf die Ölpreisnotierungen von gestern Morgen und den dazugehörigen gestrigen Schlusspreisen offenbart einen Handelstag ganz im Zeichen steigender Ölpreise. Nachdem die Preise in den letzten Tagen vor allem durch die Nachricht zu Rekordproduktionen der USA stetig gesunken sind, wurde diese Entwicklung gestern vor allem durch zwei Meldungen aufgehalten. Das äußerst optimistische und selbstsichere Bekenntnis des saudischen Energieministers über eine Verlängerung des OPEC-Förderkürzungsdeals über den kommenden April hinaus, beflügelte gestern zuerst die Kurse. Zwar wurde das Abkommen zur Beschränkung der Ölförderung von OPEC nebst Partnern erst vor zwei Wochen verlängert, allerdings eben auch nur für drei Monate und mit einer zu niedrigen Menge, um nachhaltig das steigende (USA-verursachte) Überangebot ausgleichen zu können. Die auf die Deal-Verlängerung ausbleibende Reaktion der Märkte zeigte die Enttäuschung deutlich – ganz klar das Saudi Arabien als Sprachrohr der OPEC da nun aktiv gegenfeuert. Und sei es erstmal nur mit Worthülsen.  

Der zweite preistreibende Faktor bewegt die Märkte zum späten Nachmittag mit der Veröffentlichung des US-Bestandsberichts durch das Department of Energy (DOE). Entgegen der API-Prognosen vom Vortag, sind die US-Rohölbestände keinesfalls gestiegen, sondern zeigen sich sehr stabil. Zugleich fielen die Abbauten bei den Destillatbeständen überraschend hoch aus, sogar etwas höher als noch vom API vorausberechnet.

Heute Morgen sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und die Kurse bewegen sich wieder auf den Niveaus von gestern Morgen und damit auf ihren Langzeittiefs. Ausschlaggebend war hier eine Meldung vom Devisenmarkt: So gab die US-Notenbank FED gestern bekannt, dass sie den US-Leitzins um 0,25%-Punkte anhebt. Das stärkte umgehend den US-Dollar, setzte andere Währungen dafür unter erheblichen Druck. Auch der Euro verlor an Boden. Damit wird der Einkauf von in US-Dollar gehandelten Produkten teurer, in der Folge sinkt die Nachfrage und das wiederum schlägt negativ auf die Ölpreise durch. 

Für inländische Heizölverbraucher ist das bekanntermaßen nur eine bedingt günstige Konstellation. Diesmal allerdings sind die Preisabschläge bei den Ölpreisen insgesamt so deutlich, dass der schwache Euro bei der Bildung der Heizölpreise nahezu ignoriert werden kann und die Heizölpreise dennoch kräftig nachgeben. Auf weiter sinkende Preise zu setzen ist in jedem Fall mit einem Risiko verbunden. Das beweist die Volatilität der vergangenen 24 Stunden. Denn wie es scheint, reicht es schon aus, die Märkte schon mit kleinen preissteigernden Faktoren anzufüttern (siehe DOE und den Aussagen des saudischen Energieministers) um im aktuellen Umfeld schnell mit Preissteigerungen zu reagieren. Sollte sich der Füllstand Ihres Öltanks dem kritischen Bereich nähern, empfehlen wir den baldigen Heizölkauf zu einem immerhin sehr attraktiven Heizölpreisniveau.

 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1388 US-Dollar, gestern Morgen waren es noch 1,1385 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB wurde zuletzt am Mittwochnachmittag bei 1,1405 US-Dollar festgesetzt.

An den o.g. Werten lässt sich die Dramatik die der Eurokurs von gestern zu heute hingelegt hat kaum ablesen. Legte der Kurs im gestrigen Tagesverlauf kräftig zu, sorgte die Meldung zur Anhebung des US-Leitzinses für einen deutlichen Verlust von 1%. Erst heute Morgen setzte wieder ein Erholungskurs ein und der Euro steht heute Vormittag sogar deutlich über der 1,14 US-Dollarmarke.

Die schnelle Erholung ist zwar bei den Ölpreisen noch nicht angekommen – hier spielen andere Weltwährungen eine ebenso wichtige Rolle - , aber gut für Sie als Heizölverbraucher, wenn sie denn auch nachhaltig ist.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • DOE Daten überraschen – jedoch anders als API
  • Irak bereitet Ausweitung der Ölproduktion vor


DOE revidiert API nur bedingt, dennoch überraschend

Der Bilanzeffekt der Raffineure kommt wie es scheint doch zum Tragen: Die US-Rohölbestände sind entgegen der Meldung vom Vortag doch nicht gestiegen, stattdessen leicht gesunken. Zum Ende des Jahres sinken die Bestände in den Rohöllägern der USA normalerweise, denn zu hohe Vorräte belasten die Bilanzen der Raffinerie- und Tanklagerbetreiber. Dass das American Petroleum Institute (API) mit einem Teil seiner Zahlen – wie so oft – falschlag, liegt vor allem an der geringeren Datenbreite. So weist das Department of Energy (DOE) in seinem Bericht z.B. auch Im- und Exportdaten zum US-Ölmarkt aus, diese können das Bild dann drastisch ändern.
 

Die DOE-Daten im Überblick

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-51-201218 // Alle Angaben ohne Gewähr

Bei den Destillatbeständen folgt DOE dem API, legt überraschenderweise sogar noch 800.000 Barrel drauf. Die Destillatbestände erfahren zur kalten Jahreszeit grundsätzlich eine besondere Aufmerksamkeit, immerhin zählt hier auch Heizöl mit rein. Die stark gesunkenen Bestände in dieser Kategorie sind es dann auch letztlich, die gestern für den Effekt steigender Ölpreise (mit-)sorgten.
 

Irak bereitet Ausbau der Ölförderung vor

Das nördlich der süd-irakischen Hafenstadt Basra gelegene Majnoon Ölfeld ist eines der größten des Landes. Nun sollen dort 40 neue Quelle erschlossen werden. Aktuell werden auf dem Ölfeld 240.000 Barrel pro Tag gefördert. Mit den neuen Maßnahmen soll die Produktion auf 400.000 Barrel pro Tag ausgeweitet werden. Wie sich die Maßnahme in die aktuellen und noch viel wichtiger in die eventuell anstehenden Produktionskürzungsvereinbarungen der OPEC eingliedern wird, könnte aus Sicht von Marktbeobachtern spannend werden. Das Verhältnis der kleineren OPEC-Länder zu Saudi Arabien und dem OPEC+ -Partner Russland galt bis zuletzt als sehr angespannt. So hatten die beiden „Großen“ letzten Sommer die Ölförderung angesichts der US-Sanktionen gegen den Iran deutlich ausgeweitet, die kleineren Produzenten blieben mangels vorhandener bzw. schnell aktivierbarer Kapazitäten indes auf der Strecke. Der Irak könnte sich mit den nun anstehenden Expolorationen weiter unabhängig vom Diktat des OPEC-Wortführers Saudi Arabien machen.  
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 67,00 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es noch 68,58 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

 

     Peter Dudda - Autor
            

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