Heizölpreise fallen - der US-Ölboom scheint gekommen

18. Dezember 2018, Nicola Bergau

Heizölpreise am Dienstag gesunken 18.12.18

Die Ölbestände im US-Hauptumschlagslager Cushing sind signifikant gestiegen, im Dezember und Januar prognostiziert die EIA eine deutlich agilere US-Förderung. Diese Indizien für den US-Ölboom trieben die Preise gestern sichtbar nach unten. Heizöl heute günstiger.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Genscape meldet steigende Ölbestände in Cushing, Oklahoma
  • EIA: USA legen im Dezember und Januar bei der Ölproduktion kräftig zu
  • Druck auf Aktienmärkte schürt Zweifel an der Konjunkturentwicklung
  • Brent bei 58,65 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 542,75 US-Dollar
  • Euro bei 1,1364 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 68,73 Euro / 100L
     

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

Saudi-Arabien kürzt Öl-Exporte vorrangig gen USA
OPEC+ beschließt Förderkürzungen um 1,2 Mio. B/T
Kanada kürzt Ölförderung
USA und China machen Pause im Handelsstreit – vorerst
Venezuela fördert alarmierend weniger Öl
Abschaltung des größten libyschen Ölfelds

China nimmt US-Ölimporte wieder auf
DOE revidiert API: US-Bestände stabil
USA baut weiteres Export-Terminal für Öl
Sanktionen gegen Iran

EIA Monatsbericht: US-Ölproduktion legt im Dezember und Januar deutlich zu
OPEC & EIA: Förderkürzungen werden Überangebot nicht nachhaltig begrenzen
OPEC-Prognose: Öl-Förderung von Nicht-OPEC-Förderern steigt 2019
▼ Iranische Ölexporte auf 5-Jahrestief
EIA: Januarnachfrage deutlich niedriger
Sondergenehmigungen der USA für iranisches Öl
USA fördern auf Rekordniveau und nähern sich Energieunabhängigkeit

 

 Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 58,65 US-Dollar. Der Vergleichswert von Montag betrug noch 60,24 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 59,61 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 542,75 US-Dollar. Der Vergleichswert am Montag lag 554,50 US-Dollar, der Schlusspreis bei 550,25 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 18.12.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Selbst die letzten Zweifler dürften angesichts der neuen Meldungen der Energy Information Administration (EIA) und von Genscape zur US-Ölproduktion nun zur Überzeugung kommen, dass der lange angekündigte Ölboom von den Startblöcken gekommen ist.

Die Bestände im größten Umschlagslager in Cushing, Oklahoma sind in der vergangenen Berichtswoche gestiegen, die EIA prognostiziert für Dezember und Januar einen deutlichen Produktionsanstieg. Dementsprechend fielen gestern auch die Ölpreise. Dies galt insbesondere für die amerikanische Sorte WTI, die sich auf ein 15-Monatstief bewegte.

Die „internationale“ Sorte Brent verlor zwar ebenfalls sichtbar an Wert, wird aber im Allgemeinen dann doch noch von den Kürzungsbemühungen der OPEC+-Staaten und der höheren Nachfrage nach dieser Sorte abgefedert.

Der Eurokurs hat sich heute Morgen wieder sichtbar erholt, was für inländische Heizölkäufer den Trend zu Preisnachlässen noch verstärkt. Dahinter stehen erneut deutliche Verluste an den großen Leitbörsen, wobei insbesondere die US-Aktienmärkte vom „Ausverkauf“ bedroht sind. Die europäischen Kurse zeigen sich zwar nicht weniger betrübt, doch die Übermacht des Dollar hat gleichzeitig auch zur Folge, dass diese Währung noch stärker von Verlusten getroffen wird. Hintergrund dieser Entwicklung sind weiterhin deutliche Anzeichen für eine allgemeine Konjunkturschwäche.

Für Heizölkäufer heißt es heute am besten zuschlagen, schließlich ist das Preisniveau so gefällig, dass sich der Heizölkauf vor den Weihnachtstagen praktisch anbietet. So kommen Sie gut durch den erwarteten knackigen Winter und sichern sich das möglicherweise beste Preisniveau der kommenden Tage.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1364 US-Dollar, Montag um die gleiche Zeit waren es 1,1308 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Montag wurde bei 1,1341 US-Dollar festgesetzt.

Normalerweise ist eine Eurokurserholung ein Zeichen für eine stabilere Konjunktur im Euroraum oder wenigstens eine eher isolierte Konjunkturschwäche in den USA. Doch aktuell geht es bei den Kursgewinnen nur darum, dass der Euro im Gegensatz zum Dollar keine globale Leitwährung ist. Damit sind seine Verluste einfach nur geringer als beim Dollar, der direkt die allgemein schlechte Stimmung an den Aktienmärkten widerspiegelt.

Beobachter sprechen zunehmend vom Ausverkauf der Wall Street, nachdem die Kursverluste der wichtigsten Indizes gestern nahtlos an den Freitag anschlossen und die Wertentwicklung weiter ins Minus schickten. Die Börsen in Asien und Europa blieben davon natürlich nicht verschont.

Es fehlt grundsätzlich an irgendeinem Zeichen dafür, dass die Weltkonjunktur demnächst wieder an Vitalität gewinnen könnte. Und dieser Fakt wirkt sich in unserem Fachgebiet besonders auch auf die Ölpreise aus. Denn die Nachfrage könnte sich in diesem pessimistischen Umfeld genauso verhalten entwickeln, wie es viele Analysten für 2019 voraussagen.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • USA legen den Öl-Turbo hin

Ganze 630.000 Barrel sind in der vergangenen Woche in Cushing, Oklahoma hinzugekommen. Und zwar täglich. Das größte Umschlagslager der USA ist so etwas wie ein physischer Beweis für den Schieferöl-Boom, den die gesamte Ölwelt bereits seit geraumer Zeit vorhergesagt hat. Zwar gehören zu diesen Barrels auch Importe, doch die USA sind nun problemlos in der Lage, riesige Mengen allein zu produzieren.

Das beweist auch der EIA-Monatsbericht für die US-Ölproduktion, der gestern veröffentlicht wurde. Hiernach ist die Förderung im Dezember auf 8,03 Mio. B/T gestiegen, im Januar soll es laut Prognosen auf 8,17 Mio. B/T gehen. Insgesamt legte die Produktion nach diesen Schätzungen im Vergleich zu den Vormonatsprognosen um rund 0,09 Mio. B/T zu.

Diese Zahlen sind zwar keine definitiven Werte, da der Dezember noch läuft und eindeutige Zahlen erst mit den typischen Verzögerungen der Statistik veröffentlicht werden können. Aber es gibt dennoch keinen Zweifel daran, dass sich die USA tatsächlich nach und nach in die Energieunabhängigkeit fördern, wie es schon mehrfach festgehalten wurde.

Neben den aktiv sprudelnden Ölquellen hat der Bericht auch festgehalten, dass es nun 8.723 noch nicht fertig erschlossene Quellen gibt (Stand November), die sozusagen eine Produktionsreserve darstellen. Der Anstieg um 287 Quellen im Vergleich zu Oktober ist ein absoluter Rekord.

Nun muss sich im aktuellen Marktumfeld aber schon gefragt werden, für wen die US-Unternehmen das ganze Öl eigentlich produzieren. Denn mit sinkender Konjunkturerwartung und der allgemein schlechter erwarteten Nachfrage nimmt auch die Zahl potentieller Abnehmer ab.

Gründe könnte es dafür mehrere geben: Zum einen sind die USA das Land des billigen Benzins und die Bevölkerung kann und wird teure Kraftstoffpreise nicht akzeptieren. Zweitens ist die aktive Produktion wohl auch so etwas wie ein Kraftbeweis und ein politisch-wirtschaftliches Signal.

Die USA festigen ihre Position als Gegengewicht zu den Kürzungsbemühungen der OPEC und brechen damit die Übermacht des Kartells auf dem Weltmarkt auf. Außerdem zeigen sie, dass sie den wichtigen Wirtschaftsfaktor Energieversorgung, der in vielen Teilen der Welt ein Druckmittel aufgrund der Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen ist, allein stemmen können.

Nicht zuletzt ist die Schieferölproduktion zunehmend rentabler und lohnt sich für die Unternehmen bis zu einem Barrelpreis von rund 50 Dollar – Tendenz fallend. Mit dem heutigen 15-Monatstief von WTI bei 48,94 Dollar sind allerdings nun Preise erreicht, bei denen auch die Produzenten anfangen, genauer zu rechnen.

Das regulative Element der US-Schieferölproduktion kann sich auch schnell ins Gegenteil verkehren und einen investitionsintensiven Wirtschaftszweig ausnehmend unrentabel machen. So oder so bleibt die amerikanische Ölindustrie einer der wichtigsten Indikatoren für den Ölmarkt. Und im aktuell unsicheren Umfeld gewinnen damit auch die Wochenberichte von API und DOE, die morgen bzw. übermorgen von uns analysiert werden, zunehmend an Bedeutung.

 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 68,73 Cent pro Liter Heizöl. Am Montag waren es 69,81 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

      Der Ölmarkt und der Euro-Dollar-Kurs bestimmen Ihren Heizölpreis.
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