Hurrikan-Warnung und Raffinierexplosion – Ölpreise ziehen an

9. Oktober 2018, Peter Dudda

Heizöl am Dienstag teurer 09.10.18

Haben die Ölpreise zuletzt noch deutlich nachgegeben, stehen mit einer neuen Hurrikan-Warnung für den Golf von Mexico und der Meldung über eine Raffinerieexplosion in Kanada neue Impulse für Preissteigerungen ins Haus. Zusätzlich belasten Zahlen zu den iranischen Ölexporten. Heizölpreise steigen.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Hurrikan Michael mit Kurs auf Golf von Mexico
  • Explosion in kanadischer Ölraffinerie
  • Iranische Ölexporte niedriger als erwartet
  • Brent bei 84,32 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 740,50 US-Dollar
  • Euro stabil bei 1,1489 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 83,21 Euro / 100L
     

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung


 Havarie in kanadischer Ölraffinierie
Spekulation um Brent-Preis bei 100 US-Dollar bis Ende des Jahres
 Kein Freigabe strategischer US-Ölreserven
 Sicherheitslage im Irak angespannt – Ölindustrie bedroht
 Iranische Ölexporte wegen US-Sanktionen rückläufig
 EIA-Prognose: Unterversorgung der Märkte bis Ende des Jahres

 Tropensturm Michael wird zum Hurrikan mit Kurs auf Golf von Mexico
Iranische Ölexporte niedriger als erwartet
DOE-Bericht trotz deutlich gestiegener US-Rohölbestände ohne Auswirkungen
 Saudi-Arabien sieht Überversorgung 2019
 Keine Annäherung zwischen USA und Iran
 Nigeria plant Ausbau seiner Ölproduktion

 Saudi Arabien bereit Förderreserven zu aktivieren
 China, Indien und Türkei importieren weiter iranisches Öl
 Libyen fördert auf 5-Jahreshoch
 US-Ölbohraktivitäten nehmen weiter zu
 Russland fördert Rekordsummen
 Irak auf Exporthoch – mit noch freien Kapazitäten
 OPEC und IEA erwarten sinkende Nachfrageentwicklung

 

 

Am Montag der letzten Woche (01.10.18) kostete Heizöl im Bundesdurchschnitt noch 80,37 Cent pro Liter (bei einer 3000 Liter Standardlieferung). Zum Freitag (05.10.18) waren es hingegen 82,91 Cent. Damit lagen 73% (750 Stimmen) unserer abstimmenden Leser leider falsch, als sie auf einen sinkenden Heizölpreis setzten. Doch das gilt natürlich nur für den Wochenvergleich, denn am Heizölpreis vom letzten Montag zeigt sich, dass die Tendenz wieder sinkender Preise an sich richtig war.
 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte zum Dienstagmorgen bei 84,32 US-Dollar. Am Montagmorgen waren es noch 83,47 US-Dollar. Der Schlusspreis zum Montag wurde bei 83,91 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, notierte am Dienstagmorgen bei 740,50 US-Dollar. Zum Wochenstart waren es noch 730,75 US-Dollar. Der Schlusspreis wurde zuletzt am Montagabend bei 735,75 US-Dollar festgesetzt.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 09.10.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Nachdem Saudi Arabien und weitere Mitglieder der OPEC zum Ende der letzten Woche eingeräumt hatten ihre Reservekapazitäten zu aktivieren, gaben die Ölpreise zum Wochenende und zum Wochenanfang kräftig nach. Die Heizölpreise zogen mit, auch wenn das aufgrund eines eher schwächelnden Euros nur bedingt möglich war. Der Handel am Montag verlief ganz klar im Zeichen von weiter fallenden Ölpreisen. Die Meldung über einen neuen Hurrikan, der sich gerade über dem Atlantik zusammenbraut und die Nachricht über eine Explosion in einer kanadischen Ölraffinerie beendeten das kurze Intermezzo fallender Ölpreise allerdings wieder. Auch Gewinnmitnahmen zum späten Handel konnten den Kursen im Prinzip nicht viel anhaben, so dass sie allesamt im Bereich ihrer Tageshochs den Handelstag beendeten. Zum Morgen des heutigen Tages setzen sich die Aufwärtsbewegungen vorerst fort. Heizölverbrauchern denen der Tank leer läuft können wir in dieser Situation ganz klar nur eins empfehlen: Machen Sie sich von allen (risikobehafteten) Entwicklungen unabhängig und lösen Sie den Heizölkauf bei einem im Wochenvergleich moderaten Preisniveau aus.      

  

Entwicklung Eurokurs

Zum Dienstagmorgen kostete die Europäische Gemeinschaftswährung 1,1489 US-Dollar. Am Montagmorgen waren es noch 1, 1503 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB wurde zuletzt am Montagnachmittag bei 1,1478 US-Dollar festgesetzt.

Der Euro musste gestern wieder deutliche Verluste hinnehmen, die bis heute Morgen zum Teil schon wieder ausgeglichen sind. Auslöser waren erneute Streitigkeiten zwischen Italien und der EU zu Haushaltsfragen. Auch Zahlen aus der deutschen Wirtschaft belasteten. So sind die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe abermals zurückgegangen.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Warum hat ein Hurrikan über dem Atlantik Auswirkungen auf die Ölpreise?  
  • Explosion in kanadischer Ölraffinerie – Auswirkungen vor allem für die USA
  • Iranische Ölexporte unter den Erwartungen 
     

Tropensturm formt sich zu Hurrikan Michael

Über den karibischen Inseln formierte sich gestern aus einem Tiefdruckgebiet ein Tropensturm, der mittlerweile zum Hurrikan der 1. Stufe befördert wurde. Bis heute Nachmittag wird mit einer Ausweitung der Sturmintensität der 3. Stufe gerechnet. Getauft wurde das Wettergebilde auf den Namen Michael. Nach dem Michael über den östlichen Golf von Mexico hinwegzieht, soll er bereits morgen Abend auf die US-Küste treffen. Die Prognosen gehen von der Nordwestküste Floridas aus, die grundsätzlich eher spärlich mit Öl-verarbeitender Infrastruktur bestückt ist. Problematisch sind aus Sicht der Ölmärkte eher Öl-Förder- und Verladeanlagen auf hoher See, die von den Auswirkungen Michaels betroffen sein könnten. Erste Evakuierungen haben stattgefunden, knapp 20% der Ölproduktion im Golf von Mexico fallen damit kurzfristig weg. Als konkreten Wert werden ca. 300.000 Barrel pro Tag angegeben, die den Märkten jetzt erst einmal fernbleiben.

Auch wenn rein physisch noch kein Tropfen Öl dem Markt durch Michael ferngeblieben ist, sichern sich Händler durch akute Käufe, welche in die Zukunft gerichtet sind, nach dem Eintreffen einer Hurrikannachricht vor Preissteigerungen ab. Ganz nach dem Motto „kaufe jetzt wenn es günstiger ist, als morgen wenn es teurer ist“. Das es morgen überhaupt teurer wird, ist reine Spekulation, wobei Hurrikans der Erfahrung nach oft zu erheblichen Beeinträchtigungen der Ölinfrastruktur und der Ölversorgung führen können – aber eben auch nicht immer. Letztlich trägt das Kaufverhalten nach Bekanntwerden von Michael zu den erneuten Preissteigerungen erheblich bei. Da Michael relativ schnell auf Land trifft, könnte der Spuk auch schnell wieder vorbei sein, was die Ölpreise wiederum entlasten würde – bis zum nächsten Hurrikan.

 

Havarie in kanadischer Ölraffinerie – was ist passiert?

Genau darauf können wir derzeit noch keine Antwort geben. Die betroffene Anlage, gelegen im kanadischen Saint John, ist mit einer täglichen Verarbeitungskapazität von ca. 320.000 Barrel die größte Raffiniere Kanadas. Der Betreiber der Anlage räumte zwar einen größeren Vorfall ein, was genau passiert ist und welche Anlagenteile betroffen sind bleibt offen. Genau diese Informationen wären für die Märkte aber wichtig um abschätzen zu können, wie lange die Anlage ausfallen könnte. Die Raffinerie exportiert etwa die Hälfte ihrer Produkte in die USA. Sollte sich der Ausfall länger hinziehen, sollte sich das spätestens in den US-Bestandsberichten der nächsten Woche bemerkbar machen.


Unklarheiten über iranische Ölexporte

Durch US-Sanktionen wird der Iran derzeit immer mehr wirtschaftlich isoliert. Ab dem 04. November ist es dem Land untersagt, Öl zu exportieren. Etwaige Abnehmer die sich darüber hinwegsetzen, werden den (wirtschaftlichen) Zorn der USA zu spüren bekommen. Nun gibt es Unklarheiten über die aktuellen iranischen Ölexporte. Nach eigenen Angaben exportierte der Iran im September täglich noch etwa 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag. Auf Basis von Schiffbewegungsdaten sollen diese Angaben nun revidiert worden sein. Danach lag die Exportleistung für die erste Oktoberwoche bei nur noch 1,1 Millionen Barrel pro Tag. Daraus lässt sich wiederum schlussfolgern, dass auch die Exporte im September niedriger gewesen sein könnten.

Fakt ist aber auch, dass aufgrund der nächsten Sanktionswelle, weniger Aufträge beim Iran eingehen sollten. Öl was jetzt im Iran bestellt wird, braucht schließlich Wochen um zum Empfänger zu gelangen. Das bedeutet dann wiederum, dass die Exporte in den nächsten Tagen und Wochen noch weiter abnehmen werden. Im April, der Zeit vor der Verhängung neuer Sanktionen durch die USA, lag die tägliche Exportleistung des Irans bei noch 2,5 Millionen Barrel. Experten und Marktbeobachter waren sich weitestgehend einig darüber, dass die Exporte um etwa 1 Million Barrel pro Tag abnehmen könnten. Das es nun bereits eine Abnahme um 1,5 Millionen Barrel sein könnten wirkt belastend für die Versorgungslage und stützt somit die Preise. Da scheint es erst einmal auch egal zu sein, dass die Saudis die iranischen Lieferausfälle ausgleichen wollen, was der iranische Ölminister im Übrigen ohnehin für „Nonsens“ hält.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 83,21 Cent pro Liter Heizöl. Am Montag waren es noch 82,25 Cent.

Für den Heizölkauf gibt es momentan hauptsächlich ein Argument – trotz des Preisniveaus: Die kalte Jahreszeit naht und Sie sollten Ihren Tank rechtzeitig auffüllen. Gleichzeitig ist es die beste Entscheidung, sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig zu machen.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

 

     Peter Dudda - Autor
            

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