Iran nun doch für OPEC-Produktionssteigerungen? Der Heizölpreis vor dem Treffen in Wien

21. Juni 2018, Nicola Bergau

Heizöl vor OPEC-Gipfel günstiger 21.06.2018

Die Vertreter des OPEC-Kürzungsdeals kommen morgen zusammen und im Vorfeld scheint Iran – vormals gegen Produktionsanhebungen – nun doch an einem Kompromiss interessiert. In Libyen halten die Produktionsausfälle an, der DOE-Bericht folgt dem API. Wir erklären die Auswirkungen auf den Heizölpreis.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Möglicher Kompromiss bei OPEC-Kürzungen – Iran an Bord
  • DOE folgt API-Bericht in weiten Teilen – Bestandsabbauten bei Rohöl, Aufbauten bei Produkten
  • Libyen hat weiter mit Produktionsausfall zu kämpfen
  • Brent bei 74,33 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 642,00 US-Dollar
  • Euro fällt auf 1,1549 US-Dollar
  • Heizölpreis fällt auf 68,45 Euro / 100L
     

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung
 

Produktionsausfall in Libyen
Bestandsabbauten bei US-Öl laut DOE
IEA schätzt Angebotslage etwas knapper ein
Uneinigkeit innerhalb der OPEC zu Produktionssteigerungen
Nordkorea bekennt sich zu Denuklearisierung
Force Majeure auf Öllieferungen aus Venezuela
Drohende US-Sanktionen gegen Venezuela
USA kündigen harte Sanktionen gegen Iran an

Iran scheint Kompromiss bei OPEC-Produktionsanhebungen zu billigen
Russland und Saudi-Arabien produzieren mehr Öl
 Erneute US-Strafzölle gegen China
US-Strafzölle auf europäischen Stahl und Aluminium 
OPEC-Produktion könnte schon im Juli steigen
 



Das Abstimmungsergebnis der letzten Woche:

  • 24% / 38 Stimmen: Die Heizölpreise steigen
  • 76% / 122 stimmen: Die Heizölpreise sinken

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:
 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 21.06.2018 // Alle Angaben ohne GewährDer Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 74,33 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mitwoch betrug noch 75,41 US-Dollar, der Schlusspreis für Mittwoch wurde bei 74,74 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 642,00 US-Dollar. Der Vergleichswert am Mittwoch lag bei 651,25 US-Dollar, während der Schlusspreis am Mittwoch bei 647,50 US-Dollar stand.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Auch wenn die Kursveränderungen sehr deutlich scheinen, steht dahinter doch ein eher unentschiedener Handelstag an den Börsen. Die Märkte schauen nun gespannt auf das OPEC-Treffen morgen in Wien und hören bei informellen Verlautbarungen und selbst unbestimmten Äußerungen sehr genau hin. Darum konnte der scheinbar nachgebende Widerstand Irans gegen Produktionsanhebungen gestern auch den Ausschlag für die Preisentwicklung geben, auch wenn am Ende zählt, was die Versammlung in Wien beschließt.

Ausgleichend wirkte der DOE-Bericht zu US-Ölbeständen, der allerdings so eng an den Vorgaben des API-Berichts blieb, dass er kaum neue Impulskraft besaß. Die Produktionsausfälle in Libyen aufgrund von Kämpfen halten an – was an sich zwar kein neuer Fakt ist, aber dennoch auf der anderen Seite der Waagschale deutlichere Preisnachlässe aufgehalten hat.
 

Entwicklung Eurokurs

Der Euro leidet weiterhin unter den Auswirkungen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Kostete die Gemeinschaftswährung zum gestrigen Tagesstart noch 1,1585 US-Dollar, notierte sie heute Morgen bei 1,1549 US-Dollar, die Tendenz ist fallend. Die EZB legte den Referenzpreis für Mittwoch auf 1,1578 US-Dollar fest.

Damit sind die Veränderungen zwar marginal, doch weiterhin sorgt sich der Markt um eine wirtschaftliche Abwärtsspirale, die der Handelsstreit zwischen China und USA weltweit auslösen könnte. Der Euro hat dabei immer noch das Nachsehen, konnte der Dollar doch in den vergangenen Wochen immer wieder durch Zentralbankentscheidungen und hervorragende wirtschaftliche Kennzahlen Boden gut machen. Darum ist die amerikanische Leitwährung momentan eine sicherere Investition als die europäische Gemeinschaftswährung, die von mehr als einem politischen Brennpunkt geschwächt wird – und eben den drohenden Problemen, die durch die Strafzölle auf die Exportnationen zukommen könnten.

 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Iran möglicherweise bei Produktionsanhebungen an Bord
  • DOE folgt API-Zahlen zu US-Ölbeständen
  • Libyen meldet weiterhin Produktionsausfälle aufgrund von Angriffen
     

Iran scheint Widerstand aufzugeben

Bevor sich die Vertreter von OPEC- und Nicht-OPEC-Staaten morgen in Wien zusammensetzen und das weitere Schicksal des OPEC-Kürzungsdeals beschließen, summt die österreichische Hauptstadt bereits vor Gerüchten, inoffiziellen Verlautbarungen und Zitaten für die Reporter.

Am meisten Gehör fand dabei eine Aussage seitens Iran. Das Land sieht sich in naher Zukunft erneuten Sanktionen durch die USA ausgesetzt – und das betrifft vor allem das Ölgeschäft. Darum war Teheran auch bisher vehement gegen die von Saudi-Arabien und Russland ins Spiel gebrachten vorzeitigen Produktionssteigerungen. Denn Iran hat keinerlei Möglichkeit, seine Förderung zu steigern und die Produktion auch auf dem Weltmarkt zu den gleichen Bedingungen wie andere Förderländer anzubieten.

Nun scheint es so, als könnte Iran morgen in Wien doch seine Zustimmung zu Förderanhebungen geben. Allerdings unter einer wichtigen Bedingung: Die Quoten dürften nicht auf Drängen der USA angehoben werden.

Damit bezog sich der Stichwortgeber in Wien auf den Fakt, dass die amerikanische Regierung rund 1 Mio. Barrel mehr Öl pro Tag bei Saudi-Arabien angefragt haben soll (siehe unsere News vom 6. Juni 2018). Als Grund wurde aus Washington explizit darauf hingewiesen, dass man den Angebotsausfall aus Iran, der eben durch die Sanktionen entsteht, ausgleichen wolle.

So entstand natürlich schnell der Eindruck, dass die diskutierten vorzeitigen Produktionsanhebungen auf amerikanisches Geheiß umgesetzt werden – und Iran hatte naturgemäß dagegen etwas einzuwenden.

Die Kompromissbereitschaft Teherans kommt zu einem Zeitpunkt, da nicht mehr 1,5 Mio. Barrel mehr Öl pro Tag im Raum stehen. Diesen Wert hat Russland vor Augen, um einen ausgeglichenen Markt zu schaffen. Doch das ist für alle kleineren OPEC-Dealmitglieder schlicht zu viel. Nationen wie Irak, Venezuela und eben Iran hätten in diesem Fall das Nachsehen. Darum hat Saudi-Arabien als faktischer OPEC-Wortführer nun eine Zahl von rund 0,6 Mio. B/T ins Spiel gebracht. Hier hatte man zuvor mit 1 Mio. Barrel pro Tag kalkuliert.

Saudi-Arabien muss sich als Schiedsrichter positionieren, einerseits, um den Eindruck einer Gefolgschaft zu den USA zu vermeiden, andererseits um alle Deal-Mitglieder an einen Tisch zu bringen und die Verhandlungen nicht zu gefährden. Denn nur, wenn eine weitestgehende Einigkeit zu Produktionsanhebungen besteht, kann das Ölkartell seine Position halten. Nicht zuletzt wurden ja die Förderkürzungen auch als ausgleichendes Marktelement gegen die steigende US-Ölproduktion institutionalisiert.

Keines der OPEC-Mitglieder ist rechtlich an die Quoten gebunden – Russland könnte sich als größter Ölproduzent der Erde sogar einen eigenen Weg leisten – aber gerade durch die Einigkeit zeigen die Produktionskürzungen eine deutliche Wirkung auf dem Weltmarkt, von der bisher alle beteiligten Nationen profitiert haben. Um dies auch weiterhin zu bewahren – und gleichzeitig die immer knapper werdende Angebotslage aufzufangen – ist die Kompromisslösung momentan auch für die großen Nationen der gangbarere Weg.

Denn sollte das Bündnis bröckeln, könnten die Preise ins Bodenlose fallen und auf ein Niveau wie vor den Kürzungen zurückgehen. Dann hätten selbst Russland und Saudi-Arabien das Nachsehen, denn eine gesteigerte Förderung, um mehr Absatz zu schaffen, ist eben auch ein finanzieller Aufwand, der mögliche Gewinne durch Mehrabsatz schnell auffressen kann. Und diese Situation gab es bereits – nämlich vor den Kürzungen.
 

DOE-Bericht und API-Zahlen weitestgehend deckungsgleich – zumindest in den Vorzeichen

Wenn sich die Berichte von DOE und API zu den US-Ölbeständen decken, ist dies fast immer eine Überraschung für den Markt. Denn normalerweise korrigiert das Department of Energy mit einer tragfähigeren statistischen Zahlengrundlage die Werte des American Petroleum Institutes deutlich – ob in die eine oder andere Richtung. In dieser Woche herrscht jedoch grundsätzlich Einigkeit, die dafür sorgte, dass der DOE-Bericht zwar stabilisierende, aber keine preissteigernde Wirkung hatte.
 

Die DOE-Daten im Überblick

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-25-210618 // Alle Angaben ohne Gewähr

 

Noch weniger Rohöl in den Vorratslagern der Raffinerien, dafür noch mehr Bestände bei Destillaten und Benzin – das ist die Quintessenz dieser Woche. Mit einer Auslastungssteigerung von einem Prozent sind die Raffinerien scheinbar langsam auf ihren Sommerniveaus angekommen und produzieren mit Volldampf für die Reisesaison.

Allerdings ist die Nachfrage dazu noch nicht da, im Vergleich zur Vorwoche sogar gefallen. Da auch die Exporte im Vergleich zu den Importen zugelegt haben, ist nichts an den Bestandsveränderungen grundsätzlich überraschend.

Einen interessanten Nebenfakt hielt der DOE-Bericht dennoch parat: Die Ölförderung stagniert und steigt nicht mehr wie in den vergangenen Wochen und Monaten. Daraus ließe sich durchaus ablesen, dass die Probleme bei der Förderlogistik in den USA nun auch auf die Produktion zurückfallen. Denn das Öl kommt nicht in der Menge auf den Markt, wie es aus dem Boden geholt wird – und es ergibt daher wenig Sinn, an der Quelle immer stärker zuzulegen.
 

Libyen meldet weiterhin Angriffe auf Exporthäfen

Die Kämpfe um die wichtigsten libyschen Exporthäfen Es-Sider und Ras Lanuf halten offenbar weiterhin an. In der vergangenen Woche summierten sich die Ausfälle noch auf 240.000 B/T, inzwischen sinkt die tägliche Produktion um 450.000 Barrel. Der Schaden für die libysche Ölproduktion beläuft sich damit inzwischen auf rund 50 Prozent – und selbst bei einem baldigen Ende der Auseinandersetzungen wird es eine ganze Weile dauern, bis die Schäden repariert sind.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 68,45 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 69,22 Cent.

Das OPEC-Treffen ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Ölmonats. Wer mit weiter fallenden Ölpreisen gerechnet hatte, könnte angesichts der Kompromiss-Zahl enttäuscht werden. Denn diese ist nicht in der Lage, die Angebotsknappheit auf dem Weltmarkt erheblich zu reduzieren – und vom Markt bereits heute Morgen eingepreist.

Darum lautet unser wichtigster Tipp: Machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Auswirkungen unabhängig – und nutzen Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf insbesondere dann, wenn sich der Tank leert. Wenn Sie sich heute zum Kauf entscheiden, können Ihnen die Entwicklungen der nächsten Monate vollkommen gleich sein – und Sie holen die Tankanzeige aus dem roten Bereich.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

 

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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