Keine Einigung in Doha - Ölpreis bricht ein

Heizoelpreis sinkt 18-04-2016

Das Treffen der Ölproduzenten in Doha, Quatar endete ohne Abkommen. Eine koordinierte Begrenzung oder gar Reduzierung der Fördermengen ist damit auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Die Ölpreise verzeichneten in der Folge deutliche Verluste. Der Heizölpreis startet mit kräftigen Abschlägen in die Woche.

Ölpreisentwicklung

Am Sonntag trafen sich Vertreter der OPEC und bedeutender Nicht-OPEC Produzenten in Doha. Das Meeting wurde am Markt seit Wochen thematisiert und wird als hauptsächlicher Grund für die seit Mitte Februar steigenden Ölpreise gesehen.

Thematisiert wurde vor allen Dingen ein Vorschlag, der das Einfrieren der Produktion auf dem Niveau vom Januar vorsah. Unklar war dagegen, ob Saudi-Arabien einem Abkommen zustimmt, ohne dass sich der Iran an dieser Maßnahme beteiligt.

Fest stand im Grunde nur, dass dieses Treffen gestern stattfinden wird. Ansonsten bestimmten Spekulationen und widersprüchliche Aussagen den Inhalt der Berichterstattung. Es war bis zum Ende spannend, wer sich bei diesem Treffen mit wem auf was einigen könnte. Jetzt herrscht Gewissheit, man konnte sich überhaupt nicht einigen!

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Die Ölpreise stehen dadurch wieder unter Druck. Das europäische Nordseeöl Brent wird aktuell bei 41,31 US Dollar je Barrel gehandelt. ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, wird bei 355,75 US Dollar je Tonne notiert. Die Ölpreise haben in der Spitze um bis zu fünf Prozent nachgegeben, konnten sich am heutigen morgen jedoch leicht stabilisieren.

Nach allem was bisher bekannt wurde, scheiterte ein Abkommen an Saudi-Arabien. Das Land war nicht bereit Förderbeschränkungen zuzustimmen, ohne dass sich der Iran daran beteiligt. Das ist nur insofern überraschend, da es seitens Saudi-Arabiens in letzter Zeit anders verlautende Aussagen dazu gab.

Der Iran hat von Anfang an klar gemacht, dass eine Beschränkung der Produktion erst dann diskutabel wäre, wenn die Fördermenge das Niveau vor dem Ölembargo erreicht. Da der Iran davon im Moment noch weit entfernt ist, sah man auch keine Notwendigkeit sich an dem Meeting in Doha zu beteiligen.

Die Voraussetzungen waren also klar, daher sehen Marktteilnehmer nach dem gescheiterten Abkommen auch in erster Linie die OPEC als großen Verlierer. Das Kartell habe massiv an Glaubwürdigkeit verloren.

Zumal man bei dem Abkommen die Fördermengen auf Januar-Niveau fixieren wollte, also eine Begrenzung der Produktion auf Rekordmengen. Wenn man sich nicht einmal auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner einigen kann, ist eine tatsächliche koordinierte Reduzierung des Angebotes für die meisten Experten jetzt nahezu ausgeschlossen.

Damit sich Angebot und Nachfrage wieder ausgleichen können, wird sich der Blick nun noch stärker auf die sinkende Ölproduktion in Ländern wie den USA richten. Die EIA (Amt für Energiestatistik im Energieministerium der USA) rechnet bis September mit einem Rückgang der amerikanischen Förderung um fast eine Millionen Barrel pro Tag.

Umstritten bleibt, wie schnell der Ölmarkt durch den Rückgang der Ölproduktion in Ländern mit hohen Produktionskosten zurück in ein Gleichgewicht finden kann. Die Schätzungen reichen von diesem Sommer bis weit ins Jahr 2017 hinein.

Stützend wirkt aktuell neben der rückläufigen amerikanischen Ölproduktion ein Streik der Arbeiter in der kuwaitischen Ölindustrie. Durch die Arbeitsniederlegung soll die dortige Ölproduktion um über 60 Prozent gesunken sein.

Für die Euro- oder Ölpreisentwicklung möglicherweise einflussreiche Wirtschaftsdaten der Woche im Überblick*:

Dienstag, 19.04.2016

  • Vorabschätzung US-Ölbestandsdaten American Petroleum Institute (API)

Mittwoch, 20.04.2016

  • Offizielle US-Ölbestandsdaten Department of Energy (DOE)

Donnerstag, 21.04.2016

  • EZB Zinssatzentscheidung und Pressekonferenz

Freitag, 22.04.2016

  • Baker Hughes Wochenreport (Anzahl aktive US-Bohranlagen)

*Termine ohne Gewähr

Entwicklung Eurokurs

Der Eurokurs liegt derzeit bei 1,1311 US-Dollar. Schwache US-Konjunkturdaten hatten den Dollar zu Wochenschluss belastet und gaben dem Euro im Gegenzug Auftrieb. Ein Schwächeln der amerikanischen Wirtschaftsleistung senkt die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank Fed.

Der Euro hält sich seit über einem Monat weit über der 1,10 US-Dollarmarke. Am Donnerstag wird die EZB ihre Pressekonferenz zur aktuellen Zinsentscheidung abhalten. EZB-Präsident Mario Draghi hat zuletzt erneut betont, bereit für weitere Maßnahmen zur Erhöhung der Inflation in der Eurozone zu sein. Diese könnten den Euro unter Druck setzen.

Heizölpreisentwicklung

Der deutlich gefallene Ölpreis bringt heute deutliche Abschläge beim Heizölpreis. Eine 3.000 Liter Standard Heizöl-Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt etwas mehr als 45 Cent pro Liter Heizöl. Das sind anderthalb Cent weniger als am Freitag.

Theoretisch spricht im Moment vieles für sinkende Heizölpreise. Die Ölpreise könnten nach dem gescheiterten Meeting der Förderländer weiter nachgeben. Das ist jedoch nicht sicher. Für viele Experten war von vornherein klar, dass die Begrenzung der Produktion auf Rekordmengen die Überversorgung kaum reduziert hätte. Es bleibt daher abzuwarten, wie weit die Ölpreise allein durch ein Ende der Spekulationen über künftig mögliche Förderkürzungen sinken können und werden.

In den letzten Wochen hat die Heizöl-Nachfrage stark nachgelassen. Kurzfristige Lieferzeiten sind fast überall verfügbar. Wer noch genügend Heizöl im Tank hat und auf sinkende Heizölpreise spekulieren möchte, sollte unseren Service für eine Preisbenachrichtigung nutzen oder einen Wunschpreis anlegen. So können Sie auch von kurzfristigen Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

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