Keine Entspannung bei Heizölpreisen

26. Oktober 2018, Peter Dudda

Heizölpreise steigen zum Wochenende 26.10.18

Nachdem Saudi Arabien zuletzt seine Ölförderung zur Marktentlastung ausgeweitet hat, könnte die eigene Produktion nun wieder fallen. Die Ölpreise ziehen leicht an. Die Heizölpreise bleiben aufgrund der inländischen Versorgungsituation weiter stark angespannt.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Saudi Arabien: Überversorgung im laufenden Quartal?
  • Russland baut Förderkapazitäten aus
  • IEA-Chef ruft OPEC zur Produktionsausweitung auf
  • Brent bei 76,31 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 703,00 US-Dollar
  • Euro bei 1,1375 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 91,75 Euro / 100L
     

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 Saudi Arabien erwägt Produktionskürzungen
 Spekulation um Brent-Preis bei 100 US-Dollar bis Ende des Jahres
 Kein Freigabe strategischer US-Ölreserven
 Sicherheitslage im Irak angespannt – Ölindustrie bedroht
 Iranische Ölexporte wegen US-Sanktionen rückläufig

 Russland weitet Förderreserven aus
 USA: Rentabilität von Schieferölproduktion steigt
 Russland will wohl Tauschgeschäft mit Iran umsetzen

 Libyen mit ausbaufähiger Ölförderung
 US-Bestände nach DOE mit deutlichen Aufbauten bei Rohöl
 Saudi-Arabien aktiviert Förderreserven
 China, Indien und Türkei importieren weiter iranisches Öl
 Irak auf Exporthoch – mit noch freien Kapazitäten
 OPEC und IEA erwarten sinkende Nachfrageentwicklung

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen mit 76,31 US-Dollar wieder etwas stärker als noch Gestern. So lag der Vergleichswert von Donnerstag bei 75,68 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 76,89 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 703,00 US-DollarDer Vergleichswert am Donnerstag lag bei 693,50 US-Dollar, der Schlusspreis bei 706,75 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 26.10.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Die Rohölpreise sind im Vergleich zum Monatsanfang in dieser Woche um etwa 10 US-Dollar gefallen. Das die Preise überhaupt so hoch steigen konnten, lag vor allem an der Erwartung einer Unterversorgung der Märkte. So war es lange unklar, wie sich die US-Sanktionen gegen den Iran auf die globale Verfügbarkeit von Öl auswirken werden. Die OPEC, allen voran Saudi Arabien, weiteten ihre Produktion aus und konnten das Angebot damit wieder stabilisieren. Zusätzlich wurden die Preise durch die Aussicht auf eine sinkende Ölnachfrage belastet. So kühlt das globale Wirtschaftswachstum nach und nach ab, in der Folge könnte damit künftig weniger Öl verbraucht werden.

Jetzt, nachdem die Preise wieder deutlich gefallen sind, stellt Saudi Arabien wieder die Möglichkeit einer Einschränkung der eigenen Förderung in den Raum. An den Ölmärkten sorgte diese Nachricht gestern für einen kleinen Kurssprung nach oben. In der Kombination mit einem weiter schwachen Euro, belasteten die etwas höheren Ölpreise die ohnehin schon sehr hohen Heizölpreise. Ist der Euro gegenüber dem Dollar schwach, wird der Einkauf von in US-Dollar gehandelten Produkten – wie eben auch Öl – teurer. Im frühen Handel am Freitag gibt der Euro weiter nach, die Ölpreise ziehen parallel weiter an. Zum Wochenende ist damit mit weiter steigenden Heizölpreisen zu rechnen.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro nur noch 1,1375 US-Dollar, Donnerstag um die gleiche Zeit waren es noch 1,1416  US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Donnerstag wurde bei 1,1416 US-Dollar festgesetzt.

Die Vertreter der Europäischen Zentralbank sehen die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone als weiter positiv an, korrigierten dennoch ursprüngliche Erwartungen nach unten. Diese Einschätzungen führen zu einer Belastung der Gemeinschaftswährung. Ein weiteres Thema bleibt der Haushaltsstreit zwischen der italienischen Regierung und der EU, welcher in den vergangenen Wochen den Kurs des Euro bereits stark belastete.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Saudi Arabien bringt Produktionsbeschränkung ins Spiel
  • Russland optimistisch in Sachen Kapazitätssteigerung
  • IEA-Chef Fatith Birol appelliert an OPEC
     

Saudi Arabien sieht Überversorgung

In den letzten fünf Wochen sind die US-Rohölbestände stetig gestiegen. Nach Einschätzung der OPEC, sind diese Zunahmen nicht nur in den USA, sondern auch in den weiteren Mitgliedsstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) zu verzeichnen. Die OECD stellt eine Art Gegenpol zur OPEC, der Organisation Erdölexportierender Länder dar.

Real liegen die Bestände zwar noch unter dem Referenzwert des sogenannten 5-Jahresdurchschnitts, dennoch sieht der saudische Energieminister die Gefahr einer Überversorgung mit Öl für die nächsten Monate. Geht es nach Khalid Al-Falih, könnte bald der Zeitpunkt erreicht sein, wo die OPEC wieder intervenieren müsste. Die OPEC hatte aufgrund zu hoher Ölbestände, eben weit über dem 5-Jahresdurchschnitt, Ende 2016 ein Förderbeschränkungsabkommen verabschiedet. Die damit einhergehende koordinierte Drosselung der Ölförderung sorgte in den vergangenen 2 Jahren für eine stete Absenkung der Bestände und damit für stetig steigende Ölpreise.

Zuletzt im Juni diesen Jahres hatte das Kartell in Zusammenarbeit mit dem engen OPEC-Partner Russland eine  Ausweitung der eigenen Ölproduktion beschlossen. Die Produktionsausfälle von Venezuela und die US-Sanktionen gegen den Iran sorgten damals für erheblichen Druck auf die Versorgungslage, die Preise zogen in der Folge zu schnell an – die Intervention der OPEC zeigte Wirkung und die Preisanstiege konnten ausgebremst werden.

Auch mit der aktuellen „Androhung“ einer Intervention versucht die OPEC, allen voran Saudi Arabien, nun wohl das Heft des Handelns in der Hand zu behalten. Wie genau diese Intervention aussehen wird, konkret welche Produktionseinschränkungen angedacht sind, ist noch völlig unklar. In jedem Fall kann davon ausgegangen werden, dass zuerst das Inkrafttreten der nächsten Sanktionswelle gegen den Iran abgewartet wird. Ab dem 4.11. kann der Iran theoretisch kein einzigen Tropfen Öl mehr exportieren. Die Exporte sind bereits seit Monaten rückläufig, wie weit sie tatsächlich sinken werden die nächsten Monate zeigen.
 

Russlands Ölförderung im Aufwind

Russland räumt derweil ein, die Förderkapazitäten bis Ende des Jahre weiter ausbauen zu wollen. Auch im kommenden Jahr bestünde die Möglichkeit weitere Kapazitäten zu aktivieren. Russland produziert derzeit ca. 11,4 Millionen Barrel Öl pro Tag. Im Mai waren es fast noch eine halbe Million Barrel weniger. Wie hoch die zusätzliche Produktion nun ausfallen könnte ist nicht ganz klar. Nach Aussagen des russischen Energieministers Alexander Nowak könnten es aber einige hunderttausend Barrel pro Tag sein. Das die Ankündigung Russlands gegenläufig zu den Interventionsbestrebungen Saudi Arabiens sind mag etwas verwundern, spätestens beim OPEC-Meeting im Dezember, wenn über die Fortführung des Förderbeschränkungsabkommens beraten wird, sollte es wieder Einigkeit zwischen den Partnern geben.

 

Birol: Die Welt braucht immer noch viel Öl

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) Fatith Birol ruft die OPEC indes zu einer geregelten Produktionssteigerung auf. Er verweist zwar auf eine aktuell gute Versorgungslage, die könne aber ohne Produktionssteigerungen durch die OPEC schnell wieder kippen. Das könnte die angespannte Weltwirtschaft zusätzlich belasten – was nach Birol nicht im Interesse der OPEC liegen könnte.

Konkrete Ergebnisse wird tatsächlich erst das OPEC-Meeting im Dezember liefern. Über die Schlagabtausche im Vorfeld und ihren Einfluss auf die Ölpreisbildung, werden wir an dieser Stelle zuverlässig berichten.

 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 91,75 Cent pro Liter Heizöl. Am Donnerstag waren es 90,88 Cent.

Die niedrigen Pegelstände des Rheins halten weiter an. In der Folge können die Transportschiffe weiter nur mit einem Bruchteil ihrer Kapazität beladen werden und damit steigen die Frachtkosten kräftig an. Das betrifft auch die Öltransporte, vor allem auf dem Rhein. So ist es vor allem Süddeutschland, was unter der angespannten Versorgungssituation leidet.

Auch wenn die Ölpreise am Weltmarkt in den letzten Tagen deutlich gefallen sind, können die Preisabschläge so nicht in sinkende Heizölpreise übertragen werden. Zusätzlich sorgt die saisonal bedingte hohe Nachfrage für längere Wartezeiten. Heizölverbraucher müssen sich daher - je nach Region - auf längere Lieferzeiten, teilweise von mindestens 40 Werktagen für ihre Öllieferung einstellen. Entlastung kann nur vom Himmel in Form von viel, besser gesagt von sehr viel Regen kommen. Zum Wochenende werden bereits steigende Pegelstände erwartet, für eine kurzfristige Entschärfung werden diese aller Voraussicht nach nicht ausreichen.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Peter Dudda - Autor
            

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