Händler nutzen Preissprung – Entspannung bei den Ölpreisen währt nur kurz

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Nachdem die Preise auf 2-Jahreshochs aufgrund des kurdischen Unabhängigkeitsreferendums stiegen, nutzte der Markt dies gestern aus und setzte auf sog. Hedging-Verkäufe. Das trieb die Notierungen nach unten, die Daten aus dem API-Bericht hielten diese Entwicklung jedoch auf. Euro schwächer.

Ölpreisentwicklung

Es war nur konsequent, dass der Markt gestern auf die enormen Preissprünge nach dem Unabhängigkeitsreferendum der autonomen Region Kurdistan im Nordirak mit Verkäufen reagieren würde.

Diese Verkäufe bezogen sich auf einen wichtigen Fakt, der demnächst noch eine große Rolle spielen wird: auf die nahe Zukunft der US-Schieferölindustrie. Denn diese wird bei den aktuellen Preisen rentabler, weshalb Unternehmen noch nicht erschlossene Ölquellen schon einmal absicherten, indem sie das noch nicht verkaufte Öl über sogenannte Hedgings verkauften. Da viele Analysten demnächst eine Öl-Schwemme aus den USA erwarten, befindet sich der Markt gerade auf einem schmalen Grat. Schließlich würde es sich beim aktuellen Preisniveau lohnen, diese Quellen noch schneller zu erschließen und damit noch mehr US-Öl auf den Markt zu werfen.

Der wöchentliche Bericht des American Petroleum Institutes (API) zu US-Ölbeständen vermeldete gestern allerdings erst einmal Bestandsabnahmen bei Rohöl und Destillaten, was den Preisverfall aufgrund des Hedgings ausbremste und der Kurve wieder einen Antrieb nach oben gab.

Der Euro ist unter 1,18 US-Dollar gefallen, da der Dollar zu allen Währungen moderat zulegte. Im Gesamtbild ergeben sich so heute Morgen leicht gestiegene Heizölpreise.

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der europäische Ölpreis der Sorte Brent notierte am Morgen bei 58,66 US-Dollar und damit rund 70 Cent unter dem Dienstagsstart. Der Schlusspreis für Dienstag betrug 58,44 US-Dollar.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, notierte am Morgen bei 552,00 US-Dollar, drei Dollar unter dem Vergleichswert von Dienstag. Hier lag der Dienstagsschluss bei 546,25 US-Dollar. Es zeigt sich hier besonders, wie bewegt der Markt momentan ist.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.

US-Ölunternehmen sichern sich ab

Auch wenn sich momentan ein vorsichtiger Optimismus zur Preisentwicklung der Ölmärkte 2017 breitmacht, scheint niemand der Tendenz recht zu glauben. Schon gar nicht die US-Ölindustrie, die nach den enormen Anstiegen an neuen Anlagen in der ersten Jahreshälfte nun ihre Schäfchen ins Trockene bringen und diese Anlagen auch rentabel machen muss. Deswegen ist es wirtschaftlich ein kluger Schachzug, sich ein finanzielles Polster zu schaffen, um die mittelfristige Rentabilität der Anlagen zu gewährleisten.

Und dafür boten sich die Preissteigerungen von Montag geradezu an. Statt aber vorhandenes Öl mit direkter Verfügbarkeit auf den Markt zu werfen, verkauften Händler gestern Futures auf noch nicht gefördertes Öl aus noch nicht erschlossenen Quellen. Dieses Hedging ist ein Indikator für die Gesamtstimmung am Markt:

Erstens nutzen Verkäufer so die Angst des Marktes vor Ölengpässen, sollte die Türkei Kurdistan bzw. dem Irak wirklich die Möglichkeit verbieten, die Öl-Exportrouten durch türkisches Staatsgebiet zu nutzen. Dabei ginge es allein aus der Region Kirkuk um rund 500.000 Barrel/Tag, die dem Markt fehlen würden. Und da für 2017 eine höhere Nachfrage prognostiziert wird, könnte dies tatsächlich zu einer Angebotslücke, vor allem in Europa, führen.

Zweitens zweifelt kaum jemand daran, dass die US-Ölindustrie in absehbarer Zukunft noch mehr Öl auf den Markt wirft. Schließlich hatten die Unternehmen in der ersten Jahreshälfte so viele Quellen angebohrt wie selten zuvor. Damit sich das lohnt, müssen finanzielle Maßnahmen ergriffen werden, bevor der Preis, aus welchen Gründen auch immer, wieder nachlässt.

Indem vollständig „virtuelles Öl“ in Form von Futures verkauft wird, ist die Finanzierung dieser Quellen schon einmal abgesichert, sodass evtl. Preisnachlässe bei den Ölnotierungen aufgefangen werden, ohne dass die US-Unternehmen weniger davon haben. Im Grunde handelt es sich bei diesem Vorgehen um die gleiche Grundidee wie beim Heizölkauf zu einem günstigen Zeitpunkt: Was demnächst auf den Märkten passiert, ist erst einmal egal, wenn der Tank voll ist. Für die US-Händler heißt dies: Was demnächst auf den Märkten passiert ist erst einmal egal, denn das zukünftig geförderte Öl ist ja schon bezahlt.

Unterschwellig zeigt dies aber auch, dass die US-Industrie sehr genau weiß, dass sie mit ihrer aggressiven Expansion die Preisstabilität gefährdet. Und Analysten kommen zum gleichen Schluss, schauen aber gleichzeitig darauf, was die OPEC als wichtigstes Gegengewicht in Sachen Förderkürzungen dagegen zu unternehmen gedenkt.

Auch wenn dies den Eindruck machen könnte, dass sich die USA als Gegenspieler zur OPEC positionieren und damit ein „heeres Ziel“ (der Ölpreisstabilität) bewusst torpedieren, muss man sich vor Augen führen, dass das Ölkartell als größter Lieferant in der Vergangenheit sowohl die Preise als auch die Verfügbarkeiten zu einem gewissen Teil diktieren konnten. Der Aufstieg der US-Industrie ist insofern ein korrektives Moment, dass so etwas wie einen freien Wettbewerb auf dem Ölmarkt möglich macht.

API-Bericht zeigt Bestandsabbauten

Der wöchentliche Bericht des American Petroleum Institutes (API) zu US-Ölbeständen sorgte gestern dafür, dass das Hedging den Ölpreisen nicht allzu viel anhaben konnte. Die Zahlen vermeldeten entgegen der Erwartung Abbauten bei Rohöl und die Destillate nahmen deutlicher ab als vorhergesehen. Der Vorrat an Benzin stieg allerdings an, obwohl hier ebenfalls Abbauten erwartet wurden.

All diese Befunde sind definitiv immer noch von den Hurricanes in den USA beeinflusst, welche vielen Raffinerien an der Golfküste zugesetzt hatten. Und noch nicht alle laufen wieder auf Hochtouren. Andere wiederum holen nun die verlorene Zeit nach und arbeiten praktisch unter Volllast.

Das könnte erklären, warum es weniger Rohöl in den Lagern gibt, während der Benzinvorrat gleichzeitig gestiegen ist.

Spielte der Benzin-Wert gerade im Sommer eine große Rolle, sind es nun die Destillate, die für die Analysten interessant werden. Schließlich steht auch in den USA der Winter vor der Tür und dann wird weniger Auto gefahren und mehr geheizt.

Deswegen ist ein deutlicher Bestandsabbau bei den Destillaten wohl gestern auch der wichtigere Faktor gewesen, der letztendlich dafür sorgte, dass die Preisnachlässe wegen des Hedgings ausgebremst wurden und die Kurve wieder drehte. Gleichzeitig hat sich in Sachen Kurdistan noch nichts geklärt und der Markt bleibt weiter in Sorge.

Entwicklung Eurokurs

Auch der Euro hat einen für inländische Heizölkäufer ungünstigen Kurs genommen und notierte am Morgen unter 1,18 US-Dollar bei 1,1750 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB lag am Dienstag bei 1,1787 US-Dollar.

Die deutlichen Kursnachlässe der letzten Tage ergeben sich aus der Tatsache, dass die Anleger an den Devisenmärkten entweder den Dollar und damit den Euro ignorierten (Stichwort Nordkorea-Konflikt) oder dem Dollar bzw. der Entwicklung in den USA besondere Aufmerksamkeit schenkten.

Möglicherweise sind nämlich heute definitive Aussagen der US-Regierung zu den Steuerplänen zu erwarten. Präsident Trump hatte die Steuerreform zu einem wichtigen Eckpunkt seines Wahlkampfes gemacht, bisher aber dazu nichts Konkretes geliefert. Vor allem geht es für den Markt um eine Steuersenkung für Unternehmen, was dem Dollar erst einmal mächtig verleihen könnte.

Heizölpreisentwicklung

Bei den heutigen inländischen Heizölpreisen spielen zwei Faktoren die wichtigste Rolle. Auch wenn die Ölpreise im Vergleich zu gestern Morgen geringer sind, sind sie über Nacht doch wieder gestiegen. Und auch der nachlassende Euro ist ein ungünstiges Signal. Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 60,02 Cent pro Liter Heizöl. Am Dienstag waren es noch 59,81 Cent.

Ohne übertriebene Szenarien zu entwerfen, gibt es momentan doch kaum eine andere Richtung der Preise als nach oben. Der Euro hat momentan wenig Rückenwind und es gibt zum aktuellen Zeitpunkt keine Faktoren oder Termine, die das signifikant ändern könnten. Selbst wenn sich die Lage in und um Kurdistan beruhigen sollte, ändert dies nichts an der steigenden Nachfrage, dem Winter, der in Europa bevorsteht und anderen globalen Brennpunkten, die uns seit geraumer Zeit beschäftigen.

Wenn Sie sich heute zum Heizölkauf entscheiden, erhalten Sie zwar nicht das günstigste Preisniveau, doch sichern Sie sich wenigstens gegen mögliche weitere Preissprünge ab und betreiben den gleichen klugen Zug wie die US-Ölindustrie mit dem Hedging.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

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