Produktionsausfälle in Libyen: Heizölpreis im Aufwind.

26. Juni 2018, Felix Schmidt

Produktionsunterbrechungen in Libyen lassen den Heizölpreis steigen // 26.06.2018

Die Situation in Libyen scheint sich verkompliziert zu haben, weshalb weitere Unterbrechungen bei der Öl-Produktion und den Öl-Exporten auftreten können. Gleichzeitig hatte der OPEC-Beschluss kaum Einfluss auf die Ölpreise. Wie geht es für den Heizölpreis weiter?

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Vorerst keine Öl-Exporte aus libyschen Häfen?
  • Im Detail: Lohnt sich der OPEC-Beschluss für die Verbraucher?
  • Sinkende Rheinpegel erschweren den innerdeutschen Öltransport
  • Brent bei 74,74 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 643,50 US-Dollar
  • Euro fast unverändert bei 1,1710 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt auf 68,91 Euro / 100L

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung


 Produktionsunterbrechungen in Libyen verschärfen sich
 Mögliche US-Strafzölle für europäische Autoimporte
▲ Drohende Sanktionen gegen Venezuelas Ölexporte
▲ USA erheben Sanktionen gegen den Iran

▼ Nach Beschluss: OPEC-Staaten heben Ölproduktion an
 US-Rohölfördermenge steigt im Zeitverlauf 
 Unruhe im Handelsstreit zwischen den USA, der EU und China
 US-Strafzölle auf europäischen Stahl und Aluminium 

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 74,74 US-Dollar. Der Vergleichswert am Montag betrug noch 74,22 US-Dollar, der Schlusspreis wurde zum gestrigen Wochenstart bei 74,73 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 643,50 US-DollarDer Vergleichswert am Montag lag bei 641,00 US-Dollar, während der Schlusspreis gestern bei 642,50 US-Dollar stand.

 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 26.06.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Gestern sah es so aus, als sei durch die Rückeroberung der wichtigsten libyschen Exporthäfen Ras Lanuf und Es Sider durch die Libyan National Army (LNA) wieder etwas mehr Stabilität eingekehrt, sodass man mit den Reparatur- und Aufbauarbeiten vor Ort beginnen kann. Doch wie nun bekannt wurde, hat der leitende General die Kontrolle offenbar nicht wieder an die international anerkannte Regierung in Tripolis zurückgegeben.

Unklar ist noch, inwiefern sich diese Entwicklungen auf die Exportmengen aus den libyschen Häfen auswirken werden, die aufgrund der militärischen Auseinandersetzungen in den vergangenen Wochen ohnehin stark eingebrochen waren.

Unterdessen bestätigt sich der Eindruck heute, dass der OPEC-Beschluss von vergangener Woche bereits am Freitag eingepreist wurde – nicht zuletzt, weil die eher verhaltene Ausweitung seitens der Analysten erwartet wurde. So legt der Heizölpreis heute, trotz des Signals in Richtung einer Produktionssteigerung, wieder zu.
 

Entwicklung Eurokurs

Am zweiten Tag der Woche geht es für den Eurokurs nochmals bergauf. Die Gemeinschaftswährung konnte weiter Boden gutmachen und hat so die Marke von 1,17 US-Dollar erreicht. Der Vergleichswert vom Montag betrug noch 1,1638 US-Dollar. Aus Verbrauchersicht ist diese Aufwertung für den Heizölpreis erst einmal positiv zu bewerten. Dennoch macht sich der erstarkte Eurokurs heute nicht unmittelbar in einem fallenden Heizölpreis bemerkbar.

Der leichte Rückgang des gestern veröffentlichten Ifo-Geschäftsklimaindex stützte den Euro aufgrund der Tatsache, dass einige Experten von schlechteren Zahlen ausgegangen waren. Für das zweite Halbjahr sind die Erwartungen jedoch unverändert geblieben, weshalb sich die verhalten positive Stimmung heute auf den Kurs übertragt. Bereits am Montag hatte die EZB einen Referenzpreis von 1,1700 US-Dollar festgelegt.

Im Laufe des Nachmittags könnte die Veröffentlichung der US-amerikanischen Konjunkturdaten noch einmal Bewegung in den Eurokurs bringen. Darüber hinaus blickt man täglich auf den weiteren Verlauf des Handelsstreits zwischen den USA, der EU und China.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Konflikte um libysche Häfen erschweren Öl-Exporte
  • Mittelfristig könnten Verbraucher vom OPEC-Beschluss profitieren
  • Sinkende Rheinpegel erschweren den Öltransport im Binnenland

Konflikte in Libyen: Unklare Zuständigkeiten, beschädigte Öl-Infrastruktur.

Zwar sieht es so aus, als seien die Kämpfe um Libyens wichtigste Öl-Exporthäfen Ras Lanuf und Es Sider vorerst beendet. Von der Rückkehr zur Normalität kann zu diesem Zeitpunkt jedoch keine Rede sein.

Denn nach der Rückeroberung der Anlagen durch die Libyan National Army hat General Haftar die Kontrolle offenbar nicht an die international anerkannte Regierung in Tripolis zurückgegeben. Stattdessen fällt die Verantwortung nun in den Bereich der staatlichen National Oil Company. Diese war jedoch bisher ausschließlich für Ölexporte und nicht etwa für den Betrieb der Häfen zuständig.

Nun stellt sich die Frage, wie die Regierung in Tripolis mit dieser Situation umgeht. In jedem Fall könnte sich die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass auf absehbare Zeit kein Öl mehr aus den betroffenen Häfen exportiert werden kann. Deshalb versucht man nun, die Exporte über andere Häfen umzuleiten. Doch aufgrund begrenzter Kapazitäten und der durch die Kämpfe beschädigten Infrastruktur, dürfte dies nicht in vollem Umfang möglich sein. Folglich ist davon auszugehen, dass die Öl-Exporte auch weiterhin unterbrochen werden und die Ölproduktion Libyens weiter abnimmt.

Die Lage im Land ist laut Medienberichten unübersichtlich. Mehrere Rebellengruppen versuchen immer wieder, die Erdölanlagen zu erobern – insbesondere im Osten, wo die größten Ölfelder liegen. Bei den Konflikten ist ein nicht unerheblicher Teil der Infrastruktur schwer beschädigt worden. Trotz der Bemühungen um schnellen Wiederaufbau dürfte es noch längere Zeit dauern, bis die ursprünglichen Kapazitäten wiederhergestellt sind.
 

Was bedeutet der OPEC-Beschluss für die Verbraucher?

Bei der Zusammenkunft der OPEC-Staaten am vergangenen Freitag stand am Ende das im Voraus erwartete Ergebnis fest – wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Denn die angepeilte Ausweitung der Produktionsmenge auf 1 Mio. Barrel pro Tag wurde auch auf Drängen des Irans nicht umgesetzt.

Stattdessen einigte man sich auf eine Erhöhung um 0,6 Mio. Barrel pro Tag bei unveränderter Gesamtquote. Im Klartext heißt das, dass die meisten Produzenten clever agiert haben, da sie nun flexibler handeln können. Sollte es, wie derzeit in Venezuela oder Libyen zu Ausfällen kommen, können andere Länder einspringen und die Produktion weiter steigern. Gleichzeitig hält die künstliche Obergrenze für das Ölangebot die Preise auf einem konstanten Level. Unsicherheiten im Markt resultieren zurzeit vor allem aus der unklaren Lage des Irans und Venezuelas. Beide Länder könnten durch US-Sanktionen und Probleme in der Infrastruktur künftig weniger Öl exportieren.

Für die Verbraucher sind die konstanten Ölpreise erst einmal unerfreulich. Doch der Handelsstreit zwischen den USA, der EU und China hätte einen tendenziell negativen Einfluss auf die Ölnachfrage. Außerdem gehen Experten davon aus, dass sich das Ölangebot an den Märkten mittelfristig erhöht – beispielsweise durch den OPEC-Beschluss und die steigende US-Rohölförderung. Das Zusammenspiel dieser Faktoren könnte den Ölpreis dann wiederum drücken.
 

Sinkende Rheinpegel erschweren den innerdeutschen Öltransport

Die im Zuge der warmen Temperaturen gesunkenen Pegelstände des Rheins könnten in der nächsten Zeit zu Ladeeinschränkungen führen. Je niedriger der Pegel, umso weniger Ladung kann durch die Schiffe aufgenommen werden. Der Rhein ist eine wichtige Transportader im deutschen Binnenland – unter anderem für Heizöl.

Sinken die Pegelstände, könnten sich vollbeladene Schiffe auf einer Sandbank festfahren. Um dies zu vermeiden, nutzt man nicht die volle Kapazität. Im Ergebnis führt das aber erstmal zu einer Verknappung des Angebots und damit zu einer preissteigernden Tendenz im Markt.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 68,91 Cent pro Liter Heizöl. Gestern waren es noch 68,04 Cent.

In der Summe war das Ergebnis des OPEC Treffens für die Experten und Analysten wenig überraschend, weshalb sich die verhaltene Ausweitung der Produktion bereits im Verlauf des Freitags einpreiste. Seit Wochenstart steigen die Heizölpreise wieder. Hinzu kommen derzeit einige Unsicherheiten, was die Exportsituation in Libyen, Venezuela und im Iran betrifft. Auch der Handelsstreit zwischen den Wirtschaftsräumen der USA, Chinas und der EU könnte unerwartete Konsequenzen für den Heizölpreis mit sich bringen.

Diese Situation zeigt auch, dass die alte Faustregel des günstigeren Heizölpreises während der Sommermonate nicht mehr pauschal anzuwenden ist. Machen Sie sich deshalb möglichst zeitnah von den Marktmechanismen unabhängig und nutzen Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Felix Schmidt – Autor
            

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