Neue Preisrekorde: Streiks in Nigeria

1. Oktober 2018, Peter Dudda

Neue Preisrekorde. Heizölpreis steigt. 01.10.2018

Kaum eine Woche nach den neuen Preisrekorden markieren die Ölpreise heute Morgen die nächsten 4-Jahreshochs. Streiks in Nigeria, die nun auch die Ölindustrie bestimmen, äußern sich in einer gestiegenen Risikoprämie – und die preissteigernde Stimmung reißt nicht ab.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Streiks in Nigeria treffen Ölindustrie
  • Baker Hughes zählt 3 US-Ölplattformen weniger
  • Russland und USA mit Rekordfördersummen
  • Brent bei 83,30 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 727,50 US-Dollar
  • Euro fällt auf 1,1594 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 80,28 Euro / 100L

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

Gestiegene Risikoprämie wegen Streiks in nigerianischer Ölindustrie
Spekulation um Brent-Preis bei 100 US-Dollar bis Ende des Jahres
Kein Freigabe strategischer US-Ölreserven
OPEC: Vorerst keine weitere Förderanhebung
Sicherheitslage im Irak angespannt – Ölindustrie bedroht
Iranische Ölexporte wegen US-Sanktionen rückläufig
EIA-Prognose: Unterversorgung der Märkte bis Ende des Jahres

Saudi Arabien sieht Überversorgung 2019
DOE-Bericht trotz gestiegener US-Rohölbestände ohne Auswirkungen
Keine Annäherung zwischen USA und Iran
Nigeria plant Ausbau seiner Ölproduktion

Libyen fördert auf 5-Jahreshoch
US-Ölbohraktivitäten nehmen weiter zu
Russland fördert Rekordsummen
Erneute Strafzölle zwischen China und USA
Irak auf Exporthoch – mit noch freien Kapazitäten
OPEC und IEA erwarten sinkende Nachfrageentwicklung

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 83,30 US-Dollar. Der Vergleichswert von Freitag betrug noch 81,73 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 82,73 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 727,50 US-Dollar. Der Vergleichswert am Freitag lag bei 716,25 US-Dollar, der Schlusspreis bei 724,25 US-Dollar.

 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 01.10.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

 

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Gerade erst haben Markt und Heizölkäufer die Preissprünge der vergangenen Woche verkraftet und sich mit Barrelnotierungen über 80 Dollar für Brent arrangiert, geht es gleich weiter mit den Rekorden. Heute Morgen notieren die entscheidenden Ölwerte auf neuen 4-Jahreshochs. Wie wir schon mehrfach analysiert haben, ist diese Preisstimmung vor allem spekulativer Natur, erhielt aber übers Wochenende neues Faktenfutter. In Nigeria haben die landesweiten Streiks nun auch die Ölindustrie getroffen – und das kurz nach der Meldung, dass das Land seine Produktionskapazitäten ausbauen will.

Die Streiks haben die Risikoprämie signifikant nach oben schnellen lassen.  Dieser sichtbare Anstieg kann aber wiederum als spekulatives Element betrachtet werden, denn Nigeria ist zwar größter Ölproduzent Afrikas. Doch bisher hat der Streik keine Auswirkungen auf die Produktion, die im August bei 1,73 Mio. B/T lag. Dieser Wert ist auch längst nicht so hoch, als dass die Preissprünge in einem anderen Marktklima gerechtfertigt gewesen wären.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die USA und Russland ihre jeweilige Ölproduktion auf neue Rekordniveaus gehoben haben. Zwar zählte der Baker Hughes Report am Freitag drei aktive Anlagen weniger, doch ändert dies nichts an Werten von deutlich über 10 Mio. B/T. Allerdings bleibt die gerade vermeldete Summe immer noch hinter den bereits vom Energieministerium vermeldeten 11 Mio. B/T zurück. Diesen Wert hat Russland längst überschritten und man sei in der Lage, bis Jahresende noch einige 100.000 B/T mehr auf den Markt zu werfen.

Neuerlich zeigt sich also der tiefe Graben zwischen der Markterwartung und den Aussichten für den weiteren Jahresverlauf: Der Markt hat sich fast in eine preissteigernde Hysterie hinein manövriert, in der schon kleinere Anzeichen für Versorgungsprobleme überdeutlich zu Preissteigerungen führen. Die Realität zeigt allerdings, dass es durchaus genug Reserven und anderen Bezugsquellen für Öl gibt, die mögliche Versorgungsengpässe auffangen können.

Für den inländischen Heizölkäufer ist es heute auch kein Trost, dass der Euro wieder deutlich gefallen ist. An dieser Situation lässt sich vorerst nichts beschönigen. Lediglich die Aussichten, dass die Preise noch weiter steigen könnten, sind heute Morgen das wichtigste Argument, um den Heizölkauf vor Beginn der Wintersaison auszulösen.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1594 US-Dollar, Freitag um die gleiche Zeit waren es 1,1645 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Freitag wurde bei 1,1576 US-Dollar festgesetzt.

Zwar gab es über das Wochenende Stabilisierungstendenzen, dennoch musste die Gemeinschaftswährung weitere Gewinne der Vorwoche abgeben. Die Haushaltsbeschlüsse Italiens sind dafür der wesentliche Antrieb, denn hier wurde eine höhere Staatsverschuldung als angenommen verabschiedet.

Gleichzeitig erhielt der US-Dollar im Tandem mit dem Kanadischen Dollar Auftrieb. Die beiden Nationen haben sich auf ein neues Nafta-Abkommen geeinigt und so diesen Konfliktpunkt beseitigt. Nafta ist ein Freihandelsabkommen zwischen Kanada, USA und Mexico und wurde von den USA jüngst zur Debatte gestellt, weil es aus Sicht Trumps die USA benachteilige.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Generalstreik in Nigeria erreicht Ölindustrie
  • Was bringen die Förderrekorde in Russland und USA?

Nigeria mit Generalstreik konfrontiert

Hatten die Arbeiter der nigerianischen Ölindustrie zuvor noch versichert, sich nicht dem Generalstreik anschließen zu wollen, sieht dies seit dem Wochenende nun anders aus. Der Generalstreik ist ein Versuch der Gewerkschaften, bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln. Dass sich die Ölarbeiter nun anschließen, ist aber noch keine unmittelbare Gefahr für die Ölindustrie des Landes, die im August 1,73 Mio. Barrel pro Tag produzierte. Denn eine Industrie, die aus so vielen Einzelschritten besteht, wird nicht von Jetzt auf Gleich abgeschaltet. Die Risikoprämie, die der Markt dafür eingepreist hat, ist eher eine Reaktion auf die Möglichkeit, dass es zu Schwierigkeiten kommen könne. Laut Gewerkschaft wolle man aber wenigstens in zwei Wochen eine Einigung mit den Arbeitgebern erzielen und gleichzeitig für einen geordneten Streik sorgen. Sollte sich dies bestätigen, ist also die Chance groß, dass die Preise wieder fallen könnten, da die Risikoprämie wieder ausgepreist wird. Dem steht allerdings die Stimmung des Marktes gegenüber, der sich von Beteuerungen momentan kaum beeindrucken lässt.
 

Russland und USA melden Rekordförderquoten – doch keiner hört zu

Werte deutlich über 10 Mio. B/T (USA) und 11 Mio. B/T (Russland) hätten in normalen Zeiten durchaus für Preiskorrekturen nach unten gesorgt. Die beiden Öl-Kontrahenten fördern auf absoluten Rekordniveaus – Russland produziert so viel Rohöl wie noch nie in der Geschichte. Außerdem hieß es von russischer Seite selbstbewusst, man könne problemlos noch mehrere 100.000 B/T mehr bis Jahresende auf den Markt werfen.

Der Markt reagiert auf diese Angaben jedoch nicht und ignorierte damit offensichtlich zwei Werte, die dafür sprechen, dass die Versorgungsknappheit keine ist. Die Abstände zwischen Angebot und Nachfrage werden zwar enger, doch von Lieferengpässen kann kaum die Rede sein – nur die Angebotsstrukturen verschieben sich.

Dies kann auch als Zeichen für die Marktdominanz der OPEC interpretiert werden, in deren Kartellgrenzen sich die größten Preistreiber der vergangenen Monate bewegen. Auch wenn Russland Teil des Kürzungsdeals vom vergangenen Jahr ist, hat es bereits frühzeitig für eine Steigerung der Förderquoten plädiert und ist ein ums andere Mal an den offiziellen Absprachen vorbeigeprescht.

Russland gilt als einer der ausgesprochensten Vertreter ausgewogener Ölpreise und wurde dabei bisher von OPEC-Wortführer Saudi-Arabien unterstützt. Doch die Saudis vermelden inzwischen öffentlich, dass sie sich mit Preisen weit über 80 Dollar durchaus kurzfristig arrangieren könnten. Russland spielt dabei aber offensichtlich nicht mit.

Die Frage ist nun, ob die Abnehmer ihren Blick von den OPEC-Vertretern stärker hin zu freigiebigen Lieferanten orientieren – und wie die OPEC darauf reagiert. Denn trotz aller Stabilisierungsbeteuerungen geht es für die OPEC im aktuellen Marktumfeld vor allem auch um satte Gewinne.
 

Die Handelswoche im Überblick

Für die Euro- oder Ölpreisentwicklung möglicherweise einflussreiche Wirtschaftsdaten der Woche im Überblick*:

Montag, 01.10.2018

  • Einkaufsmanagerindex, Eurozone

Dienstag, 02.10.2018

  • Wöchentlicher Rohöllagerbestand American Petroleum Institute (API), USA
  • Rede zukünftiger Fed-Vorsitzender Powell, USA

Mittwoch, 03.10.2018

  • Markit PMI, Eurozone
  • Markit PMI, USA
  • EIA Rohöl-Lagerbestand, USA

Donnerstag, 04.10.2018

  • Arbeitsmarktdaten, USA

Freitag, 05.10.2018

  • Lohndaten, USA
  • Baker Hughes Wochenreport (Anzahl aktive US-Bohranlagen)

*Termine ohne Gewähr
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 80,28 Cent pro Liter Heizöl. Am Freitag waren es 79,32 Cent.

Für den Heizölkauf gibt es momentan hauptsächlich ein Argument – trotz des Preisniveaus: Die kalte Jahreszeit naht und Sie sollten Ihren Tank rechtzeitig auffüllen. Gleichzeitig ist es die beste Entscheidung, sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig zu machen.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Peter Dudda - Autor
            

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