Ölpreise auf 2-Jahreshoch nach kurdischem Unabhängigkeitsreferendum

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Auch wenn das Unabhängigkeitsreferendum der autonomen Region Kurdistan im Nordirak nicht bindend ist, hat es politisch und wirtschaftlich Wellen geschlagen. Die Türkei und Irak haben mit Maßnahmen gedroht, die vor allem den Ölexport nach Europa betreffen. Das trieb die Preise auf neue 2-Jahreshochs.

Ölpreisentwicklung

Die autonome Region Kurdistan hat gestern ein Unabhängigkeitsreferendum beschlossen. Dies ist ein Schritt, den nicht nur Irak als übergeordnete Nation scharf kritisiert hat. Auch der Westen und vor allem die Türkei als nördlicher Nachbar lehnen dies ab – und die Türkei droht mit scharfen Konsequenzen, die sich auf das wirtschaftliche Fundament der Region bzw. des Irak beziehen – auf das Öl.

Kurdistan ist eine sehr unsichere Region, gilt auch als Hochburg des IS. Kurden sind historisch ein eigenständiges Volk, dass durch koloniale Grenzziehungen zum Irak, zu Syrien und der Türkei zugeordnet wurden. Dies hatte in der Vergangenheit immer wieder für Konflikte gesorgt, auch wenn die Region de facto eine eigenständige Regierung hat. Andere Regierungen befürchten nun einen Bürgerkrieg in der Region, der die ohnehin instabile Lage noch verschärfen könnte.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat unmittelbar nach dem Referendum Panzer an der Grenze zu Kurdistan stationiert und droht damit, die irakischen (und kurdischen) Ölexporte, die durch die Türkei gehen, zu unterbinden. Das wiederum würde vor allem den europäischen Markt treffen, weshalb Brent als Rohöl und ICE Gasoil als Produktnotierung gestern auch als erstes auf neue Hochs katapultiert wurden, die amerikanische Sorte WTI folgte wenig später.

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der europäische Ölpreis Brent notierte am Morgen bei 59,30 US-Dollar, knapp 3 Dollar über dem Montagsstart. Ein solcher Sprung vor dem Komma ist für diese Sorte als fast historisch zu bewerten. Der Schlusspreis am Montag betrug ebenso schon 59,02 US-Dollar.

Wie üblich lässt sich die Entwicklung bei ICE Gasoil, dem maßgeblichen Indikator für den inländischen Heizölpreis, noch besser ablesen: Dieser Wert notierte am Morgen bei 555,00 US-Dollar, ein Sprung von über 10 Dollar zum Vortagesstart. Der Schlusspreis von Montag betrug 551,50 US-Dollar.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.

Erdogan droht mit Exportsperre für irakisches Öl

Besonders im Fokus des Referendums (und den Reaktionen darauf) steht das Gebiet um Kirkuk. Diese Stadt ist das Erdölzentrum des Iraks und wurde in den Grenzvorstellungen der abstimmenden Kurden miteinbezogen. Hier leben viele Kurden, die auch am Referendum teilnehmen durften. Doch zur autonomen Region Kurdistan, die sich von Irak unabhängig machen will, gehört Kirkuk nicht.

Deshalb ist es auch nachvollziehbar, dass Irak, das entscheidend von der Ölwirtschaft abhängt, sich gerade von diesem Schritt provoziert fühlt. Die Kurden wiederum begründen ihren Anspruch auf einer historisch gewachsenen Zugehörigkeit Kirkus zum kurdischen Gebiet – und damit, dass trotz aller Autonomie die Kontrolle über das Wirtschaftsgut Öl aus diesem Gebiet nicht bei der kurdischen Verwaltung, sondern bei der irakischen Regierung in Bagdad liege.

Die beiden Nachbarstaaten Türkei und Iran sehen vor allem eine politische Gefährdung in dem Referendum und haben den Schritt im Vorfeld bereits scharf kritisiert. Denn Kurdistan ist erstens keineswegs so homogen wie es eine Unabhängigkeitsbestrebung vermuten lässt und ist zweitens Mittelpunkt des Kampfes gegen den IS.

Aus diesem politischen Zündstoff entsteht die Gefahr eines Bürgerkrieges, der sich natürlich nicht nur auf Kurdistan, sondern auf alle angrenzenden Nationen und Regionen ausbreiten könnte. Dieses Problem erklärt auch, warum der Westen, allen voran Deutschland und die USA, das Referendum ebenso strikt ablehnten.

Der türkische Präsident droht nun, Kurdistan und damit Irak den Ölhahn zuzudrehen – im Sinne davon, dass das OPEC-Mitglied Irak nun sein Öl nicht mehr über türkisches Staatsgebiet exportieren kann. Das hätte nicht nur verheerende Auswirkungen für Irak, das wirtschaftlich vom Öl abhängig ist. Es würde auch dafür sorgen, dass das Angebot in Europa und entlang der Exportrouten schlagartig erheblich sinken würde.

Daraus ergäbe sich ein Dominoeffekt für die gesamte Welt. Um eine Vorstellung von den Auswirkungen zu erhalten: Insgesamt ginge es um etwa 500.000 Barrel pro Tag allein aus Kirkuk. Das ist so viel wie täglich aus ganz Ecuador kommt.

Abgesehen davon ist die Wahrscheinlichkeit eines Bürgerkriegs eine ebenso besorgniserregende Möglichkeit, welche die gesamte Region und damit sukzessive auch immer weitere Kreise ergreifen könnte.

Das Referendum hat zwar keine politisch bindende Basis, wird aber von Irak, Iran, der Türkei und auch dem Westen als Provokation aufgefasst. Und die Auswirkungen auf den Ölmarkt müssen auch hinsichtlich des zweiten Konflikts zwischen Nordkorea und USA bewertet werden. Denn Anleger sehen die geopolitische Lage als sehr fragil an – und sichern sich Öl bevor es zu weitreichenden Konsequenzen kommen könnte.

Entwicklung Eurokurs

Auch der Euro hat einen für inländische Heizölkäufer ungünstigen Kurs genommen und notierte am Morgen unter 1,19 US-Dollar bei 1,1834 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB lag am Montag noch bei 1,1867 US-Dollar.

Auch hier spielt die geopolitische Lage eine Rolle. Das erneute Wortgefecht zwischen den USA und Nordkorea hat die Anleger stark verunsichert, diese flüchteten sich in eher sichere Währungen und ließen Dollar und Euro außen vor.

Heizölpreisentwicklung

Heute Morgen gibt es natürlich nichts zu rechnen: Die Heizölpreise sind gestiegen. Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 59,99 Cent pro Liter Heizöl. Am Montag waren es noch 58,57 Cent.

Und leider stehen die Aussichten momentan eher auf weiteren Anstiegen. Der Konflikt um Kurdistan ist dabei der erste Punkt, aber auch die weitere geopolitische Lage sowie marktzentrierte Daten zu den Ölbeständen in den USA müssen uns in dieser Woche interessieren.

Wenn Sie sich heute zum Heizölkauf entscheiden, erhalten Sie zwar nicht das günstigste Preisniveau, doch sichern Sie sich so wenigstens gegen mögliche weitere Preissprünge ab, sollte der kurdische Konflikt in irgendeiner Form eskalieren. Auch bringt jeder Tag den europäischen Markt weiter in Richtung Wintersaison, von der manche Meteorologen behaupten, sie dürfte dieses Jahr sehr heftig ausfallen.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

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