API-Daten und Russlands Ölförderung: Ölpreise fallen auf neue Tiefststände

19. Dezember 2018, Nicola Bergau

Ölpreise auf neuem Tiefstand - 19.12.2018

Mit überraschend gestiegenen US-Ölbeständen und der Meldung, Russland habe seine Förderung trotz Kürzungsabsichten ab Januar im Dezember gesteigert, gab es für die Ölpreise gestern nur einen Weg: Gasoil fiel auf ein 14-Monatstief. Heizöl wegen Nachfrage und schwankendem Euro leicht günstiger.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • API: Anstieg bei den Rohölbeständen überraschend, Destillate fallen unerwartet
  • Russland fördert im Dezember wohl auf Rekordhoch
  • Brent bei 56,52 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 526,75 US-Dollar
  • Euro bei 1,1385 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 68,58 Euro / 100L

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

Saudi-Arabien kürzt Öl-Exporte vorrangig gen USA
OPEC+ beschließt Förderkürzungen um 1,2 Mio. B/T
Kanada kürzt Ölförderung
USA und China machen Pause im Handelsstreit – vorerst
Venezuela fördert alarmierend weniger Öl
Abschaltung des größten libyschen Ölfelds

China nimmt US-Ölimporte wieder auf
USA baut weiteres Export-Terminal für Öl
Sanktionen gegen Iran

API-Daten zu US-Ölbeständen
Russland nutzt den Dezember für deutliche Produktionssteigerungen
EIA Monatsbericht: US-Ölproduktion legt im Dezember und Januar deutlich zu
OPEC & EIA: Förderkürzungen werden Überangebot nicht nachhaltig begrenzen
OPEC-Prognose: Öl-Förderung von Nicht-OPEC-Förderern steigt 2019
EIA: Januarnachfrage deutlich niedriger
Sondergenehmigungen der USA für iranisches Öl
USA fördern auf Rekordniveau und nähern sich Energieunabhängigkeit

 

 Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 56,52 US-Dollar. Der Vergleichswert von Dienstag betrug noch 58,65 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 56,26 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 526,75 US-Dollar. Der Vergleichswert am Dienstag lag bei 542,75 US-Dollar, der Schlusspreis bei 530,25 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 19.12.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Schon ein kurzer Blick insbesondere auf die Gasoil-Notierung macht deutlich, dass die OPEC+-Kürzungen, die eigentlich für eine Stabilisierung der Preise sorgen sollten, wohl bis jetzt im Nichts verpuffen. Denn gestern bewegte sich der für die Preisbildung bei Heizöl entscheidende Wert auf ein 14-Monatstief, nachdem die API-Daten zu US-Rohölbeständen veröffentlicht wurden und die russische Ölindustrie laut Angaben im Dezember auf Rekordniveau produziert.

Insbesondere der zweite Fakt ist für die Märkte ein Signal gegen die OPEC. Denn im Januar soll es eigentlich mit den Kürzungen losgehen, zu denen sich auch Russland mit rund 130.000 B/T verpflichtet hat. Dass das Land, welches zuvor schon gegen Kürzungen war, die Zeit vorher noch einmal zu einer Rekordsteigerung nutzt, deutet angesichts der aktuellen Preissituation nicht darauf hin, dass sich die Preise mit den Gesamtkürzungen von 1,2 Mio. B/T stabilisieren werden.

Inländische Heizölkäufer können sich allerdings heute Morgen nur eingeschränkt freuen. Aufgrund steigender Nachfragewerte, die im Winter normal sind und den teils sehr deutlichen Schwankungen des Eurokurses ist Heizöl heute Morgen nur etwas günstiger.

Da die Feiertage vor der Tür stehen, sollten sie das geringere Kaufinteresse an den Rohstoffbörsen dennoch für sich nutzen, um die möglicherweise wirtschaftlichste Entscheidung der nächsten Zeit zu treffen und den Heizölkauf auszulösen.
 

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1385 US-Dollar, Dienstag um die gleiche Zeit waren es 1,1364 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Montag wurde bei 1,1377 US-Dollar festgesetzt.

Die Gewinne für die Gemeinschaftswährung erklären sich aus dem gespannten Warten auf die nächste Zinssatzentscheidung der US-Notenbank Fed. Denn war der Markt noch vor wenigen Monaten von weiteren Zinsanhebungen ausgegangen, haben die Währungswächter der USA nun einen anderen Kurs eingeschlagen. Angesichts der stagnierenden und sich immer weiter verdüsternden Konjunktur sei es durchaus geraten, die Zinsanhebungen 2019 auszusetzen, so der Tenor.

Ob diese Stoßrichtung beibehalten wird, lässt sich im Vorfeld nur schwer sagen, weshalb die Devisenmärkte wichtige Kauf- oder Verkaufsentscheidungen zum Dollar verschieben. Das gibt dem Euro schon zwangsläufig ein wenig Aufschwung.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • API Daten überraschen Markt erneut
  • Russland nutzt den Dezember für Rekordförderungen


API-Bericht widerspricht Saisontrend

Zum Jahresende nutzen die Öl-Produzenten meist alle Hebel aus, um die Bilanz positiv zu beeinflussen. Dazu gehört auch, dass sich die Vorräte an Rohöl verringern. Dies ist dieses Mal nicht der Fall.
 

Die API-Daten im Überblick

API-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-51-181218 // Alle Angaben ohne Gewähr

 

In nahezu perfekter Symmetrie widersprechen die Rohölbestandsdaten deutlich den Erwartungen. Das ist auch deshalb verwunderlich, weil die Raffinerien, aus eben jenen Bilanzgründen, zum Jahresende noch einmal auf hohen Niveaus produzieren, um so die Habenseite zu verringern.

Gegen diesen preissenkenden Eindruck können auch die überraschend gefallenen Destillatbestände nicht ankommen, die in dieser Jahreszeit besonders als Heizöl gefragt sind. Denn im Winter ist Heizöl ein wichtiges Gut und wird dementsprechend auch häufiger verkauft. Dass mehr Benzin in den Vorratslagern als erwartet vorhanden ist, kann dabei fast vernachlässigt werden.

Auch wenn es bei API nie Begründungen für die Zahlen in Form von Nachfrage-, Förder- oder Außenhandelswerten gibt, so bestätigen die Angaben doch, was gestern bereits von dem Betreiber des Umschlaglagers in Cushing, Oklahoma, vermeldet wurde: Die USA produzieren auf Rekordniveau und füllen die Lager schneller auf, als sie sich leeren können.

Genauere Angaben liefert wie immer der heutige Bericht des Department of Energy. Allerdings geht am Markt niemand davon aus, dass die Werte den heutigen Angaben deutlich widersprechen werden. Schon deshalb fallen die Reaktionen auf den API-Bericht so heftig aus.
 

Russland „plant“ geringere Förderung

Während OPEC-Mitglieder wie Saudi-Arabien schon vor dem offiziellen Start der neuen Kürzungen im Januar Zurückhaltung üben, zeigte sich Russland im Dezember wohl offenbar besonders uneinsichtig. Denn laut russischer Angaben ging es mit der Produktion in den ersten beiden Monatswochen erst einmal steil bergauf. Mit Werten von rund 11,42 Mio. B/T hat sich die Förderung auf ein neues Rekordhoch begeben. Dies wird am Markt aber dennoch mit Vorsicht aufgenommen, da Beweise in Form von objektiven Zahlen fehlen.

Nichtsdestotrotz wirken diese Angaben wie ein kalkulierter Schlag ins Gesicht der OPEC-Bemühungen. Russland hatte sich nur zähneknirschend am Deal beteiligt und war mit zugesicherten 130.000 B/T weniger weit hinter den Forderungen Saudi-Arabiens von rund 300.000 B/T zurückgeblieben. Außerdem hatte es aus Moskau sofort nach dem Dealbeschluss geheißen, dass man mehrere Monate brauche, diese Kürzungen umzusetzen. Es war der April 2019 im Gespräch – und da sollen die Kürzungen erst einmal auslaufen bzw. bewertet werden.

Die Dezemberförderung kann damit auch als Machtdemonstration gewertet werden, obwohl sich der russische Energieminister beeilte zu versichern, dass die geplante Förderung 2019 nach unten korrigiert wurde und nach Umrechnungen bei insgesamt 11,085 Mio. B/T liegen könnte.

Solche weit in die Zukunft projektierten Absichten bringen im aktuellen Marktumfeld allerdings nichts. Dieser bewertet nur den Dezember-Fakt und at dabei eine klare Position: Die Überversorgung ist mit den Kürzungen der OPEC nicht in den Griff zu bekommen und es gibt aktuell kaum Signale dafür, dass Preissteigerungen gerechtfertigt wären.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 68,58 Cent pro Liter Heizöl. Am Dienstag waren es 68,23 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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