Ölpreise weiter im Fall – Euro legt zu

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Die Öl-Märkte sind am Mittwoch eingebrochen. Die Ölpreise befinden sich auf dem tiefsten Stand des Jahres. Preissteigernde Faktoren haben kein Potenzial den Abwärtstrend aufzuhalten. US-Bestände sinken. Tropensturm Cindy sorgt für Rückgang der Öl-Produktion im Golf von Mexico.

Ölpreisentwicklung

Der Handel am Mittwoch kam dem sprichwörtlichen Paukenschlag gleich. Nachdem die letzten Wochen von einer volatilen und stagnierenden Kursentwicklung geprägt waren, drehten die Kurse gestern Nachmittag ins Minus und stürzten erheblich ab.

Zu Handelsbeginn deutete vorerst nichts auf diese Entwicklung hin. Der Vormittag war von einem schwachen Handel geprägt. Mit der Veröffentlichung der Daten über US-Bestände an Rohöl und Öl-produkten aus dem Bericht des US-Amerikanischen Department of Energy (DOE), konnten die Kurse gestützt werden und kletterten auf ihre Tageshochs. Viele Händler nutzten dieses Niveau für Gewinnmitnahmen, was die Effekte des für den Markt positiven DOE-Berichts umgehend revidierte.

Damit setzte sich die Abwärtsspirale in Bewegung. Das der Öl-Markt unter Druck steht, ist spätestens seit der Reaktion auf den erneuten Beschluss zu den OPEC-Förderkürzungen nichts neues. Nun scheint das Vertrauen gänzlich gesunken zu sein, denn ein Markt der nicht mehr auf preissteigernde Effekte nachhaltig reagiert ist für viele Händler ein zu hohes Risiko. Mit weiteren Verkäufen setzte sich der Preisverfall damit bis zum Handelsschluss fort. Im Vergleich zu den bisherigen Jahreshöchstkursen sind die Preisniveaus nun um bis zu 20% gefallen. Die US-Amerikanische Referenzsorte WTI bewegt sich sogar auf ihrem 10-Monatstief.

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Die europäische Rohölsorte Brent notiert am Donnerstag bei 44,89 US-Dollar. Der Handel schloss am Mittwoch noch etwas niedriger bei 44,78 US-Dollar. Anfang Juni bewegte sich der Kurs noch über der Marke von 50 US-Dollar.

Der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, ICE Gasoil, liegt heute Morgen knapp über der 400 US-Dollar Marke bei 406,50 US-Dollar für die Lieferung im Juli. Der Schlusspreis für Mittwoch lag noch etwas höher bei 413,25 US-Dollar.

Faktoren für die aktuelle Entwicklung

Die weltweiten Öl-Märkte stehen aufgrund vieler Faktoren unter Druck. So sorgt aktuell die Produktionszunahme der beiden OPEC-Mitglieder Libyen und Nigeria für eine erhebliche Belastung des OPEC-Förderkürzungsdeals. Der Deal soll durch eine Selbstbeschränkung der Öl-Förderung für eine Verknappung der Rohölmenge am Weltmarkt sorgen und damit eigentlich die Preise in die Höhe treiben.

Libyen und Nigeria sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage und ihrer hohen Abhängigkeit von den Gewinnen aus dem Ölverkauf, vom aktuellen Deal ausgenommen und belasten damit die OPEC-Gesamtbilanz. Zusätzlich ist kein Ende in Sicht: Beide Staaten verkündeten, ihre Produktion noch weiter auszuweiten.

Das OPEC-Abkommen zeigt hier seine besonderen Schwächen. Es gibt keine nennenswerte Regelung, wie mit den zusätzlichen Mengen umgegangen werden soll. Um das selbst auferlegte Gesamtförderniveau einzuhalten, müssten andere Staaten des Kartells ihre Förderung zu Gunsten Libyens und Nigerias eigentlich drosseln. Inwiefern Bereitschaft dazu herrscht ist nach wie vor unklar.

Im Handel hat man sich bisher mehr oder weniger durch Verlautbarungen aus Kartellkreisen beschwichtigen lassen, welche darauf setzten, dass man den Maßnahmen des Deals einfach mehr Zeit geben müsse, bis sie ihre Wirkung entfalten können. Das Vertrauen könnte unter Anbetracht der aktuellen Entwicklung allerdings schon verspielt sein.

Ein weiterer Faktor sind die hohen Öl-Bestände am Weltmarkt. In den letzten Tagen häufen sich die Meldungen, dass die Bestände auf Hoher See, also mehrheitlich in Öl-Tankern ihr neues Jahreshoch erreicht hätten. Auch dies torpediert letztlich die Maßnahmen der OPEC. Zusätzlich dazu, sind auch die Bestände innerhalb der Staaten im Verbund der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit) gestiegen, und zwar auf ein Niveau über dem vom November des letzten Jahres. Dieser Monat hat insofern Bedeutung, da dort die erste Stufe des aktuellen Förderkürzungsabkommens in Kraft trat.

Die Öl-Förderung in den USA sorgte 2014 für einen erheblichen Verfall der Ölpreise. Die Preisniveaus der wichtigsten Referenzsorten lagen damals teilweise weit über der 100 US-Dollar- Marke und stürzten dann teilweise auf ein Niveau von bis zu 30 US-Dollar und niedriger ein. Grund war vor allem der Wandel der USA von einer der größten Öl-Importeure zu einem der größten der Öl-Exporteure. Diese Entwicklung gelang durch die Erschließung von Öl, welches in Gesteinsschichten eingelagert ist.

Mit aufwendigen Verfahren war es bei dem damaligen Preisniveau rentabel, dieses sogenannte Schieferöl auch den Gesteinsschichten herauszupressen. Die Rentabilität war aber teilweise nicht mehr gegeben, wenn sich die Preise unter ein Niveau von 60 US-Dollar für das Barrel bewegten und in der Folge gingen viele Unternehmen der Branche in die Insolvenz. Die Preisniveaus der letzten 18 Monate, ein Technologiesprung und viele günstig aufzukaufenden insolvente Unternehmen, kurbelten die Förderung mit dieser Technologie wieder an. Die Rentabilität liegt nach Expertenschätzung aktuell bei unter 40 Dollar, so dass die US-Förderer auch das jetzige Preisniveau ohne große Verluste wegstecken können.

Neben all diesen physisch mehr oder weniger greifbaren Faktoren kommt aber noch der Aspekt der Spekulation hinzu, der die aktuelle Situation an den Öl-Märkten begünstigt. Obwohl eine Fortführung des OPEC-Deals noch in den Sternen stand, sorgten bereits kleinste Meldungen aus OPEC-Kreisen die in diese Richtung zielten für langfristige Kaufoptionen und damit Preissteigerungen im Handel. Da sich nun herausgestellt hat, dass die OPEC ein künstliches Angebotsdefizit nicht mit ihrem Deal kurzfristig herbeiführen kann, schieben die Händler ihre damals eingekauften Mengen wieder auf den Markt, um einigermaßen verlustfrei davonzukommen.

Einige dieser Faktoren und Entwicklungen zeichneten sich schon länger ab, andere sind aktueller Natur. Im Zusammenspiel können sie als die grundsätzlichen Indikatoren für die aktuelle Preisentwicklung gesehen werden. Es bleibt in den nächsten Tagend spannend wie sich die Entwicklung fortsetzen wird. In Expertenkreisen finden zur Zeit keine Festlegungen statt.

Entwicklung Eurokurs

Der Euro startet heute mit 1,1170 US-Dollar in den Handel und ist somit stärker als zur gleichen Zeit am gestrigen Mittwoch. Der Schlusspreis lag am Mittwoch auf einem ähnlichen Niveau bei 1,1169. Der Referenzkurs wurde von der EZB am Dienstag auf 1,1147 US-Dollar festgesetzt.

Der Handel am Mittwoch war von einer impulsschwachen Lage geprägt – es gab keine Nachrichten, die das Euro-Dollar-Verhältnis groß beeinflussten. Für heute werden in der Eurozone vor allem Meldungen zur Stimmungslage französischer Unternehmen erwartet. Es sind die ersten Zahlen nach dem Gewinn des Präsidentschaftswahlkampfs durch den liberal-konservativen Emmanuel Macron.

Heizölpreisentwicklung

Die starken Kursnachlässe an den Öl-Börsen vom Mittwoch und ein stärkerer Euro sorgen heute für Nachlässe bei den Heizölpreisen. Am Morgen kostet eine 3.000 Liter Standard Lieferung im bundesweiten Durchschnitt rund 51,83 Cent pro Liter Heizöl. Gestern waren es noch 52,51 Cent pro 100 Liter Heizöl und damit sind es heute fast 70 Cent weniger als am Vortag.

Es ist weiterhin unmöglich, eine definitive Aussage zur Preisentwicklung auf den Märkten zu treffen. Bei dem aktuellen Preisniveau ist es dennoch ratsam, sich jetzt für den Heizölkauf zu entscheiden – insbesondere bei einem fast leeren Tank..

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

 

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