Russland will schneller kürzen: Ölpreise ziehen minimal an

17. Januar 2019, Nicola Bergau

Heizoelpreis steigt minimal an

Rolle rückwärts in Moskau: Nun will Russland die vereinbarten Kürzungen aus dem OPEC+-Deal doch bis April in voller Höhe umsetzen. Diese Nachricht hielt den Abwärtstrend der Ölpreise nach den DOE-Zahlen auf und stabilisierte die Kurve. Heizöl heute minimal teurer.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Russland verspricht schnellere Umsetzung der Kürzungen
  • DOE-Bericht zeigt deutliche Anstiege bei Ölprodukten
  • USA will eventuell doch Sanktionsausnahmen gewähren
  • Devisenmarkt: Nach überstandenem Misstrauensvotum in Großbritannien Euro leicht gefallen
  • Brent bei 61,09 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 568,00 US-Dollar
  • Euro bei 1,1386 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 69,35 Euro / 100L

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 Russland verspricht volle Umsetzung der OPEC+Kürzungen bis April
 China plant erneut Investitionen in die heimische Wirtschaft
 Kanadische Produktionskürzungen auch im Februar
 Saudi-Arabien bestätigt Kürzungen der Ölexporte im Januar
 Kürzungen der OPEC-Produktionen im Dezember und Januar 
 Mögliche Sanktionsverschärfung gegen Venezuela

 Leichter Rückgang der Raffinerieauslastung in den USA erwartet
Handelsgespräche zwischen USA und China beendet

Möglicherweise doch Ausnahmen von US-Sanktionen
Öl-Nachfrage sinkt im Januar
OPEC & EIA: Förderkürzungen werden Überangebot nicht nachhaltig begrenzen
OPEC-Prognose: Öl-Förderung von Nicht-OPEC-Förderern steigt 2019
USA fördern auf Rekordniveau und nähern sich Energieunabhängigkeit

 

 

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 61,09 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwoch betrug noch 60,69 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 61,32 US-Dollar festgesetzt.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 17.01.2019 // Alle Angaben ohne Gewähr

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 568,00 US-Dollar. Der Vergleichswert am Mittwoch lag bei 563,25 US-Dollar, der Schlusspreis bei 568,25 US-Dollar.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.

Die Preisentwicklung im Überblick

Es gibt Handelstage, die mit kleinen Überraschungen als sicher geglaubte Annahmen torpedieren können. Gestern war so ein Tag. Zunächst überraschte Russland mit der Meldung, man wolle die im Dezember mit der OPEC vereinbarten Kürzungen nun doch in voller Höhe bis April umsetzen. Das hatte bei der Dealvereinbarung noch anders geklungen. Es hieß, man könne die Kürzungen aufgrund klimatischer und technischer Gegebenheiten nur sukzessive umsetzen. Der Markt hatte dies allerdings als diplomatischen Widerstand Moskaus gegen die ohnehin nicht gewollten Kürzungen interpretiert.

Auch in Sachen US-Sanktionen bzw. Ausnahmen gab es gestern gegenläufige Tendenzen. So wurden Aussagen des US-Verhandlungsführers zu den Sanktionen dahingehend interpretiert, dass es nach dem Ende der jetzigen Ausnahmen im April durchaus weitere Sondergenehmigungen zur Einfuhr iranischen Öls geben könne. Diese Interpretation 

ist allerdings sehr weit, da die eigentlichen Worte des Beraters wesentlich schwammiger waren.

Doch insgesamt hatten beide Umstände eindeutige Auswirkungen auf die Preiskurve: Die russische Meldung stabilisierte die Preise, die Interpretation zu Iran schickte die Preise davor zunächst auf einen Abwärtstrend.

Dieser wurde auch von den DOE-Daten zu den US-Ölbeständen teilweise bekräftigt. Insbesondere bei Benzin gibt es hiernach unerwartet große Aufbauten, auch die Raffinerieauslastung bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Zudem gibt es erneute Rekordwerte aus der US-Ölproduktion zu vermelden. Dennoch hatte der Markt zum DOE-Bericht schnell wieder eine neutrale Haltung.

Am Ende des Tages überwogen dann doch die Preissteigerungen bei den Ölnotierungen, auch wenn sie gering ausfielen. Der Eurokurs ist zwar im Vergleich zunächst gefallen, aber seit der Nacht schon wieder stabilisiert. Daher hat sich der Heizölpreis minimal zu Gunsten der Heizölkäufer eingependelt.

Momentan wird es immer schwerer, eindeutige Vorhersagen zur Preisentwicklung und dem besten Zeitpunkt für den Heizölkauf abzugeben. Deswegen raten wir allen Heizölkunden, den Kauf so schnell wie möglich auszulösen, um sich von den weiteren Entwicklungen unabhängig zu machen.

Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1386 US-Dollar, am Mittwoch waren es 1,1395 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Mittwoch wurde noch bei 1,1389 US-Dollar festgesetzt.

Am Unterschied zwischen dem Morgenpreis und dem EZB-Referenzpreis lässt sich schon ablesen, dass der Eurokurs relativ stabil in einem engen Rahmen schwankt, auch wenn er im Vergleich zu gestern Morgen wiederum gefallen ist. Diese relative Ruhe ist eine direkte Reaktion auf das Misstrauensvotum in Großbritannien, das Premier Theresa May knapp überstanden hat.

Die Anleger sehen diesen Ausgang als zumindest kurzfristige Stabilisierung der britischen Regierung, auch wenn es natürlich nun in die nächste Runde der Frage „Kommt der Brexit und wenn ja, wie?“ geht. Dass May weiter regieren darf, lenkt die Auseinandersetzung aber in ein ruhigeres Fahrwasser, als wenn die Regierung gestern faktisch abgewählt worden wäre. May habe nun die Chance, verpasste Chancen und unterlassene Schritte in dieser schweren Krise nachzuholen, so manche Analysten.

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • DOE überrascht Anleger
  • USA könnten weitere Ausnahmen von Iran-Sanktionen gewähren
  • Russland will sich an Kürzungsvereinbarung halten

DOE-Daten unter verschiedenen Vorzeichen

Eine unerwartet gesunkene Raffinerieauslastung und deutliche Abbauten bei Rohöl, während das Benzin die Lager fühlt, überraschten die Anleger gestern am meisten. Interpretationen sind hier schwierig.

Die DOE-Daten im Überblick

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-03-160119 // Alle Angaben ohne Gewähr

Verarbeiten die Raffinerien weniger, müsste es eigentlich mehr Rohöl und weniger Produkte in den Lagern geben. Doch das Gegenteil scheint der Fall. Eine Erklärung sind höhere Exporte, denen sinkende Importaktivitäten gegenüberstehen. Die sinkenden Importe können genau so interpretiert werden, wie man es schon beim vorherigen API-Bericht getan hat: Kanada und Saudi-Arabien haben ihre Exporte gen USA gesenkt. 

Die Produktnachfrage hat unterdessen zugelegt, was nicht erklärt, warum die Produktbestände so deutlich angestiegen sind. Hierfür gibt es bisher kaum Interpretationen. Eindeutig ist hingegen die Zahl 11,9 Mio. B/T, die für die US-Rohölförderung angegeben wurde und ein neues Allzeithoch markiert.

Gerade dieser Fakt hätte aus dem DOE-Bericht einen Impuls für Preisnachlässe machen können. Die Anleger konzentrierten sich aber genauso stark auf die gestiegene Nachfrage wie auf die gesunkenen Rohölvorräte. Am Ende des Tages blieb der DOE-Bericht daher ohne eindeutige Auswirkungen auf die Preisentwicklung.

Sagen und meinen: Aussagen des US-Verhandlungsführers zu Iran-Sanktionen unter der Lupe

Im Wortlaut sagte der US-Verhandlungsführer für die Iransanktionen, Brian Hook, man wolle nach dem Auslaufen der jetzigen Sondergenehmigungen für Länder, die iranisches Öl importieren, im April keine neuen Ausnahmen gewähren.

Er sagte aber auch, dass man nicht vorhersehen könne, ob es ab April Ausnahmen geben könnte. Gerade dieser Nachsatz wurde vom Markt sofort aufgenommen und weiter gesponnen. Die USA wollten Preisspitzen vermeiden und koppeln ihr Handeln daher an die Preisentwicklung. Mit anderen Worten: Sollten die Ölpreise ab April wegen fehlender Ausnahmen steigen, könne man sich in Washington Gegenmaßnahmen dazu denken – und kurzfristig wären dies eben neue Ausnahmen.

Das hat so explizit zwar keiner gesagt, aber der Markt hört am Ende des Tages eben auch oft das, was er hören will. Tatsache ist jedoch, dass die Iransanktionen so oder so auf tönernen Füßen stehen. Denn einige der Länder, die iranisches Öl importieren dürfen, sind von diesem Lieferanten abhängig und würden sich im Zweifelsfall vermutlich über Sanktionen hinwegsetzen. Die USA würden im Gegenzug davon 

absehen müssen, die Sanktionen gegen Länder wie Indien auch umzusetzen, da dies weitreichende politische und wirtschaftliche Probleme nach sich ziehen könnte.

Die Sanktionen sind sowieso ein amerikanischer Alleingang und werden von keiner anderen Nation mitgetragen. Ein Beharren auf den Einfuhrverboten wäre eher kontraproduktiv und könnte den USA mehr schaden als nützen. Am Ende muss natürlich auch festgehalten werden, dass der US-amerikanische Präsident für seine schnellen Meinungsänderungen berüchtigt ist.

Russland geht auf OPEC-Linie

Natürlich darf die Frage gestellt werden, warum Russland nun auf einmal doch in der Lage sein soll, die im Dezember vereinbarten Produktionskürzungen des OPEC+Deals bis April vollständig umsetzen zu können. Direkt nach dem Treffen hatte man deutlich gemacht, dass dies unter keinen Umständen möglich sei, weil geographische und technische Faktoren dies behindern würden. Damals hatten viele Analysten den Schluss gezogen, dass das russische Zaudern vor allem ein Machtbeweis und eine Demonstration sei, dass man die nicht gewollten Kürzungen nur zähneknirschend mittragen wolle.

Nun sollen 60.000 B/T pro Monat kein Problem sein, und zwar vollständig von Januar bis zum Ende des jetzigen Deals im April. Weitere Erklärungen dazu gab es bisher nicht, aber dieses Einlenken stützt natürlich direkt die Preise. Denn es wertet den OPEC-Deal auf, der von vielen als zu verhalten für eine Preisstabilisierung eingeschätzt wird.

Das gilt nicht nur zahlenmäßig, sondern auch für das Image des Deals und den Zusammenhalt in der Gemeinschaft aus Kartellmitgliedern und Nicht-OPEC-Staaten wie Russland. Dieser Zusammenhalt schien zuletzt immer stärker zu bröckeln, gerade weil Russland als wichtigster Nicht-OPEC-Partner immer wieder deutlich machte, dass fallende Ölpreise für ihn kein Problem sind.

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 69,35 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 69,01 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

      Der Ölmarkt und der Euro-Dollar-Kurs bestimmen Ihren Heizölpreis.
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