Ölpreise zeigen schwindendes Marktvertrauen – OPEC muss eigenen Optimismus korrigieren

19. Januar 2017,

Heizoelpreise sinken 190117

Die Ölpreise sind heute Morgen zwar teilweise gestiegen, doch hatten sie gestern sichtbar nachgelassen. Gestern veröffentlichte die OPEC ihren Monatsbericht Januar, der einen Förderrückgang für Dez. auswies. Doch der Markt scheint diesen Zahlen nicht zu vertrauen.

Ölpreisentwicklung

Die OPEC räumt ein, was viele Marktteilnehmer befürchtet haben:  Die eigenen Prognosen für 2017 waren im Vorfeld etwas zu optimistisch. So wurde jedenfalls der OPEC Monatsbericht Januar interpretiert. Zwar seien die Förderquoten bereits im Dezember gesunken, allerdings habe man nun eingeräumt, dass die US-Schieferölproduktion im Jahresverlauf wohl ansteigen wird und dass das Angebot die Nachfrage weiterhin übersteigen wird. Auf dieses Eingeständnis reagierte der Markt gestern mit sinkenden Ölpreisen, die heute Morgen nur leicht wieder zugelegt haben.  

Der wöchentliche Bericht des American Petroleum Institute (API) zum US-Ölbestand zeigte einen unerwartet starken Rückgang bei den Rohöl-Beständen und wies gleichzeitig eine starke Zunahme an Benzin aus. Das deutet auf eine hohe Raffinerieauslastung hin.

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der europäische Ölpreis Brent liegt heute Morgen bei 54, 29 US-Dollar. Dies ist zwar mehr als der Schlusspreis von Mittwoch (53,92 US-Dollar), doch zeigt dieser im Vergleich zu Dienstag (55,47), wie die Preise im gestrigen Tagesverlauf gefallen sind. ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, notiert für die Lieferung im Februar aktuell bei 479, 50 US-Dollar, also sichtbar unter dem Schlusspreis von Mittwoch (485,75 US-Dollar). Auch hier zeigen sich die Bewegungen am Markt: Am Dienstag waren es noch 490,75 US-Dollar.

So sehr der Markt auf verlässliche Zahlen aus dem OPEC-Lager zu Produktionskürzungen wartet, so sehr scheint er diesen Zahlen zu misstrauen. Der gestern veröffentlichte OPEC Monatsbericht Januar wies einen Förderrückgang von 220.000 B/T für Dezember aus. Dies hätte das Förderniveau insgesamt auf 33,09 Mio. B/T gesenkt – und damit in die Nähe der anvisierten 32,5 Mio. B/T, die sich unterm Strich aus dem Förderquotenabkommen für 2017 ergeben sollen.

Eigentlich hätten diese Werte gestern für einen Preisanstieg bei Öl sorgen können, doch der Markt scheint einen anderen Aspekt des Berichts höher zu bewerten: Die OPEC hat eingeräumt, dass die US-Schieferölproduktion entgegen der Prognosen 2017 wohl zulegen wird. Gleichzeitig rechnet das Kartell laut Bericht damit, dass die Nachfrage nach OPEC-Öl insgesamt bei 32,1 Mio. B/T liegen wird. Selbst, wenn sich alle OPEC-Staaten und Unterzeichner des Abkommens an ihre Quoten halten, steht also immer noch eine Überversorgung des Marktes von 0,4 Mio. Barrel pro Tag im Raum.

Der wöchentliche Bericht des American Petroleum Institute (API) zum US-Ölbestand scheint in dieser eher alarmierten Stimmung bisher keine Effekte zu haben. Der Bericht wies einen unerwartet starken Bestandsabbau bei Rohöl (-5,0 Mio. Barrel) und eine unerwartet hohe Zunahme der Vorräte an Benzin (+9,8 Mio. Barrel) aus. Das deutet auf eine unerwartet starke Auslastung der Raffinerien hin. Diese Zahlen könnten vom heute zu erwartenden Bericht des Department of Energy (DOE) entweder gestützt oder relativiert werden. Der DOE-Bericht steht auf einer breiteren Datenbasis und hatte in der Vergangenheit oft mehr Einfluss auf den Markt als die API-Zahlen.

Wie mit dem OPEC-Bericht umzugehen ist, könnte zunächst der IEA Monatsreport (International Energy Agency) erhellen, der heute erwartet wird. Die IEA ist eine internationale Kooperation von 29 Staaten, die in regelmäßigen Abständen Prognosen zur Entwicklung des Energiemarktes veröffentlicht.

Der Markt nimmt die IEA-Aussagen gerade in diesen Zeiten der Unsicherheit vermutlich intensiv auf und setzt sie ins Verhältnis zu den OPEC-Prognosen. Diese erhalten spätestens am 13. Februar verlässlichere Daten, wenn der Monatsbericht der OPEC den Januar in den Fokus nimmt.

Entwicklung Eurokurs

Der Euro bleibt heute Morgen weiterhin über der 1,06-Marke und notiert aktuell bei 1,0651 US-Dollar (EZB-Referenzpreis Mittwoch: 1,0664). Am Dienstag hatte er zwischenzeitlich die 1,07-Marke geknackt, im gestrigen Tagesverlauf jedoch erst nachgegeben, dann wieder erholt.

Für den Kursabfall sorgte zunächst die Rede der Vorsitzenden der US-Notenbank Fed. Janet Yellen hatte angekündigt, dass die Fed im kommenden Jahr mehrfach den Leitzins anheben wolle – was dem Dollar Auftrieb verleihen wird und es gestern als unmittelbare Reaktion ebenfalls tat.

Diese Reaktion war bisher wohl nur kurzfristig, sodass sich der Euro wieder erholen konnte. Heute Nachmittag erwartet der Markt Beschlüsse der Europäischen Zentralbank zu ihrer Zinspolitik in nächster Zeit. Überraschungen oder gar Zinsanhebung wird es aber vermutlich nicht geben.

Positive Konjunkturdaten aus der Eurozone zu Preisentwicklung, Inflation und Kreditvergabe werden laut Experten so interpretiert, dass aus Sicht der EZB kein Handlungsbedarf besteht, mit Zinsmaßnahmen in den Markt einzugreifen. Der Euro sei also grundsätzlich in der Lage, sich gegen den Dollar zu behaupten.

Da Öl grundsätzlich in Dollar gehandelt wird, hat ein steigender (oder fallender) Dollarkurs stets Einfluss auf die Preise. Ist der Euro im Vergleich zum Dollar schwach, müssen europäische Käufer unabhängig von der tatsächlichen Preisentwicklung an den Ölmärkten also stets mehr (auch für Heizöl) zahlen, als wenn der Euro im Gegensatz zum Dollar gewinnt.

Heizölpreisentwicklung

Verbraucher profitieren von den Marktzweifeln und damit von gefallenen Heizölpreisen. Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostete im bundesweiten Durchschnitt rund 59,12 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es noch 59,53 Cent pro Liter.

Wir raten unseren Kunden dazu, sich das aktuelle Preisniveau schnell zunutze zu machen und sich zum Heizölkauf zu entscheiden – insbesondere, wenn sich der Tank leert. Auch wenn das Jahr 2017 in Sachen Ölpreis unvorhersehbar ist, sind langfristig fallende Preise weiterhin eher unwahrscheinlich und es könnte sich enorm lohnen, sich begehrte Liefertermine in den nächsten Tagen direkt zu sichern, bevor belastbare OPEC-Zahlen für einen deutlichen Preisanstieg sorgen könnten.

Bedenken Sie außerdem, dass es aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse und einer hohen Nachfrage etwas länger mit der Lieferung dauern kann und bestellen Sie rechtzeitig.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.