Saudi-Arabien bereit, Produktionsausfälle auszugleichen – Ölpreise dennoch höher

4. Juli 2018, Nicola Bergau

Saudi-Arabien gleicht Produktionsausfälle aus. Heizöl teurer. 04.07.2018

Saudi-Arabien ist bereit, der Aufforderung Trumps zu folgen und mehr Öl als Ausgleich für die vielen Produktionsausfälle auf den Markt zu werfen. Das trieb die Ölpreise gestern sichtbar ins Minus. Doch erneute Abbauten der Rohölvorräte in den USA laut API kehrten diesen Trend wieder um.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Saudi-Arabien will Produktionsausfälle ausgleichen
  • Erneut starke Abbauten bei US-Rohöl laut API
  • Brent bei 78,13 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 666,25 US-Dollar
  • Euro kaum verändert bei auf 1,1666 US-Dollar
  • Heizölpreis tritt auf der Stelle und liegt bei 70,09 Euro / 100L


 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

Anzahl der US-Ölbohranlagen sinkt Saudi-Arabien erklärt sich zu Produktionsausweitung bei Bedarf bereit
US-Rohölbestände stark rückläufig Nach Beschluss: OPEC-Staaten heben Ölproduktion sukzessive an
US-Regierung erhöht den Sanktionsdruck gegen den Iran Wachstum der Ölnachfrage verlangsamt sich
 Produktionsunterbrechungen in Libyen und Kasachstan halten an Handelsstreit zwischen USA, EU und China

 

 

Abstimmungsergebnis der letzten Woche

  • 30% / 102 Stimmen: Der Heizölpreis steigt
  • 70% / 238 Stimmen: Der Heizölpreis sinkt

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 78,13 US-Dollar. Der Vergleichswert von Dienstag betrug noch 77,92 US-Dollar, der Schlusspreis für Dienstag wurde bei 77,76 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 666,25 US-Dollar. Der Vergleichswert am Dienstag lag bei 664,00 US-Dollar, während der Schlusspreis am Dienstag bei 656,25 US-Dollar stand.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 04.07.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Gerade an der Entwicklung der Gasoil-Notierung lässt sich der gestrige Handelstag perfekt ablesen. Im Tagesvergleich hat sich der Kurs scheinbar kaum bewegt, was nicht zuletzt auch am geringeren Handelsaufkommen durch den US-Feiertag Independence Day liegt.

Innerhalb des Tagesverlaufs bis zum Stand von heute Morgen haben die Preise allerdings praktisch perfekte Kehrtwenden hingelegt: Zunächst ging es sehr deutlich nach unten, als Saudi-Arabien ankündigte, die Angebotsverknappung durch die anhaltenden Produktionsausfälle insbesondere in Libyen aus den eigenen Kapazitätsreserven ausgleichen zu wollen.

Mit der Veröffentlichung der API-Daten zu den US-Ölbeständen wurden die deutlichen Verluste allerdings wieder ausgeglichen, denn erneut sind die Abbauten höher ausgefallen als erwartet. Die sichtbaren Kursveränderungen sind jedoch ebenfalls eine Folge des geringeren Handelsaufkommens. Denn wenn weniger Marktteilnehmer agieren, zeigen sich Veränderungen deutlicher – vor allem, wenn die wenigen Trader alle eine Richtung einschlagen.
 

Entwicklung Eurokurs

Der Eurokurs hat sich heute Morgen im Vergleich zu gestern nach oben bewegt. Kostete die Gemeinschaftswährung zum gestrigen Tagesstart noch 1,1636 US-Dollar, notierte sie heute Morgen bei 1,1666 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis für Dienstag auf 1,1665 US-Dollar fest.

Die relative Stabilität unter positiveren Vorzeichen verdankt die Gemeinschaftswährung nicht zuletzt der Einigung von CDU und CSU zum Asylstreit in der deutschen Regierung. Denn die größte Volkswirtschaft der Eurozone hat einen Wegweiser-Charakter. Wenn sie Stabilität zeigt, wird dies vom Markt auch als Stabilität der Staatengemeinschaft interpretiert.

Doch auch in diesem Markt hat der US-Feiertag seine Spuren hinterlassen, nutzen viele Händler doch die Gelegenheit für eine Auszeit. Einen eindeutigen Trend kann man heute also auch aus diesem Kurs nicht ablesen.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Saudi-Arabien könnte Reserven freigeben
  • API-Bericht vermeldet Bestandsabbauten auf breiter Fläche

Saudi-Arabien folgt Trumps Ansinnen

Am Wochenende hatte Trump über seinen Twitter-Kanal den Wirtschaftsverbündeten Saudi-Arabien dazu aufgerufen, die anhaltenden Produktionsausfälle in Ländern wie Libyen, Venezuela und Kasachstan durch eigene Produktionserhöhungen auszugleichen.

Die Antwort darauf folgte gestern: Saudi-Arabien sei dazu bereit, bei Bedarf die eigenen Kapazitätsreserven anzuzapfen und dem Markt zur Verfügung zu stellen, um die aktuelle Angebotsknappheit aufzufangen.

Damit zeigt sich einerseits, dass Saudi-Arabien durchaus in dem Maße mit den USA kooperiert, wie es Iran im Vorfeld des OPEC-Treffens Ende Juni angemahnt hatte. Angesichts der gestern öffentlich gewordenen „sanfteren Töne“ was die US-Sanktionen gegen Iran betrifft (siehe Morgennews vom 03.Juli), gab es dazu bisher jedoch keinen Protest.

Andererseits zementiert Saudi-Arabien damit auch seine Vormachtrolle innerhalb der OPEC, denn kaum ein anderer Staat des Kartells ist in der Lage, so kurzfristig und im großen Umfang Kapazitätsreserven zu aktivieren. Allein aus Libyen kommen momentan 0,85 Mio. B/T weniger, die dem Markt aktuell sichtlich fehlen und mit dafür verantwortlich sind, dass die Ölpreise trotz aller Gegenindizien weiterhin hoch bleiben.

Es bleibt indes abzuwarten, ob ähnlich starke Dealmitglieder – namentlich Russland – die Gelegenheit nutzen werden, um die eigene Produktion jenseits der abgemachten 0,6 Mio. B/T zu steigern und so die insgesamt mehr als 1,05 Mio. Barrel täglich aufzufangen, die dem Markt momentan fehlen.
 

API-Bericht wiederum mit breiten Bestandsabbauten

Erneut vermeldete das American Petroleum Institute in der Nacht sichtbare Bestandsabbauten bei US-Rohöl und den Produkten. Inzwischen hat der Markt damit zwar gerechnet, doch die Werte liegen über den Erwartungen, was die deutlichen Preiszunahmen für die Ölnotierungen heute Morgen erklärt.
 

Die API-Daten im Überblick

API-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-27-040718 // Alle Angaben ohne Gewähr

Auch in den API-Daten macht sich der US-Feiertag bemerkbar. Denn der 4. Juli ist traditionell ein Tag, den die Amerikaner mit viel Getöse und entsprechender Reisefreudigkeit begehen. Schon im Vorfeld war die Nachfrage nach Produkten hoch, was wiederum die Raffinerien dazu veranlasste, mehr zu produzieren und damit die Rohölvorräte zu dezimieren.

Außerdem befinden wir uns nun in der nachfrageintensivsten Zeit des Jahres, was den Trend noch deutlich anschiebt. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Lieferprobleme aus Kanada durch Pipeline-Ausfälle auch in diesem Zahlenwerk wieder eine Rolle spielen und damit die aktuelle Situation auf dem US-Markt nicht getreu wiedergeben.

Dass ist bei den API-Zahlen sowieso nie der Fall, da hier die statistische Basis zu klein ist. Der morgige Bericht des Department of Energy dürfte deutlichere und verlässlichere Werte liefern. Allerdings ist das DOE in den vergangenen Wochen immer wieder den API-Vorgaben gefolgt und hat die Bestandsabbauten sogar noch nach oben korrigiert. Ob der Effekt auf die Ölpreise morgen wiederum so deutlich ausfällt wie heute, muss aber abgewartet werden.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 70,09 Cent pro Liter Heizöl. Am Dienstag waren es 70,18 Cent.

Wir können es nur immer weiter wiederholen: Machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig und lösen Sie den Heizölkauf aus. Denn alle Prognosen erweisen sich durch kurzfristige Gegentendenzen und unvorhergesehene Ereignisse wie die Lieferausfälle immer wieder als null und nichtig.

Wenn Sie sich heute zum Kauf entscheiden, können Ihnen die Entwicklungen der nächsten Monate vollkommen gleich sein – und Sie holen die Tankanzeige aus dem roten Bereich.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.