US-Bestandsdaten sorgen für steigende Ölpreise

20. Juli 2017

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Es ist kein neues Phänomen: Zwei aufeinanderfolgende Berichte zu Öl- und Ölproduktbeständen im US-Markt und beide revidieren sich. Als Folge sind die Ölpreise am Mittwochabend sprunghaft angestiegen. Der Euro gibt leicht nach, verbleibt aber auf hohem Niveau. Heizöl heute etwas teurer.

Ölpreisentwicklung

API und DOE – zwei staatliche US-Amerikanische Bundesbehörden, welche Woche für Woche nacheinander aktuelle Daten zum US-Ölmarkt veröffentlichen und sich dabei – so wie auch in dieser Woche - regelmäßig wiedersprechen.

So setzte an den Märkten mit der Veröffentlichung des Berichts des American Petroleum Institute (API) am Dienstagabend eine verhaltene Stimmung ein, welche sich noch über den gesamten Mittwoch bis zur Veröffentlichung der DOE-Daten in stabilen, tendenziell abfallenden Ölpreisen wiederspiegelte. Insbesondere die von API prognostizierte Bestandszunahme um 1,6 Millionen Barrel im Vergleich zur Vorwoche sorgte für Aufhorchen unter den Anlegern, widersprach sie doch der allgemeinen Erwartungshaltung einer stärkeren Nachfrage.

Diese konnte dann mit DOE doch noch aufgefangen werden: Im Vergleich zur Vorwoche haben die Rohölbestände im US-Markt um 4,7 Millionen Barrel abgenommen. Diese klar preissteigernde Meldung sorgte sofort für eine starkes Anziehen der Preise. Der Kurs der amerikanischen Rohölsorte WTI wurde seit langen wieder über die 47-US-Dollar-Markte gehoben.   

Ausgebremst wurde der klare Aufwärtstrend dann doch noch. Der Grund ist einfach, er liegt vor allem in der erneuten Zunahme der US-Ölproduktion im Vergleich zur Vorwoche. Diese stieg nach den DOE-Daten immerhin um 32.000 Barrel pro Tag.

Insgesamt schloss der Handel am Mittwoch dennoch mit höheren Preisen in allen relevanten Kategorien.

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der europäische Ölpreis Brent notiert am Donnerstagmorgen bei 49,65 US-Dollar, der Schlusspreis von Mittwoch lag noch etwas höher bei 49,70 US-Dollar.

Der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, ICE Gasoil, notiert am heutigen Donnerstag bei 458,00 US-Dollar für die Lieferung im August. Der Schlusspreis am Vortag lag etwas niedriger bei 456,00 US-Dollar.

US-Markt trügerisch?

Nach den aktuellen DOE-Daten sind die Bestände an Rohöl in den USA deutlich zurück gegangen, obwohl die Raffinerieauslastung gleichzeitig gesunken ist. Der Handel liest daraus vor allem ein Fakt: Das was die Raffinerien an Produkten zur Zeit an den Markt bringen, wird auch verbraucht. Insgesamt lässt das auf eine stabile Nachfragesituation im US-Markt schließen.

So konnte im Vergleich zum Vorjahr das Bestandsniveau an Benzin bereits um mehr als 10 Millionen Barrel sinken. Im Vergleich zur Vorwoche konnten Abbauten von 4,4 Millionen Barrel vermeldet werden – und das obwohl die Raffinerien im Vergleich zum Vorjahr um diese Zeit immer noch mehr produzieren. Destillatprodukte wie Heizöl und Diesel haben in ihrem Lagerbestand mit 2,2 Millionen Barrel ebenfalls abgenommen. Aufgrund einer saisonbedingten schwächeren Nachfrage nach diesen Produkten, wird auch dieser Umstand vom Markt als klar preissteigernd gewertet.

Doch bei genaueren Hinsehen hat auch die US-Ölproduktion wieder einmal im Vergleich zur Vorwoche zugenommen. Sollten die aktuellen preissteigernden Effekte nachhaltig sein, kann davon ausgegangen werden, dass die Ölproduktion auch in der Folgewoche weiter ansteigen dürfte. Die jetzt vorherrschende optimistische Stimmung, könnte damit auf die Probe gestellt werden.

Dennoch zeigt die Entwicklung im US-Markt nach der Interpretation von Marktexperten auch, dass die OPEC-Maßnahmen langsam aber sicher ihre Wirkung entfalten könnten. Die Gefahr von zu hohen Preisanstiegen scheint allerdings jetzt schon gebannt: So führt doch jeder Preisanstieg letztlich zu einem Ausgleich der zurückgehaltenen OPEC-Mengen durch das Fördergebaren der US-Schieferölindustrie.

Libyens Ölproduktion wächst weiter

Im Vergleich zum Frühjahr diesen Jahres, konnte der nordafrikanische Staat seine Ölproduktion bis heute verfünffachen. Lag die Ölproduktion Anfang April noch bei ca. 200.000 Barrel / Tag, konnte sie mittlerweile auf über eine Million Barrel pro Tag angehoben werden. Der Grund liegt vor allem in der Beilegung innerstaatlicher kriegerischer Auseinandersetzungen, welche letztlich auch wieder zu Investitionstätigkeiten internationaler Ölkonzerne führten.

Aufgrund der instabilen wirtschaftlichen und politischen Situation im Land, ist Libyen vom Förderbeschränkungs-Deal des OPEC-Kartells ausgenommen. Dennoch werden die Fördermengen des Landes mit in den „Förderkorb“ des Zusammenschlusses der erdölexportierenden Staaten eingerechnet.

Bis zum Ende des Jahres plant Libyen nach aktuellen Meldungen seine Produktion auf 1,25 Millionen Barrel am Tag auszubauen. Durch neue Investitionen in die Förderinfrastruktur, soll die Produktion im Jahr 2018 gar auf 1,5 Millionen Barrel am Tag angehoben werden.

Da diese Entwicklung nicht neu ist, reagierten die Märkte – vor allem vom Eindruck des DOE-Berichts eh in eine andere Richtung fokussiert – neutral auf diese Meldung.

Ecuador gibt sich wieder sanft

Noch zum Anfang dieser Woche verkündete das im Norden Südamerikas gelegene Land den Austritt aus dem Kürzungsdeal der OPEC an. Die Märkte reagierten mit Argwohn, da nicht auszuschließen war, dass weitere Deal-Beteiligte folgen würden und damit das gesamte Abkommen eindeutig gefährdet wäre. Ecuadors Staatsführung führte als Grund vor allem die fehlenden Einnahmen an, welche durch die Kürzung der Ölproduktion im Land fehlten.

Nach einer nun veröffentlichten Meldung des Ölministeriums des Landes, nimmt man von den Austrittsbekundungen wieder Abstand. Aus der gleichen Meldung geht hervor, dass man mit Saudi Arabien, dem Wortführer und damit dem mächtigsten Mitglied des OPEC-Kartells, Gespräche geführt habe, welche die Staatsführung zu dem Schluss kommen ließen, dem Abkommen weiter beizuwohnen.

Abgesehen von den für das Kartell negativen Signalwirkungen an die Märkte, wären die Auswirkungen auf den Deal selbst nicht besonders schwerwiegend gewesen, da das kleine Land seine Produktionsmenge lediglich um 26.000 Barrel pro Tag im Rahmen des Abkommens kürzen muss. Ob sich nun weitere „Wackelkandidaten“ in den nächsten Tagen die Blöße geben von ihren Förderquoten Abstand zu nehmen, bleibt abzuwarten.

Entwicklung Eurokurs

Der Höhenflug des Euro ebbte im Verlauf des Handels am Mittwoch wieder leicht ab. Die Gemeinschaftswährung welche zur Zeit von einem sehr schwachen US-Dollar profitiert, kostet am heutigen Morgen 1,1516 US-Dollar. Der Kurs schloss am Vortag bei 1,1577 US-Dollar, wobei das Tageshoch noch bei 1,1533 US-Dollar lag.

Am Dienstag sorgten innenpolitische Turbulenzen in den USA für einen Einbruch des Dollar-Kurses. Weiterhin führt die Erwartung einer geldpolitischen Wende in der Eurozone ebenfalls zu einer Stärkung der Gemeinschaftswährung. Mit der Veröffentlichung von Konjunkturdaten im US-Markt wurde der US-Dollar im Verlauf des Mittwoch wieder gestärkt. Der Euro geriet indessen wieder unter Druck, da die Spekulationen über eine EZB-Entscheidung am Donnerstag die Annahme einer schnellen Rücknahme der expansiven Geldpolitik im Euroraum wieder revidierten.

Die Märkte warten nun auf die Ergebnisse der heutigen Sitzung der EZB-Führung. Ob tatsächlich für den Markt verwertbare Fakten geschaffen werden können bleibt abzuwarten.

Heizölpreisentwicklung

Der Heizölpreis zog in den vergangenen Tage und so auch heute vor allem aufgrund der Entwicklung des Euros und der Ölpreise deutlich an. Heute Morgen kostet eine 3.000 Liter Standard Lieferung aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 54,22 Cent pro Liter Heizöl. Gestern waren es noch 53,82 Cent pro Liter.

Noch ist das Preisniveau für Verbraucher attraktiv, sodass sich ein Heizölkauf jetzt immer noch lohnt. Dann sind deutliche Preiskorrekturen nach oben sind bei der aktuellen Entwicklung nicht mehr auszuschließen. Jetzt ist also der richtige Zeitpunkt für den Heizölkauf.  

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

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