Monatsrückblick Januar 2020: Ausnahmezustand als Tagesgeschäft

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Der Puls der Marktteilnehmer lag im Januar 2020 konstant über einem gesunden Maß. Die Spannungen zwischen den USA, Irak und Iran, die Fortschritte im Handelsstreit und nicht zuletzt das Coronavirus sorgten für einen turbulenten Jahresstart und Ölpreise im Ausnahmezustand.

Im Überblick: so war das Öljahr 2019

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ereignisse von 2019 finden Sie im Heizölnews Jahresrückblick 2019.

 

Kompakt informiert: die wichtigsten Entwicklungen im Januar 2020

  • China und USA unterzeichnen Phase 1-Handelsabkommen
  • USA töten iranischen General bei Angriffen in Irak – Eskalation im Nahen Osten droht
  • Coronavirus breitet sich aus – auf den Märkten noch schneller als in der Realität

 

Heizölpreisentwicklung Januar 2020 im Überblick

Die Heizölpreisentwicklung im Januar 2020 im Überblick // Alle Angaben ohne Gewähr // © TOTAL

Wer geglaubt hatte, dass der Januar ein halbwegs ruhiger Jahresstart mit positiven Signalen für die Konjunktur und Nachfragesituation wird, wurde schnell enttäuscht. Die lang erwartete Unterzeichnung eines Handelsabkommens der Phase 1 zwischen den USA und China verblasste angesichts der wichtigen Problemlagen Naher Osten und Coronavirus.

Mit jeder neuen Infektionsmeldung in- und außerhalb Chinas griff das Coronavirus nicht nur die Menschen an, sondern schickte die Ölpreise auf eine fast unaufhaltsame Talfahrt. Erstmals seit September 2017 fiel die Gasoil-Notierung direkt zum Monatsende unter die 500-Dollarmarke. Doch trotz aller Panik zeigte der Januar auch: Der Markt bleibt wesentlich ruhiger und kalkuliert objektiver als noch vor einem Jahr.

 

Naher Osten zeigt Eskalationspotenzial

Die Spannung zwischen den USA und Iran erreichten im Januar einen vorerst neuen Höhepunkt, in den auch Irak hineingezogen wurde. Dreh- und Angelpunkt der Krise war der Tod eines hochrangigen iranischen Generals, der bei amerikanischen Luftangriffen auf Stellungen außerhalb der irakischen Hauptstadt Bagdad ums Leben kam.

Dieser Angriff wurde in Washington mit Informationen begründet, dass dieser General Angriffe auf US-Militärstützpunkte geplant habe. Iran ging nicht nur verbal sofort zum Gegenangriff über, sondern bombardierte seinerseits US-Stützpunkte in Irak. Diese verliefen jedoch ohne Tote und waren eher eine Machtdemonstration.

Dennoch: Immer neue Drohungen zwischen allen Parteien verschärften die Besorgnislage und trieben die Ölpreise vor sich her. Allerdings ging der Markt ungewohnt schnell zu einer objektiveren Analyse über und hielt fest, dass das globale Ölangebot selbst bei kämpferischen Eskalationen zunächst nicht gefährdet sei. Zusammen mit einer Deeskalationsrhetorik aus Washington und Teheran blieben weitere Anstiege schnell aus.

Diese Haltung dominierte auch, als Libyen wieder in den Fokus rückte. Eine politisch motivierte Schließung mehrerer Ölproduktions- und Verladestätten durch General Haftar sorgte zwar auf diplomatisch-politischer Ebene für Unruhe, lieferte aber keinen Anstoß für neue Preisanstiege. Denn auch hier galt die Aufmerksamkeit der sowieso überkomfortablen Versorgungslage. Außerdem wurde überdeutlich, dass die OPEC im Falle bestimmter Engpässe dank ihrer freiwilligen Kürzungen schnell und problemlos für Ausgleich sorgen könnte.

Doch trotz der relativ schnellen Marktberuhigung im Hinblick auf dieses Thema zeigte der Januar einmal mehr, dass der Nahe Osten für die Preisbildung wesentlich bleibt und sich hier immer wieder Überraschungspotentiale ergeben, die den Ölpreisen einen vorher nicht abzusehenden Dreh geben.

 

China und USA gehen in Minischritten aufeinander zu

Mitte Januar war es nach zähen Verhandlungen endlich soweit: China und die USA unterzeichneten ein erstes Handelsabkommen unter dem Titel „Phase 1“ – und lieferten damit zumindest einen Anstoß für die Konjunkturerwartungen 2020.

Im Vorfeld war wenig über die konkreten Inhalte bekannt, die Händler zeigten sich jedoch nicht allzu optimistisch. Das fertige Vertragswerk hatte dann auch entsprechend wenig Preispotential. Zwar sind neue Strafzölle erst einmal vom Tisch, doch das wesentliche Konjunkturhemmnis – die bestehenden Zölle auf chinesische Waren – wurde nicht abgebaut oder zurückgenommen.

Dementsprechend verhalten war auch die Reaktion auf den „Phase 1“-Vertrag, auch wenn sich die Konjunkturprognosen für 2020 zumindest in Halbtönen aufhellten. Denn trotz aller Enttäuschung schien ein solches Abkommen noch vor wenigen Monaten kaum möglich, als sich die USA und China praktisch im Wochentakt gegenseitig mit neuen Handelsschranken belegten.

 

Coronavirus sorgt für weltweite Panik

Das Was-wäre-wenn-Spiel ist zwar müßig, doch ohne das Coronavirus hätte die Januarpreisentwicklung ungewöhnlich positiv verlaufen können. Doch die neuartige SARS-Virusmutation 2019-nCoV versetzte die Welt und die Märkte in Panik.

Der Lungenkrankheitserreger war um den Jahreswechsel erstmals auf einem Markt im chinesischen Wuhan aufgetreten und hatte sich von dort rasant im ganzen Land ausgebreitet. Durch globale Reisen wurden nach und nach auch immer mehr Infektionen in der ganzen Welt bekannt. Mit Stand 06. Februar 2020 waren weltweit 28.300 Infektionen gemeldet worden, wobei China und die Provinz, in der Wuhan liegt, am schlimmsten getroffen waren.

Erinnerungen an und Vergleiche mit der SARS-Epidemie 2002/2003 waren schnell zur Hand, doch die Anleger hielten sich aufgrund dieser Erfahrungen zunächst mit deutlichen Reaktionen zurück. Das änderte sich erst, als ein wirtschaftlicher Zusammenhang immer wichtiger wurde:

Die Ausbreitung des Virus nahm ausgerechnet zum chinesischen Neujahrsfest Fahrt auf. Normalerweise ist in dieser Zeit praktisch das ganze Land auf Reisen, um Freunde und Verwandte zu besuchen. Als zweitgrößte Volkswirtschaft und einer der wichtigsten Ölnachfrager der Welt ist China damit im Januar normalerweise eine wichtige Nachfragesäule in einem ansonsten eher nachfragearmen Monat.

Doch zur Bekämpfung von Corona wurden ganze Städte isoliert, das Reisen fast völlig aufgegeben. Die Auswirkungen waren praktisch sofort in den chinesischen Nachfragezahlen und den Ölnotierungen abzulesen – und hatten einen multiplen Effekt auf die Preisentwicklung.

Innerhalb kürzester Zeit fiel vor allem die Gasoilnotierung auf einen Tiefststand nach dem anderen. Abseits pandemischer Befürchtungen waren diese Entwicklungen nämlich von klaren Fakten untermauert:

Die gesamte Reisenachfrage, die den Januar in China normalerweise bestimmt, kann nicht nachgeholt oder ausgeglichen werden – und ist damit für einen Markt, der dringend auf eine stärkere Nachfrage angewiesen ist, verloren.

Um den ruinösen Abwärtstrend aufzuhalten, meldete sich die OPEC schnell zu Wort und beriet quasi öffentlich über kurzfristige Gegenmaßnahmen in Form von noch höheren Produktionskürzungen.

Zum Monatsende nahmen diese Überlegungen immer konkretere Konturen an. Man einigte sich sogar darauf, die außerplanmäßige Vollversammlung, die ursprünglich für März geplant war, auf Mitte Februar zu verlegen.

 

Die Euronotierung: Fels in der Brandung

Im Vergleich zu den bewegten Rohstoffmärkten blieb es bei den Devisen und der Euronotierung im Januar oft erstaunlich ruhig und stabil. Der endgültige Brexit, der in der Nacht zum 01. Februar vollzogen wurde, lieferte sogar den Höhepunkt einer verhaltenen, aber stetigen Aufwärtsbewegung.

Zwar ist der Austritt Großbritanniens sicher kein pro-europäisches Signal, doch setzt er endlich einen konkreten und handhabbaren Schlusspunkt unter eine dreieinhalbjährige Saga, die mehr Unsicherheit schürte als ein Börseneinbruch.

Das Coronavirus drückte zwar auf den Euro, doch hätte man theoretisch steilere Abwärtstendenzen erwartet. Schließlich gilt die Gemeinschaftswährung bei weitem nicht als so sichere Bank wie etwa die Schweizer Franken oder der Yen. Genau in solche Werte flüchten sich Anleger in Krisenzeiten.

Andersherum ist der stabile Euro auch ein Zeichen dafür, dass sich beim Dollar kaum etwas tat. Die USA hatten genug innen- und außenpolitische Baustellen, die sich teilweise widersprachen und damit keinen Dreh in die Kursentwicklungen brachten.

Für Heizölkäufer war die Euronotierung jedenfalls mehrfach ein weiterer Anschub für noch günstigere Heizölpreise und sorgte für Kaufgelegenheiten, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hatte.

 

Was im Februar 2020 wichtig bleibt

Anfang Februar wurden erste Erfolge bei der Behandlung des Coronavirus gemeldet, während die Ausbreitung langsamer und flacher verlief als bisher befürchtet. Damit der dürfte der Februar vor allem zur „Reinigungsaktion“ in den Ölpreisnotierungen werden – sofern die Erfolge bei der Krankheitseindämmung nicht nur eine Verschnaufpause sind.

Mit Preisanstiegen ist also zu rechnen, vor allem, wenn die OPEC+-Gruppe das Sondertreffen Mitte Februar wirklich abhält und dabei kurzfristige weitere Kürzungen beschließt. Dieser Beschluss scheint erst einmal wahrscheinlich, auch wenn sich die Ölpreise erholen. Denn Kürzungen sind für das Ölkartell momentan die einzige Möglichkeit, die verlorene Nachfrage wirtschaftlich wieder halbwegs auszugleichen.

Schon fast altbekannte Fragen zur US-Außenpolitik dürften wiederum eine Rolle spielen, auch wenn abseits aller akuten Sachlagen nun vor allem wieder die Nachfrageentwicklung 2020 in den Fokus rücken wird. Hier ist es momentan sehr schwer, definitive Prognosen oder wenigstens selbstbewusste Aussichten zur Verfügung zu stellen.

Deswegen informieren wir Sie auch 2020 täglich mit unseren Heizölnews und analysieren das Tages- und Wochengeschehen. Auf unserer Heizölpreisseite können Sie den perfekten Zeitpunkt für Ihren Heizölkauf kalkulieren.

 

 

 

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Ricarda Altrichter - Autorin

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