Heizöl Rückblick August 2020: Hoffnung auf Produktnachfrage

Heizöl Monatsrückblick August 2020 - 03.09.20

Der Ölmarkt wurde im August von einem gewissen Trotz dominiert: Die Corona-Pandemie nimmt zwar wieder Fahrt auf, wir glauben dennoch daran, dass die Ölnachfrage weiter steigt. Dieser Trotz schlug sich in sichtbar schwankenden Ölpreisen nieder – an denen die Nachrichtenlage nicht ganz unschuldig war.

Im Überblick: Ölmarkt 2020

  • Januar: Handelsstreit, Spannungen im Nahen Osten und Virusangst sorgen für Ausnahmezustand
  • Februar: Covid-19 breitet sich auf der Welt aus, OPEC+ ringt um Kürzungen
  • März: Covid-Pandemie und Preiskrieg schicken Schockwellen durch den Markt
  • April: Pandemie sorgt für negative Ölpreise und Rekordkürzungen
  • Mai: Pandemielockerungen und Förderkürzungen befeuern Ölnachfrage
  • Juni: Weitere Lockerungen treiben Nachfrage wieder an – Infektionen bleiben hoch
  • Juli: Zweite Welle stürzt Ölmarkt erneut in Unsicherheit
     

Heizölpreisentwicklung im Juli 2020 im Überblick

Die Heizölpreisentwicklung im August 2020 im Überblick // Alle Angaben ohne Gewähr // © TOTAL


Kompakt informiert: die wichtigsten Entwicklungen für den Ölmarkt im August 2020

  • OPEC+: Tauziehen um die Quotentreue
  • Infektionszahlen steigen weltweit wieder deutlicher an
  • China vs. USA: Verhandlungen und neue Sanktionen

Wer den Ölmarkt im August mit Analysen und Prognosen begleiten musste, stand am Monatsende etwas außer Atem da. Praktisch täglich drehte sich der Wind bei den derzeit wichtigsten Themen:

Einerseits sah man Anzeichen dafür, dass die Covid-Pandemie halbwegs unter Kontrolle ist, andererseits stiegen die Fallzahlen unaufhaltsam an. Und das ausgerechnet in Ländern, die als wichtigste Ölnachfrager gelten.

Einerseits schienen sich China und die USA wieder anzunähern, andererseits verhängten beide Seiten neue Sanktionen und provozierten mit Manövern.

Einerseits demonstrierte die OPEC+-Gruppe viel Disziplin bei der Einhaltung der (freiwilligen) Förderbeschränkungen, andererseits wurden die Gräben im Ölkartell immer wieder klar sichtbar.

Es ist also kaum verwunderlich, dass die Ölnotierungen und der Heizölpreis innerhalb eines Monats deutlich schwankten und zwischen Mehrmonatshochs und neuen Talsohlen keinen klaren Orientierungspunkt fanden. Letztendlich ist das Hin und Her bei den Themen und Notierungen jedoch nur ein perfekter Ausdruck für die derzeitige Situation: Jeder Akteur auf den Märkten und in der Politik sucht nach Ankern, die die unsichere Lage in der Pandemie halbwegs durchschaubar machen. Da es diese zurzeit nicht gibt, sind kurzfristige Entscheidungen der einzige Weg – ob in der Politik, in der Wirtschaft oder bei den Investitionen.
 

OPEC+: nur erfolgreich, wenn alle mitmachen

In der OPEC+-Gruppe war man sich selten derart einig und gleichzeitig derart uneins. Fest steht, dass das Ölkartell mit seinen freiwilligen Förderbeschränkungen einen der wichtigsten Beiträge zur Preisstabilisierung entlang der Pandemie leistet.

Obwohl die Förderquoten im August wieder angehoben wurden, blieb gerade Saudi-Arabien weiterhin unter Normalniveau und stellte greifbar unter Beweis, dass die Beschränkung des Ölangebots aktuell der einzig beeinflussbare Hebel bei der Preisentwicklung ist.

Deshalb wiegt es umso schwerer, dass Länder wie Irak oder Nigeria von Anfang an ihre Förderquoten konstant überschritten. Zwar hatte das Kontrollgremium der OPEC, das JMMC, eine Quotentreue von 97 Prozent für Juli festgehalten. Doch es mahnte auch an, dass nur ein 100-prozentiges Engagement aller Beteiligten für den erwarteten Erfolg sorgen könne.

Deshalb wurden die „Abweichler“ ein ums andere Mal – wohl auch mit schärferen Androhungen seitens der OPEC-Wortführer – dazu angehalten, ihre Quoten nachträglich zu erfüllen und so zumindest das aktuelle Jahr noch halbwegs stabil abzuschließen. Irak beeilte sich zu versichern, dass man der Aufforderung Folge leisten werde. Bis Monatsende folgten auf die Worte jedoch keine Taten.

Sowohl Irak als auch Nigeria sind von der Ölwirtschaft abhängig und kämpfen momentan mit den stärksten Konjunktureinbrüchen der vergangenen Dekade. Demzufolge ist die Quotenabweichung nachvollziehbar, doch in der derzeitigen Lage kaum hilfreich.

Denn letztendlich sind die OPEC-Kürzungen vorrangig ein psychologisches Signal, da das weltweite Ölangebot gerade auch aus Nicht-OPEC-Ländern zunimmt. Doch als Kernakteur kommt dem Ölkartell immer noch eine zentrale Rolle bei der Marktentwicklung zu, die sich ausgerechnet in der Pandemie wieder deutlicher abzeichnet. Einigkeit und 100-Prozent-Meldungen sind jetzt also so wichtig wie schon lange nicht mehr.
 

Covid-Pandemie: Nachfrageminus oder nicht?

Jeder einzelne Marktakteur ist sich inzwischen bewusst, dass die zweite Welle der Corona-Pandemie Realität ist. Doch weiterhin hält sich der Glaube, dass die weltweite Ölnachfrage nicht noch einmal so stark einbrechen wird wie im März und April.

Für diesen verhaltenen Optimismus gibt es durchaus Indizien. Gerade in Asien soll die Ölnachfrage fast wieder auf Vorjahresniveau liegen, der weltweite Flugverkehr hat ebenfalls wieder deutlich zugelegt. Obwohl alle großen Ölimporteure der Welt – allen voran Indien und die USA – momentan mit lokalen Shutdowns gegen Neuinfektionen vorgehen, wird doch deutlich, dass niemand einen zweiten Totalstillstand der Welt will.

Das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Marktsituation klar im Corona-Modus befindet und bewährte Strukturen hinwegfegt. Indien ist eigentlich der drittgrößte Ölimporteur der Welt. Doch direkt zum Monatswechsel musste das Land einen traurigen Rekord vermelden: Mit fast 79.000 Neuinfektionen an einem Tag hat Indien nun den höchsten Wert der gesamten Pandemiegeschichte erreicht. Das öffentliche Leben steht komplett still, Öl wird also kaum noch verbraucht.

Die Gesamtzahl der Infektionen weltweit lag am Monatsende bei mehr als 25 Millionen. Fast 40 Prozent dieser Personen leben in den USA oder Brasilien, Indien liegt prozentual auf Platz drei.

Doch im Vergleich zu Indien scheint die Nachfrage in den USA in kleinen Schritten aus dem Pandemietal zu kommen – trotz der immensen Zahl an Infektionen. Die beiden wöchentlichen Bestandsberichte von API und DOE zeigten im August generell, dass insbesondere der „Mobilitätsfaktor“ Benzin wieder stärker zum Einsatz kommt.

Nicht wenige Marktteilnehmer nahmen diese wöchentlichen Zahlen zum Anlass, an eine vorsichtige Erholung der Nachfrage zu glauben. Die USA haben marktbezogenen Vorbildcharakter und sind einer der deutlichsten Fürsprecher einer offenen Wirtschaft trotz Corona.

Für einen kleinen Sprung in der Ölpreisentwicklung sorgte auch die Meldung, dass Russland einen Impfstoff zugelassen hat und ihn bereits in der Bevölkerung einsetzt. Die positive Überraschung währte nur kurz, da dieser Impfstoff kaum getestet worden ist. Allerdings zeigt dieses Schlaglicht, dass jeder Marktteilnehmer auf irgendeinen halbwegs greifbaren Fakt wartet, dass die Corona-Pandemie endlich beherrschbar wird.

Denn erst dann lohnt es sich überhaupt, den eigenen Investitionshorizont über ein oder zwei Wochen hinaus zu erweitern und zum Beispiel die Monatsberichte und Prognosen von OPEC, IEA und EIA ernst zu nehmen.

Hier lautet der Tenor, dass der Angebotsüberschuss im Laufe des Jahres 2020 abnimmt, was die Ölpreise wenigstens nicht wieder in den Keller schickt. Fraglich bleibt jedoch, ob diese Lücke durch weniger Öl oder mehr Nachfrage geschlossen wird. Hier wichen die Vorhersagen voneinander ab.
 

USA und China: neue Kapitel im Handelsstreit

Für den Zwist zwischen den USA und China bräuchte man inzwischen eine sehr detaillierte Timeline, die immer wieder von Schleifen, Rückschritten und Provokationen geprägt ist. Der August lieferte reichlich neuen Zündstoff:

Einerseits weckten beide Seiten die Hoffnung, dass man die Gespräche zum Handelsabkommen wieder forciert vorantreiben will. Andererseits kündigten die USA an, man wolle chinesische Unternehmen samt bekannter Apps wie TikTok verbieten, weil China aufgrund der Pandemie seinen Vorgaben aus dem Abkommen nicht nachgekommen sei.

Dann hieß es wieder, dass China im August und September mehr Öl von den USA kaufen und damit einen wesentlichen Teil des Abkommens endlich erfüllen wolle.

Während die geplanten Gespräche zwischen Vertretern beider Nationen immer weiter hinausgezögert wurden bzw. keine Ergebnisse brachten, feuerte China zwei Mittelstreckenraketen in das wirtschaftlich heftig umstrittene Südchinesische Meer. Die USA reagierten mit neuen Sanktionen gegen 24 chinesische Unternehmen.

Man könnte unterstellen, dass der Ölmarkt dieses Tauziehen inzwischen als normal empfindet und deswegen kaum noch längerfristig mit Preisabschlägen reagiert. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass der Eindruck der Pandemie derzeit alles beherrscht und die Sorge um einen neuen Handelskrieg dorthin geschoben wird, wo sich derzeit sowieso niemand hinwagt: in die Zukunft.
 

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Was auf dem Ölmarkt im September 2020 wichtig bleibt

Wir starten derzeit in den siebten Monat, in dem nicht nur der Ölmarkt einen Ausweg aus der Pandemie sucht. Es liegt auf der Hand, dass jede Entwicklung zu den Neuinfektionen und Corona-Maßnahmen genauso intensiv bewertet wird wie jede Reaktion der entscheidenden Ölakteure.

Genauso scheint festzustehen, dass jede langfristigere Prognose weiterhin ein Ding der Unmöglichkeit bleibt. Der August hat gezeigt, wie stark der Heizölpreis selbst im Tagesverlauf schwankt.

Darum ist es einmal mehr die richtige Entscheidung, unsere täglichen Heizölnews zu konsultieren und eigene und informierte Entscheidungen zum Heizölkauf zu treffen. Auf unserer Heizölpreisseite können Sie die Entwicklungen wie immer in einer übersichtlichen Kurve nachvollziehen.

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Ricarda Altrichter - Autorin

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