Heizöl Monatsrückblick Juli 2020: Der Ölmarkt ist weiter von der Corona-Pandemie betroffen

Heizöl Monatsbericht für den Juli - die 2. Welle der Coronapandemie

Noch zu Monatsbeginn dominierte der Glaube, die Covid-Pandemie sei langsam unter Kontrolle. Steigende Nachfrage- und robuste Konjunkturwerte machten Hoffnung auf eine baldige wirtschaftliche Erholung. Doch leider zeigte sich schnell: Nichts ist überstanden, die zweite Welle legt gerade erst los.

Im Überblick: der Ölmarkt 2020

  • Januar: Handelsstreit, Spannungen im Nahen Osten und Virusangst sorgen für Ausnahmezustand
  • Februar: Covid-19 breitet sich auf der Welt aus, OPEC+ ringt um Kürzungen
  • März: Covid-Pandemie und Preiskrieg schicken Schockwellen durch den Markt
  • April: Pandemie sorgt für negative Ölpreise und Rekordkürzungen
  • Mai: Pandemielockerungen und Förderkürzungen befeuern Ölnachfrage
  • Juni: Weitere Lockerungen treiben Nachfrage wieder an – Infektionen bleiben hoch
     

Heizölpreisentwicklung im Juli 2020 im Überblick

Die Heizölpreisentwicklung im Juli 2020 im Überblick // Alle Angaben ohne Gewähr // © TOTAL


Kompakt informiert: die wichtigsten Entwicklungen für den Ölmarkt im Juli 2020

  • Drastischer Anstieg der Neuinfektionen – zweite Welle trifft insbesondere USA
  • Wirtschaftsleistungen fallen dramatisch
  • OPEC+-Gruppe beschließt Förderquotenanhebung ab August

Zunächst schien es im Juli endlich voranzugehen: Zahlreiche Länder lockerten ihre Pandemiemaßnahmen deutlich, die Reisetätigkeit und das öffentliche Leben nahmen wieder Fahrt auf. Das ließ sich direkt in den Veränderungen der Ölnachfrage, in den Konjunkturdaten aus Europa oder den USA sowie in den US-Bestandsveränderungen laut API und DOE ablesen.

Doch trotz des zunehmenden wirtschaftlichen Schwungs agierte der Markt weiterhin auffällig vorsichtig – und sollte recht behalten. Denn es wurde schnell klar, dass die Pandemie noch lange nicht vorbei ist.

Die USA sind inzwischen eines der Symbole für die Realität der zweiten Welle. Noch am 30. Juni lag die Zahl der täglichen Neuinfektionen bei rund 46.000. Exakt einen Monat später war diese Zahl auf rund 64.000 angeschwollen. Auch andere wichtige Ölmärkte wie Indien meldeten einen traurigen Rekord nach dem anderen.

Immer mehr Länder nahmen ihre Lockerungen zurück, mangels übergreifender Regierungsstrategie geschah dies in den USA bundesstaatenweise. Es ist der besondere Charakter dieser Pandemie, dass alles im Zeitraffer geschieht: Die Auswirkungen der neuen Schutzmaßnahmen auf die Nachfrageentwicklung und die Konjunktur ließen nicht lange auf sich warten.

Zum Monatsende mussten sowohl die USA als auch Deutschland einen historischen Rückgang der Wirtschaftsleistung im Quartal melden. Das schickte die Ölnotierungen und den Heizölpreis zwar in einen Abwärtstrend, doch ein neuerlicher Preisschock blieb aus. Noch wirkten die Rekordkürzungen der OPEC+-Gruppe, noch gab es genug Länder, die weiterhin der Krise trotzten.
 

OPEC+ will im August mehr produzieren – doch für wen?

Schon früh im Juli verdichteten sich die Hinweise, dass die OPEC+-Gruppe ihre Rekordkürzungen im August eindampfen wird. Die künstliche Zurückhaltung trug kontinuierlich zu einer Preisstabilisierung bei, auch die Quotentreue von 107 Prozent brachte Ruhe in die Ölpreise. Doch es war abzusehen, dass sich die ölproduzierenden Länder ihren Anteil an einem immer fragileren Markt sichern wollen.

Gerade Saudi-Arabien stand dabei einmal mehr im Fokus. Das Land soll Abweichlern von der Kürzungsvereinbarung wie Angola, Nigeria und Irak mit einem zweiten Preiskrieg gedroht haben, wenn sie nicht endlich ihre Quoten erfüllen. Außerdem trug Saudi-Arabien einmal mehr einen wesentlichen Teil der Angebotsbegrenzungen. Insbesondere angesichts der steigenden Nachfrage war ein Kurswechsel vorhersehbar.

Es war also kaum überraschend, dass die OPEC+-Gruppe unter Führung Saudi-Arabiens im Juli Fördersteigerungen für August ankündigte. Der Markt zeigte sich zunächst gelassen und rechnete nach: Erstens war dieser Fakt kein Geheimnis, zweitens ist die Förderzunahme unterm Strich doch nicht so gravierend.

Generell sollen 1,9 Mio. Barrel pro Tag mehr gefördert werden. Gleichzeitig müssen die genannten Abweichlerstaaten ihre Förderquotenbegrenzungen nachträglich erfüllen. Dazu haben sie bis September Zeit. Sollten sie sich daran halten, schrumpft das Förderplus auf nur noch 1,1 Mio. Barrel. Die Gesamtkürzungen liegen dann bei immer noch rund 8,5 Mio. B/T.

Doch diese gelassene Rechnung verlor Richtung Monatsende deutlich an Überzeugungskraft. Mit jeder neuen Rekordzahl zu globalen Infektionen und den neuen Restriktionen wurde deutlich, dass die Erholung der Ölnachfrage vorerst nur ein Zwischenspiel ist.

Deshalb stellten Experten und Marktteilnehmer zunehmend lauter die Frage, ob die Quotenanhebungen voreilig sind und die Preiskurven in eine erneute Talfahrt schicken werden. Bisher hat das Ölkartell darauf nicht reagiert – zumal der August gerade erst begonnen hat. Doch die Frage, wie viel Angebot der Markt aktuell verträgt, wird zunehmend drängender.
 

USA im Fokus: Pandemiereaktionen und neue Spannungen mit China

Noch zu Monatsbeginn schien die schnelle Öffnung der amerikanischen Wirtschaft eine sinnvolle Entscheidung gewesen zu sein. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich erstaunlich robust, die Nachfrage nach Benzin legte wieder sichtbar zu. Auch die Raffinerieauslastung machte deutlich, dass sich Amerika mit voller Kraft an die wirtschaftliche Erholung macht.

Es schien, als wollten gerade die Marktteilnehmer daran glauben, dass die Nation die Entwicklung der Pandemie trotz hoher Neuinfektionen im Griff hat und mit dem richtigen Maß an Selbstbewusstsein aus der Krise steuert.

Leider machten insbesondere die bevölkerungsreichsten Bundesstaaten Texas, Kalifornien und Florida diese Hoffnung schnell zunichte. Gerade hier stiegen die Zahlen nach den Lockerungen sprunghaft an, die USA führen inzwischen alle globalen Listen an – bei den Neuinfektionen, den Gesamtzahlen und auch den Toten.

Weil es an einer übergeordneten Strategie des Weißen Hauses fehlte, setzten einzelne Bundesstaaten nach und nach neue Pandemiemaßnahmen durch und nahmen demzufolge Faktoren für den wirtschaftlichen Aufschwung wieder zurück.

Seitens der Regierung wurde zumindest über ein weiteres finanzielles Hilfspaket diskutiert, das den vorherigen Beschluss noch einmal um viele Milliarden übersteigen sollte. Dieser Impuls war wichtig, doch bisher gab es hier keine Einigung.

Gleichzeitig erhielt auch der schwelende Konflikt mit China neue Nahrung. Washington und Peking zwangen sich gegenseitig zum Schließen von Konsulaten im jeweils anderen Land – eine Reaktion auf das Sicherheitsgesetz für Hongkong. Auch verhängten die USA Sanktionen für Hongkong. Die Sorge, dass dieser Streit erneut auf wirtschaftlicher Ebene eskaliert, wächst. Neue Handelszölle kämen natürlich zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Allerdings haben die USA momentan genug Binnenprobleme, gegen die sie erst einmal eine Strategie entwickeln müssen. Der Streit mit China wird hier fast zur Fußnote. Auch China muss den Blick derzeit nach innen richten, nachdem auch hier die scheinbar kontrollierte Pandemie einmal mehr an Kraft gewonnen hat. Neue Lockdowns und eine sinkende Ölnachfrage des größten Importeurs der Welt brachten den Optimismus im Juli ebenfalls deutlich ins Wanken.
 

Europa zeigt geeintes Gesicht bei wirtschaftlicher Stabilisierung

Die Washington Post urteilte jüngst, dass sich das Kräfteverhältnis zwischen den USA und Europa inmitten der Pandemie verschoben und Europa den „Spieß umgedreht“ habe. Diese Aussage bezieht sich auf das beispiellose Hilfspaket, auf das sich die Union im Juli einigen konnte. Über 360 Milliarden Euro an Krediten und 390 Milliarden Euro an Zuschüssen sollen helfen, die Auswirkungen der Pandemie abzufedern.

Dieser Beschluss konnte zwar die tatsächlichen Folgen für die Wirtschaftsleistung vorerst nicht auffangen, doch allein die Einigkeit und die schiere Geldmenge reichten als wichtiges Signal aus. Der Euro notiert derzeit so stark wie zuletzt Ende 2018.

Nachdem Europa vor der Pandemie gegenüber den USA immer stärker an Kraft verloren hatte, liefert dieser Schritt nun eine Balance, die vom Markt sehr genau beobachtet wird. Denn während das BIP der USA im zweiten Quartal ganze 33 Prozentpunkte verlor, waren es in Deutschland als führendem EU-Wirtschaftsraum „nur“ rund 11 Prozent.

Es gibt einige Analysten, die darin eine Neuausrichtung globaler Dominanzen sehen, die sich langfristig auch auf das politisch-wirtschaftliche Gebaren der USA auswirken könnte – was wiederum einen enormen Einfluss auf die zukünftige Ölpreisentwicklung entfalten könnte.
 

Weitere News in Kürze

  • Meteorologen sagen überdurchschnittliche Hurrikan-Saison in den USA voraus
  • Libysche Ölanlagen erneut von Haftar-Truppen besetzt
  • US-Notenbank Fed tastet derzeitigen Zinssatz nicht an
  • Oxford-Studie macht Hoffnung auf einen Impfstoff
  • EIA sagt weiter sinkende US-Schieferölproduktion voraus
  • Saudi-Arabien senkt Lieferpreise für September

 

Was auf dem Ölmarkt im August 2020 wichtig bleibt

Der Juli kann als neuer Wendepunkt im globalen Pandemieverlauf angesehen werden. Der August dürfte zeigen, ob die Rolle rückwärts vieler Staaten positive Effekte auf die Infektionen hat oder nicht. Alles andere – von den Anhebungen der Förderquoten durch die OPEC bis hin zu einem möglichen Hilfspaket in den USA – muss sich an diesen Infektionskurven messen lassen.

Es wäre illusorisch, an der Hoffnung auf einen flächendeckenden und ungestörten Aufschwung der Wirtschaft festzuhalten. Dieser Einschätzung folgt inzwischen auch der Markt. Doch der immer noch erstaunlich stabile Kurvenverlauf zeigt auch, dass die Marktteilnehmer aus den Panikreaktionen im März gelernt haben und nun mit kühlem Kopf und vorsichtigem Tritt an ihre Investitionsentscheidungen gehen.

Was das für jeden einzelnen Handelstag und den Heizölpreis im August konkret bedeutet, erfahren Sie wie immer in unseren täglichen Heizölnews. Den besten Zeitpunkt für das Auffüllen Ihres Heizöltanks können Sie über unsere Heizölpreisseite festlegen.

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