Flughafen Berlin-Tempelhof - ein Hangar voll Wärme

In den 80 Jahren seit seiner Erbauung wirkte auch TOTAL in einem Kapitel des ehemaligen Flughafens Tempelhof mit. | 26.06.2019

Es ist ein Gebäude der Superlative. Das größte Baudenkmal Europas, Schauplatz der Luftbrücke. Der Architekt Sir Norman Foster nannte es die „Mutter aller Flughäfen“ – gemeint war Berlin-Tempelhof. Ein Spaziergang durch mehr als 80 Jahre Luftfahrtgeschichte, in der auch TOTAL eine Rolle spielte.

Draußen kratzt das Thermometer bereits an der Marke von 30 Grad Celsius, während meine Kollegin Kerstin und ich vor Turm 9 des imposanten Flughafengebäudes in Berlin-Tempelhof stehen. Wir stellen uns in seinen Schatten und blicken an der Fassade hoch, die mehr als 20 Meter in den Himmel ragt. Der Flughafen Tempelhof ist ein äußerst geschichtsträchtiger Ort, über den auch in der jüngeren Vergangenheit viel debattiert wurde – doch dazu später mehr. Ein Mitarbeiter der Tempelhof Projekt GmbH holt uns vom vereinbarten Treffpunkt ab, denn wir sind zu einer kurzen Führung verabredet. Seit 2011 kümmert sich die Firma um die Instandhaltung und Nachnutzung des Flughafens, der im Jahr 2008 stillgelegt wurde.
 

Erste Schritte der zivilen Luftfahrt

Das Tempelhofer Feld, auf dem das Flughafengebäude in seiner heutigen Form gebaut wurde, war ursprünglich ein Exerzierplatz. Doch Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts machte die Luftfahrt enorme Fortschritte, sodass man bereits zu Beginn der 1920er-Jahre einen ersten Flugplatz auf dem heutigen Gelände errichtete. Schnell stand genügend Kapital für den Ausbau des Geländes bereit. Im ersten Bauabschnitt begann man ab 1924 damit, einige Flächen des Tempelhofer Feldes zu planieren. Im Anschluss baute man jeweils drei Flugzeughallen im Westen und Osten sowie daneben eine Abfertigungshalle, eine Funkstation und den Scheinwerferturm. Drei Jahre später war der erste Bauabschnitt abgeschlossen. Weltweit war der Flughafen Tempelhof zu dieser Zeit der einzige mit einer U-Bahn Anbindung. Die damalige Station Flughafen, liegt auch heute noch auf der Linie 6 und wurde später in Paradestraße umbenannt.

Der Flugverkehr nahm im weiteren Verlauf des Jahrzehnts stark zu, weshalb das Abfertigungsgebäude in einem zweiten Bauabschnitt erweitert wurde. Man schuf zudem eine bessere Infrastruktur für die Passagiere, da sowohl ein Hotel, ein Restaurant, eine Terrasse und zwei weitere Gasträume Platz in dem erweiterten Gebäude fanden.
 

Umbruch und Neubau – das heutige Flughafengebäude

Doch all diese Maßnahmen reichten nicht, um dem stetig wachsenden Luftverkehrsaufkommen gerecht zu werden. Zwischen 1936 und 1941 entstand deshalb unter der Leitung des Architekten Ernst Sagebiel das Flughafengebäude, wie man es heute kennt – und zwar während der alte Flughafen aus der ersten Bauphase in Betrieb blieb.

Blick auf das Vorfeld, von dem nach rechts und links die Hangars abgehen. // Foto: Pim Menkveld, Unsplash

Die heutigen Dimensionen sind gewaltig. Mit einer Fläche von mehr als 300.000 Quadratmetern auf bis zu neun Etagen und mehr als 7300 Räumen war es zeitweise das flächengrößte Gebäude der Welt. Auch das Flugfeld davor,  wurde im Zuge des Neubaus erweitert und erstreckt sich seitdem auf einer Fläche von vier Quadratkilometern. Komplett fertiggestellt wurde das Gebäude allerdings erst in den 1950er und 60er-Jahren, als der Flughafen durch den Mauerbau für die westlichen Alliierten neue Relevanz erlangte.

Im Rahmen des Volksentscheids am 25. Mai 2014 hat sich die Mehrheit der Berliner gegen eine Bebauung des Tempelhofer Feldes ausgesprochen. Nach dieser Entscheidung wurden das Gebäude und das Tempelhofer Feld voneinander getrennt.
 

Ein Blick in die Haupthalle

Seit der Schließung hat sich im Flughafengebäude selbst offenbar wenig geändert. Kerstin und ich laufen durch die Haupthalle. Ursprünglich hatte sie eine Deckenhöhe von 19 Metern – wurde aber aufgrund von Kriegsschäden auf 15 Meter abgehängt. Dennoch braucht man nicht viel Fantasie, um sich in die Zeiten des regen zivilen Flugverkehrs der Vor- und Nachkriegszeit zurückzuversetzen. Dezente Eleganz wurde hier mit dem damals neuesten Stand der Technik gepaart. Die Schalter und Förderbänder stehen noch immer in der Halle, als warteten sie auf die nächsten Passagiere. Geschwungene Neon-Leuchtschrift zeigt den Weg zum Restaurant. Die Atmosphäre vermittelt, dass das Flughafengebäude in einer Zeit entstanden ist, in der es noch exklusiv war, mit dem Flugzeug zu reisen.
 

In der Haupthalle hat sich seit der Stillegung wenig verändert. // Foto: Felix Schmidt, TOTAL

Gewaltige Hangars als Multifunktionstalente

Wir treten durch die Gateways nach draußen und blicken über das betonierte Vorfeld in die Hangars. Hier wurden die Flugzeuge gewartet und repariert. Unterhalb des offenen Vordachs kamen zudem die Passagiere an. Als erster Flughafen weltweit trennte man in Tempelhof die Passagiere von ihrem Gepäck. Bis dato nahm man sämtliche Koffer in die Kabine. In Tempelhof verfolgte man ein anderes Konzept und schuf somit für die Reisenden einen komfortablen, fließenden Übergang. Die symbiotische Verbindung zwischen Flughafengebäude, Passagier, Gepäck und Flugzeug wurde von Anfang an mitgeplant.  

Doch zu Kriegszeiten wurde auch das normalerweise offen gehaltene Vordach geschlossen. Zwangsarbeiter montierten und reparierten in dem 1,2 Kilometer langen, bogenförmigen Gebäudeabschnitt Flugzeuge.

Heute werden sowohl das Gebäude, als auch das Vorfeld durch zahlreiche Mieter und Events belebt. So befindet sich in einem Abschnitt zum Beispiel das Polizeipräsidium. Auch eine Universität ist in das Flughafengebäude eingezogen. Außerdem werden die Räumlichkeiten durch den historische Silverwings Club, Probenräume für Künstler, eine Tanzschule und Multimedia Unternehmen genutzt. Vor einigen Tagen zog auch das CityLAB des Landes Berlin in die Räume des ehemaligen Offizierscasinos am Platz der Luftbrücke ein.

Die Gateways ziehen sich bogenförmig entlang des gesamten Hauptgebäudes // Foto: Felix Schmidt, TOTAL

Wir laufen weiter entlang der lichtdurchfluteten Gateways. Über einige Jahre lockten die riesigen Hangarflächen zahlreiche Modebegeisterte an, denn die „Bread&Butter“ hatte den Flughafen Tempelhof zu ihrem Standort auserkoren. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs laufen dort gerade die Vorbereitungen für die jährliche Formula-E, ein weltweites Race-Event, das buchstäblich elektrisiert. Bereits zum dritten Mal heizen die Supersportler über die Rennstrecke. Das komplette Vorfeld wird dafür genutzt – insgesamt etwa 35 Hektar. Hinzu kommt noch der überdachte Teil. Nicht nur die Formula-E fand 2019 bereits auf dem betonierten Vorfeld statt, sondern auch andere Sportveranstaltungen wie z.B. die „Halbmarathon Expo“ und „Berlin fliegt“.
 

Der Flughafen als Ankunftszentrum für Geflüchtete

Wir blicken über die Rennstrecke hinaus und sehen einen weißen Zaun, der eine Containersiedlung vom Rest des Feldes abgrenzt. Zwischen 2015 und 2016 war der Flughafen zu einem Ankunftszentrum für Flüchtlinge umfunktioniert worden. 1200 Menschen wohnten dort zu Hochzeiten. Zuvor wurden die Hangars als Notunterkunft genutzt und mit bis zu 3000 Flüchtlingen belegt.

Die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und Medizin erforderte große Anstrengungen. Sogar die Charité hatte eine Außenstelle eingerichtet. TOTAL übernahm in dieser Zeit die Wärmeversorgung. Keine leichte Aufgabe – denn vor 80 Jahren hatte man die Hangars so konzipiert, dass sie für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten von Flugzeugen optimiert waren, nicht für die Beherbergung von Menschen.

Um in Bodennähe auch im Winter eine Temperatur von etwa 20 Grad Celsius halten zu können, mussten Warmluftgebläse aufgestellt werden, die trotz vergleichsweise milder Temperaturen auf Hochtouren liefen.
 

Die logistische Meisterleistung – 70 Jahre Luftbrücke

Als die Sowjetunion West-Berlin in den Jahren 1948 und 1949 blockierte, konnte die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern aus Westdeutschland über drei Luftkorridore gesichert werden. Noch immer steht auf dem Flugfeld eine Maschine vom Typ Douglas C-54, die damals zum Einsatz kamen. Während des Anfluges warfen die alliierten Piloten Süßigkeiten an selbstgebastelten Fallschirmen aus den Fenstern.

Ein Rosinenbomber steht noch heute auf dem Vorfeld // Foto: Pavel Necoranic, Unsplash

So prägte sich der Begriff „Rosinenbomber“ ein, der die Herzen vieler Berlinerinnen und Berliner eroberte. Zeitweise wurde der Flughafen Tempelhof im 90-Sekunden-Takt angeflogen. Es war ein Kräftemessen zweier Systeme. Pro Tag erreichten mehrere tausend Tonnen Güter West-Berlin, allen voran Heiz- und Baumaterial aber auch Lebensmittel. Unter großen Gefahren für Leib und Leben waren zehntausende Menschen an der Organisation und der Aufrechterhaltung der Luftbrücke beteiligt. Anders als heute, war damals nicht alles sicher in Containern verstaut. Die Fracht kam in einzeln, in Kisten oder Säcken und musste sehr schnell ausgeladen werden, während die Helferinnen und Helfer durch die Schrecken der Kriegsjahre geschwächt waren.

In diesem Jahr feierte die Stadt Berlin das 70-jährige Jubiläum der Luftbrücke mit dem „Fest der Luftbrücke“. Mehr als 50.000 Besucher und u.a. Gail Halvorsen, der ehemalige Pilot der United States Air Force, der während der Berliner Luftbrücke auch Süßigkeiten für die Kinder abwarf, waren vor Ort.
 

Was bringt die Zukunft?

In den letzten Jahren des Flugbetriebs sind mit Blick auf die bevorstehende Schließung keine umfangreichen Renovierungsarbeiten mehr durchgeführt worden. Die Tempelhof Projekt GmbH möchte das nun ändern und das Flughafengebäude von Grund sanieren und fit für die Zukunft machen – immer in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde. Die Liste ist lang und reicht von Dach- und Fassadenarbeiten, über Fragen der Energieversorgung, bis hin zur Statik. Allein das Trinkwassernetz bringt es auf eine Länge von 26 Kilometern.

Künftig soll das Flughafengebäude zu einem Quartier für Kunst, Kultur und Kreativität werden. Am Öffnungsprojekt „Tower THF und Kopfbau West“ wird kräftig gearbeitet. Die Fertigstellung ist für Anfang 2021 geplant. Die 1,2 Kilometer lange Dachgalerie soll mit einem modernen Ausstellungskonzept informieren und zum Verweilen auf der Dachterrasse der Dachgalerie in einem Restaurant einladen. Zudem wird mit der Eröffnung des Besucherzentrums Ende des Jahres neben dem Haupteingang des Flughafengebäudes eingeladen, Führungen zu buchen, Ausstellungen zu besuchen und alle Informationen zu Geschichte und Zukunft des Flughafens abzuholen.

Das Luftbrücken-Denkmal befindet sich unmittelbar vor dem Haupteingang des ehemaligen Zentralflughafens // Foto: Felix Schmidt, TOTAL

Beeindruckt von der Historie dieses Ortes verlassen wir den ehemaligen Flughafen Tempelhof über den Platz der Luftbrücke. Zum Abschied grüßt das dazugehörige Denkmal, das die Berliner augenzwinkernd „Hungerharke“ nennen. Egal, wie es mit dem Flughafengebäude weitergeht – ein Besuch lohnt sich jetzt schon.

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Felix Schmidt – Autor

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