Corona und die Ölmärkte - So setzte sich der Heizölpreis im April 2020 zusammen

Heizölpreiszusammensetzung im April 2020

Der April war in jeder Hinsicht ein geschichtsträchtiger Monat für die Ölmärkte. Von Preiskämpfen ging es über Rekordexporte zu Nachfragetiefs und Negativpreisen – eine Achterbahnfahrt für Analysten und Endverbraucher. Wie genau wirkten sich diese Effekte auf die Heizölpreiszusammensetzung aus?

Welche Faktoren bestimmen den Heizölpreis?

Der Rohölpreis ist, neben dem Preis für Gasoil und der europäischen Ölsorte Brent, der Dreh- und Angelpunkt für die Bestimmung des Heizölpreises. Während das Jahr für den Handel mit Rohöl durch die Corona-Pandemie bereits holprig startete, wurde es im Frühling regelrecht turbulent. Im vergangenen Monat berichteten wir beispielsweise über die Zäsur an den Ölmärkten. Erstmals in der Geschichte rutschte der Preis für die amerikanische Rohölsorte WTI aufgrund des Monatswechsels bei Termingeschäften und einer massiv eingebrochenen Nachfrage ins Negative. Anbieter mussten also Geld drauflegen, um Abnehmer zu finden – ein Weckruf für die US-Energiebehörde.

Auch das Ringen um Produktionskürzungen sorgte insbesondere unter den OPEC + Mitgliedern für Zwists. Angesichts der Tatsache, dass die Nachfrage nach Rohöl aufgrund der global verhängten Ausgangsbeschränkungen historische Tiefs verzeichnete, sah sich das Ölkartell gezwungen, Maßnahmen zu ergreifen, die das Überangebot entlasten sollten. Einem eigens vereinbarten Sondertreffen der OPEC+ Mitglieder zu Beginn des vergangenen Monats war auch ein Preisstreit zwischen den USA, Saudi-Arabien und Russland vorausgegangen.

Innerhalb kurzer Zeit, als das Ausmaß der Pandemie für die Ölmärkte besser greifbar wurde, sind die großen ölproduzierenden Länder jedoch ein Stück zusammengerückt. Die OPEC+ Mitglieder beschlossen Rekordkürzungen, deren Wirkung angesichts der eingebrochenen Ölnachfrage allerdings verpufften. Unabhängige Förderer, darunter Norwegen, Brasilien und Kanada haben ihre Produktion ebenfalls heruntergefahren – und selbst in den USA ist die Produktion von den Unternehmen eigenständig eingekürzt worden. Die Prognosen der Weltbank und der IEA hinsichtlich des Rückgangs des Wirtschaftswachstums und der Ölpreisentwicklung verdeutlichen: Diese Krise ist nicht von heute auf morgen überwunden, es wird dauern bis die Ölmärkte wieder in ruhigerem Fahrwasser segeln.

Das bedeutet, dass auch die weltweiten Lagerkapazitäten weiterhin einer Belastungsprobe unterzogen werden. Zwischenzeitlich hatte Südkorea gemeldet, dass seine kommerziellen Lager voll sind und es somit keinen Platz mehr für Ölimporte gibt. Auch in den USA sind die Lager praktisch randvoll. Große Mengen sind inzwischen auf Öltanker im Meer ausgelagert worden - und eine Lieferung saudischen Öls, die offenbar vergessen wurde, hatte angesichts ausgelasteter Kapazitäten für große Aufregung gesorgt. Zuletzt, so scheint es, hat sich die Lage durch einsetzende Corona-Lockerungen etwas entspannt.

Trotz dieser Achterbahnfahrt gibt es einen klaren Gewinner: Betreiberinnen und Betreiber einer Ölheizung dürften sich derzeit über die Langzeittiefs der Heizölpreise freuen – ein Aufstocken der Vorräte für den Winter ist zurzeit besonders günstig.
 

Die Preisbestandteile auf einen Blick

Die Volatilität des Marktes lässt erkennen, warum es so schwierig ist, die künftige Preisentwicklung zu prognostizieren. Nur rückwirkend kann man die einzelnen Bestandteile des Heizölpreises trennscharf bestimmen. Aktuelle Zahlen hierzu gibt der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) in regelmäßigen Abständen heraus. So kostete ein Liter Heizöl im April 2020 durchschnittlich 52,71 Cent. Davon entfielen mit 19,34 Cent fast 37 Prozent auf den Einkaufspreis.

Heizölpreiszusammensetzung im April 2020 // Alle Angaben ohne Gewähr

Mit 18,82 Cent und einem Anteil von knapp 36 Prozent folgt der Deckungsbeitrag. Den drittgrößten Anteil macht die Mehrwertsteuer aus. Sie belief sich auf 8,42 Cent pro Liter Heizöl, was etwa 16 Prozent entspricht. Schließlich bleibt die Mineralölsteuer in Höhe von 6,14 Cent, was einem Anteil von 11 Prozent entspricht.
 

Kurz erklärt: Was bedeuten die Preisbestandteile?

  • Produktpreis: Einkaufspreis für Mineralölhändler. Er unterliegt den im ersten Absatz beschriebenen Schwankungen.
     
  • Mehrwertsteuer: Gesetzlich festgelegte Steuer in Höhe von 19 Prozent auf den Nettopreis, welcher sich aus Produktpreis, Energiesteuer und Deckungsbeitrag zusammensetzt. Hier beträgt der Anteil lediglich 16 Prozent, da er sich auf den Bruttopreis bezieht.
     
  • Mineralölsteuer: Gesetzlich festgelegte Steuer für leichtes Heizöl, zurzeit 6,14 Cent pro Liter.
     
  • Deckungsbeitrag: Beinhaltet beispielsweise die Transport- und Lagerkosten sowie Kosten für Vertrieb, Verwaltung und das Hinzufügen von Additiven.
     

Schon ans Auftanken gedacht?

Durch die Corona-Pandemie sind die Heizölpreise auf ein Langzeittief gefallen. Derzeit, so scheint es, erholen sich die Märkte langsam wieder – auch durch die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen. Halten Sie sich deshalb über die aktuellen Heizölpreise auf dem Laufenden – aktuell ergeben sich für Sie unter Umständen günstige Kaufzeitpunkte. Informationen, die Ihnen dabei helfen, einen günstigen Kaufzeitpunkt zu bestimmen, finden Sie auf unserer Website. Den Preis behalten Sie mit unseren Heizöl-News im Blick. Alternativ können Sie auch einen Wunschpreis einrichten. Dann benachrichtigen wir Sie, sobald der von Ihnen eingetragene Preis erreicht ist.

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