Mineralöl: Ein Rohstoff, viele Möglichkeiten

Mineralöl schafft mehr als Mobilität. Foto: B&M Noskowski, iStock

Eines möchten wir Ihnen direkt zu Beginn nicht vorenthalten: Mineralöl steckt in nahezu allen Produkten, die wir in unserem täglichen Leben benutzen. Wir zeigen, wie vielseitig der Rohstoff eingesetzt werden kann und warum wir (noch) nicht auf ihn verzichten können.

Die Reise beginnt

Ein neues Ölfeld wird in der Regel mit Hilfe von seismischen Messungen lokalisiert. Es kann entweder auf dem Land oder aber offshore, also vor Küsten und in der Tiefsee liegen. Je nach Lage kommen bei der Förderung unterschiedliche Techniken zum Einsatz. So gelangt der Rohstoff durch Gesteins- und Sandschichten hindurch an die Oberfläche.

Kaum oben angekommen folgt der Transport in die Raffinerie, denn Rohöl kann unverarbeitet noch nicht genutzt werden. Meistens kommen dabei Schiffe zum Einsatz. Aber auch Pipelines auf dem Land und zu Wasser sind wichtige Bestandteile des Transportwegs.

Erst in der Raffinerie startet die Weiterverarbeitung. Sie wandelt das Rohöl in unterschiedliche Produkte um, die für uns im Alltag unentbehrlich sind. Die Grundlage hierfür bildet die Destillation, also die Aufspaltung des Öls in verschiedene Bestandteile. Dazu muss es zunächst erhitzt und dann wieder abgekühlt werden. Auf unterschiedlichen Stufen kondensieren die im Rohöl enthaltenen Stoffe und können so voneinander getrennt werden. Anschließend kommen bestimmte Additive hinzu, welche die Eigenschaften des jeweiligen Endproduktes verbessern. Für Heizöl sind das beispielsweise Farbstoffe, Lagerstabilisatoren oder Fließverbesserer. Für Kunststoffe werden bestimmte Weichmacher eingesetzt.

Mineralöl im Wärmesektor: Für ein warmes Zuhause.

Rund 20 Millionen Menschen bringen ihre vier Wände im Winter mit Heizöl auf die richtige Temperatur. Gleichzeitig ist der Heizölverbrauch in den letzten Jahren deutlich zurück gegangen. Nun liegt das aber nicht zwangsläufig daran, dass die Ölheizung an Popularität verloren hat. Vor allem in ländlichen Gebieten nutzen Eigenheimbesitzer nach wie vor die bewährte Technik.

Ein warmes Zuhause dank Heizoel ©Jacob Lund, iStock

Das hat mehrere Gründe: Erstens sind Ölheizungen mittlerweile hocheffizient. Dadurch steigt die Energieausbeute bei gleichzeitig sinkendem Verbrauch. Zweitens stehen die Heizölpreise in den letzten Jahren auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Daher lohnt sich der Einbau einer neuen Ölheizung auch finanziell. Drittens ist die Technik ausgereift und sehr zuverlässig. Vor allem moderne Brennwertheizungen sind zukunftsweisend ausgestattet, da sie  - beispielsweise im Rahmen einer Modernisierung – mit einer Solaranlage verbunden und so zu einem Hybridheizsystem ausgebaut werden können. Sie ermöglichen Hausbesitzern an der Energiewende mitzuwirken und stellen eine bezahlbare Wärmeversorgung sicher.

Mobilität im Alltag – ohne Öl läuft nichts.

Wir pendeln zur Arbeit in die nächste Stadt, fahren am Wochenende zu Freunden und fliegen in den Urlaub. Mobilität bedeutet Freiheit – auch wenn sie in Deutschland mittlerweile schon selbstverständlich geworden ist.

Dennoch gilt: Bis heute geht im Transportsektor nichts ohne Mineralöl. Jährlich verbrauchen wir davon mehr als 100 Millionen Tonnen in unserem Land. Und ohne sich mit dem Thema näher beschäftigt zu haben, denken wir spontan an den eigenen Straßenkreuzer vor der Haustür, der uns diese Mobilität ermöglicht. Zurecht! Deutschland ist eine Automobilnation. Auf den Transportsektor entfallen laut Chemieverband VCI immerhin 60 Prozent des Mineralölverbrauchs. Dazu gehört neben Benzin, Diesel und Kerosin auch Bitumen, das beispielsweise als Straßenbelag zum Einsatz kommt.

Mineraloel schafft mehr als nur Bewegung ©B&M Noskowski, iStock

Der Wandel zu alternativen Antrieben geschieht nicht von heute auf morgen. Deshalb kann der überwiegende Teil unserer Mobilitätsanforderungen derzeit nur durch Mineralöl bezahlbar gedeckt werden. Umso wichtiger ist deshalb das Thema der Effizienz. Sparsamere Motoren, Hybridtechnik und Biokraftstoffe helfen beim Übergang in eine Zukunft mit reduziertem Mineralölverbrauch.

Vom Smartphone in der Hand bis zur Zahnbürste im Mund

Nehmen Sie sich einen kurzen Moment, schauen Sie sich um und suchen Sie nach Gegenständen, die zumindest teilweise aus Kunststoff bestehen. Schnell wird klar, dass wir in unserem täglichen Leben praktisch überall mit Kunststoffen in Berührung kommen. Für deren Herstellung verwendet die chemische Industrie Leichtbenzin, sogenanntes Naphtha, das aus der Destillation von Mineralöl gewonnen wird.

So eignet sich Polyurethan für  Schaumstoffe in Matratzen und Polstermöbeln. Rund 60 Liter Mineralöl braucht man beispielsweise im Schnitt zur Herstellung einer Couch. In Folien, PET-Flaschen, Staubsaugern, Computergehäusen und weiteren Produkten aus thermoplastischen Kunststoffen findet sich Polyethylen wieder. Kunstfasern für T-Shirts oder Strümpfe können aus Polyamid hergestellt werden. Die Liste ließe sich beliebig weiterführen: Vom Spielzeug bis zur Aspirin-Tablette, vom Smartphone bis zur Zahnbürste.

Mineraloel steckt in vielen Alltagsgegenstaenden ©Vasyl Dolmatov, iStock

Mineralöl steckt - zumindest als Zwischenprodukt - in vielen Gegenständen, die wir in unserem Alltag brauchen. Auch hier arbeiten verschiedene Industriezweige zusammen, um den Mineralölverbrauch bei Produktionsprozessen zu reduzieren. Außerdem kann jeder einzelne etwas tun – beispielsweise durch bewusstere Kaufentscheidungen.

Ein Blick in die Zukunft

Eines lässt sich also nicht abstreiten: Kaum ein anderes Naturprodukt ist so vielseitig wie Mineralöl. Zwar wird in vielen Bereichen an Alternativen gearbeitet, bisher ist es jedoch nicht möglich, den Rohstoff komplett zu ersetzen. Somit werden wir auch in Zukunft immer wieder mit Gegenständen in Berührung kommen, die es ohne Mineralöl nicht gäbe. Ein sorgsamer und effizienter Umgang mit dem Rohstoff sollte deshalb an erster Stelle stehen.