Heizölpreise: Verschärft sich die Versorgungslage wieder?

8. August 2018, Peter Dudda

Heizölpreis zur Wochenmitte stabil 08.08.18

Nach Prognosen der US-Energy Information Administration könnte sich die knappe Versorgungslage in diesem Jahr weiter verschärfen. Die US-Bestände sind nach API, zumindest was die Rohölbestände angeht derweil rückläufig. Hier gibt’s die Auswirkungen auf die Heizölpreise.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • EIA prognostiziert knappe Versorgungslage
  • API-US-Bestandsdaten: Rohölbestände nehmen ab, Produkte legen zu
  • Brent bei 74,64 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 660,50 US-Dollar
  • Euro steigt auf 1,1615 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt nur leicht auf 71,22 Euro / 100L
     

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung
 

 EIA-Prognose: Unterversorgung der Märkte bis Ende des Jahres
Ölproduktion Saudi Arabiens geringer als gedacht
 Starker Bestandsabbau im US-Öllager Cushing
 Iran führt militärische Übungen in Seestraße Hormuz durch
 China investiert in die Infrastruktur
 Produktionsschwierigkeiten in Kanada bis September
 Steigende Ölproduktion in OPEC-Staaten begrenzt Reservekapazitäten

 API meldet gesunkene Rohölbestände bei gestiegenen Produktbeständen
Inkrafttreten erster US-Sanktionen gegen Iran
 Iran kritisiert OPEC-Produktionsausweitungen
 Einvernehmliches Ergebnis im Handelsstreit zwischen USA und EU

 China verhängt Strafzölle auf US-Öl-Importe
 Spekulationen um neuerliche OPEC-Produktionsausweitung
 Saudi-Arabien senkt Preise für September-Lieferungen
 EIA: US-Ölförderung wird im Juli und August stark steigen
 Wachstum der globalen Ölnachfrage verlangsamt sich

 


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte zum Morgen der Wochenmitte bei 74,64 US-Dollar. Der Vergleichswert von Dienstag lag noch bei 73,98 US-Dollar, der Schlusspreis für Dienstag wurde bei 74,65 US-Dollar festgesetzt.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 08.08.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Am Dienstag sorgten zwar das Inkrafttreten der US-Sanktionen gegen den Iran und die Produktionskürzungen Saudi Arabiens für einige Verunsicherung an den Märkten, doch Aufwärtsbewegungen bei den Ölkursen hielten sich in Grenzen. So waren die Sanktionen schon länger angekündigt und betreffen zudem vorerst nicht direkt das iranische Ölgeschäft. Mit der Veröffentlichung des Monatsreports der US-Energy Information Administration setzte die preissteigende Stimmung schließlich wieder ein. Immerhin prognostiziert die EIA eine knappe Versorgungslage bis zum Ende diesen Jahres. Bis zum Abend zogen die Kurse auf ihre Tageshochs schließlich an. In der Konsequenz ergibt sich für heute ein leicht gestiegener Ölpreis. Heizölverbraucher können dennoch ein wenig aufatmen, denn der gestiegene Eurokurs spielt bei der heutigen Preisbildung in ihre Hände.
 

Entwicklung Eurokurs

Die Gemeinschaftswährung konnte zu heute Morgen wieder deutlich zulegen und notiert bei 1,1615 US-Dollar. Gestern Morgen waren es noch 1,1552 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,1602 US-Dollar fest.

Der Euro profitiert vor allem von einem schwachen Dollar, welcher auch im Vergleich zu vielen anderen Währungen Verluste hinnehmen musste. Hintergrund scheint die gute Stimmung an den Aktienmärkten zu sein. Anleger verlagern damit ihr Interesse weg von der Währung hin zu Anlagen in Aktien. Weiterhin kommen dem Euro positive Daten zum deutschen Außenhandel entgegen. Insbesondere die Nachfrage nach deutschen Produkten innerhalb der Europäischen Union sorgt für gute Stimmung bei den Anlegern.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Marktprognose der EIA im Detail
  • US-Bestände nach API (zumindest bei Rohöl) rückläufig
     

EIA-Prognose: Unterversorgung der Ölmärkte bis Ende des Jahres

Die EIA reagiert auf die aktuellen Marktgegebenheiten und korrigiert im Vergleich zum Vormonat ihre Versorgungsprognose deutlich nach unten. Vor allem die Werte für das kommende Jahr lassen aufhorchen. Schätze die EIA für 2019 im letzten Monatsbericht noch einen durchschnittlichen Produktionsüberschuss von 630.000 Barrel pro Tag, sind es im aktuellen Zahlenwerk nur noch 280.000 Barrel pro Tag. Für das laufende Jahr wird zudem von einer täglichen Unterversorgung in Höhe von 250.000 Barrel pro Tag ausgegangen.

Als Begründung verweist die EIA in erster Linie auf das sich abflauende Produktionswachstum in den USA. Die USA fördern zwar von Woche zu Woche mehr Öl, doch dafür kommen die Transportkapazitäten immer mehr an ihre Grenzen und wachsen schlicht nicht so schnell wie die Förderung. Durch die fehlende Logistik könnte sich allerdings der Effekt einstellen, dass die Läger in den USA wieder voller werden. Umso höher die US-Bestände, umso niedriger die globalen Ölpreise. Enstprechend nach unten korrigiert die EIA daher die Preisprognosen. Ein Barrel Brent soll im nächsten Jahr demnach um die 70 US-Dollar kosten. Ein Barrel der US-Referenz-Rohölsorte WTI hingegen nur 62 US-Dollar. Aktuell liegt der Kurs bei knapp 69 US-Dollar.

Zusätzlich belastend für die Versorgungslage sieht die EIA das Gebaren Saudi Arabiens, welches die heimische Produktion im Juli mit Verweis auf eine gesunkene Nachfrage zurückgefahren hat. Saudi Arabien hat damit allen Marktteilnehmern klar gemacht, dass es zur Zeit die Macht hat, dass Angebot und damit die Ölpreise durch das eigene Produktionsgebaren mitzusteuern.

 

API-Bericht: US-Rohölbestände gesunken

An den Ölmärkten gibt es traditionell wenig was man mit Sicherheit voraussagen kann. Worauf sich Analysten & Marktbeobachter jedoch verlassen können, ist die wöchentliche Veröffentlichung der US-Bestandsberichte des American Petroleum Institutes und des Department of Energy. Letzterer erscheint jedoch stets einen Tag später als der API-Bericht. Genauso in Stein gemeißelt scheint auch, dass sich beide Berichte in ihren Kernaussagen wiedersprechen. Das liegt nicht zuletzt an einer unterschiedlichen Datengrundlage beider Berichte, wobei der DOE-Bericht an sich schon eine breitere Datenbasis als der API-Bericht aufweist und damit eben auch als genauer hinsichtlich seiner Aussagekraft eingeschätzt wird.

In dieser Woche bleibt noch bis morgen abzuwarten wie viel Wahrheit im aktuellen API-Bericht steckt. Doch nun zu den Zahlen: Geht es nach API, sind die US-Bestände an Rohöl in der aktuellen Berichtswoche deutlich gesunken. Gleichzeitig sind die Bestände an Destillaten (Diesel & Heizöl) sowie an Benzin einigermaßen stark angestiegen.

Die API-Daten im Überblick
API-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-21-080818 // Alle Angaben ohne Gewähr

Hintergrund für diese Entwicklung könnte ein Nachfragerückgang sowie eine Zunahme der Raffinerieauslastung sein. Denn sinkt die Nachfrage, steigen die Bestände. Produzieren zudem die Raffinerien gleichzeitig mehr, zahlt das ebenfalls auf steigende Produktbestände ein. Gleichzeitig kann dadurch der Abbau bei den Rohölbeständen erklärt werden. Experten gehen indes allerdings von einer sinkenden Raffinerieauslastung aus. Die gesunkenen Rohölbestände könnten nach dieser Einschätzung eher auf Schwankungen bei den Ex- und Importen in den US-Markt zurückzuführen sein. Mit der Veröffentlichung der DOE-Daten heute Nachmittag wird Klarheit herrschen – zumindest darauf ist in diesen Zeiten Verlass.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 71,22 Cent pro Liter Heizöl. Gestern waren es noch 71,00 Cent.

Mit Blick auf die EIA-Aussichten für Versorgungslage sollten Sie sich das aktuelle Preisniveau zu Nutze machen. Auch wenn bei den aktuellen Temperaturen an Heizen noch nicht zu denken ist, kann die Vorsorge für den Winter jetzt schon die richtige Entscheidung sein. 

Das gilt insbesondere, wenn sich der Tank leert. Denn so machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Peter Dudda - Autor
            

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