OPEC-Produktionsanhebung: Ölpreise geben deutlich nach

18. Juni 2018, Peter Dudda

Heizöl zum Wochenstart deutlich günstiger 18.06.2018

Die Ölpreise hatten zum Wochenende deutlich nachgegeben, ein schwacher Euro belastet die Kurse zusätzlich. Die Unstimmigkeiten innerhalb der OPEC bleiben weiter bestehen. Libyens Ölproduktion nach Anschlag im Sinkflug. Heizöl heute deutlich günstiger.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Spannungen in der OPEC nehmen zu
  • Angriffe auf Ölinfrastruktur: Libyens Ölproduktion fällt weiter
  • Aktive US-Ölbohranlagen steigt weiter um eine Anlage auf 863 Anlagen
  • Brent bei 72,93 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 636,75 US-Dollar
  • Euro schwach aber stabil bei 1,1595 US-Dollar
  • Heizölpreis sinkt deutlich auf 68,02 Euro / 100 Liter


Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 Produktionsausfall in Libyen
 Bestandsabbauten bei US-Öl laut DOE
 IEA schätzt Angebotslage etwas knapper ein
 Uneinigkeit innerhalb der OPEC zu Produktionssteigerungen
 Nordkorea bekennt sich zu Denuklearisierung
 Force Majeure auf Öllieferungen aus Venezuela
 Drohende US-Sanktionen gegen Venezuela
 USA kündigen harte Sanktionen gegen Iran an

 Russland und Saudi-Arabien produzieren mehr Öl
 US-Strafzölle auf europäische Stahl und Aluminium 
 OPEC-Produktion könnte schon im Juni steigen

 



Das Abstimmungsergebnis der letzten Woche:

  • 24% / 38 Stimmen: Die Heizölpreise steigen
  • 76% / 122 stimmen: Die Heizölpreise sinken


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:
 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 18.06.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte zum Wochenstart bei 72,93 US-Dollar. Der Vergleichswert von Freitagmorgen lag noch bei 75,88 US-Dollar, der Schlusspreis zum Wochenende wurde bei 73,44 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, hat ebenfalls deutlich nachgegeben. Am Morgen stand der Kurs bei 636,75 US-DollarDer Vergleichswert vom Freitag lag noch bei 659,50 US-Dollar, während der Schlusspreis am Freitag bei 640,75 US-Dollar stand.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Gute Nachrichten für Heizölverbraucher: Nachdem Russland und Saudi Arabien in Sachen Produktionsanhebungen in der vergangenen Woche Fakten geschaffen hatten, stand der Handel am Freitag ganz im Zeichen von Preisabschwüngen. Zumindest an den Handelsplätzen gilt die Anhebung der Förderquoten als ausgemacht, wenn dem eigentlich noch die Beschlüsse des OPEC-Gipfels am 22. Juni in Wien im Wege stehen.

Nachdem Vertreter der Europäischen Zentralbank am Donnerstag eine Beibehaltung der Niedrigzinspolitik verkündeten, gab die Europäische Gemeinschaftswährung zuletzt wieder nach. Am Ölmarkt führt das zu dem Effekt, dass das Kaufinteresse für die in US-Dollar gehandelten Waren sinkt. Auch das sorgte für weiteren Druck auf die Kurse. Mit Blick auf Libyen gab es jedoch auch eine preistreibende Nachricht: Libysche Hafenanlagen zur Verschiffung von Öl wurden letzte Woche gezielt angegriffen. In der Folge ist die Ölproduktion des Nordafrikanischen Landes erheblich eingebrochen.
 

Entwicklung Eurokurs

Nachdem der Euro zum Donnerstag letzte Woche wieder um mehr als 2 Cent gefallen ist, konnte sich der Kurse zum Wochenende im Bereich der 1,16 US-Dollarmarke stabilisieren. Kostete die Gemeinschaftswährung zum gestrigen Tagesstart am Donnerstag noch 1,1814 US-Dollar, waren es zum Handelsschluss am Freitag nur noch 1,1592 US-Dollar. Am Montagmorgen notierte der Kurs bei 1,1595 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis zuletzt am Freitagnachmittag auf 1,1596 US-Dollar fest.

Wie bereits angedeutet, zeichnet für den Kurseinbruch die Europäische Zentralbank verantwortlich. Sie verkündete am Donnerstag zur Überraschung der meisten Analysten und Devisenmarktbeobachter, den Leitzins noch wenigstens bis Sommer 2019 unverändert zu lassen. Das bedeutet eine Fortführung der Nullzinspolitik, die Investitionen fördern soll, dabei aber vor allem die Sparer belastet. Mit der Entscheidung wurden alle Anleger und Beobachter enttäuscht, die davon ausgingen, dass die lockere Geldpolitik bald ein Ende haben könnte.

Auch das EZB-Ankaufprogramm für Staatsanleihen soll noch länger laufen als von vielen Analysten erwartet. Ein Ende wurde nun frühestens für den Dezember diesen Jahres, anstatt für den Herbst 2018 in Aussicht gestellt.

Hinter dem Gebaren der EZB steckt allerdings Kalkül. Mit den aktuellen Ankündigungen wollen die Währungshüter verhindern, dass der Euro im Vergleich zu den anderen Währungen – insbesondere dem US-Dollar – zu stark wird. Genau das würde nämlich zu einer enormen Belastung für die europäischen Exporteure, insbesondere für Deutschland führen.

Für Heizölkäufer ist der schwache Euro Segen und Fluch zugleich: Zwar sinkt das Handelssinteresse am Ölmarkt aus Europa und die Kurse fallen dadurch zusätzlich, doch ist Öl im Einkauf schlichtweg durch den schwachen Euro eben auch teurer.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Russland und Saudi-Arabien erzürnen OPEC-Mitglieder
  • Libyens Ölexporte „unter Beschuss“
     

​Russland gewinnt Eröffnungsspiel – und die Ölverhandlungen?

Dem Vernehmen nach verhandelten die Führer Saudi Arabiens und Russland die Zukunft des OPEC-Förderkürzungsdeals und ihre Strategie für Produktionssteigerungen noch während des Fussball-WM-Eröffnungsspiels am vergangenen Donnerstagnachmittag.

Das Ergebnis: Eine schrittweise Anhebung der Ölförderung von 1,5 Mio. B/T ab Juli. Saudi Arabien äußerte sich verhaltener und nannte im Gegensatz zu Russland keine genaueren Zahlen, sondern verwies diplomatisch darauf, dass es erst einmal „auf die Zufriedenstellung der Märkte“ ankomme.

Das die Saudis einer Produktionsausweitung offen entgegensehen zeigt das aktuelle Gebaren des Wortführers des OPEC-Kartells. Zuletzt weitete Saudi Arabien seine Produktion bereits aus. Nun ist die Führung in der Zwickmühle: Einerseits muss der wichtigste OPEC-Partner Russland bei Laune gehalten werden, andererseits gilt es auch die kleineren OPEC-Mitglieder wohlgesinnt zu stimmen – und davon kann vor allem mit Blick auf dem Iran, Irak und Venezuela keine Rede sein.

Weiten Russland und Saudi Arabien die Produktion aus, kommt es aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem Preisverfall. Die kleineren OPEC-Länder sind aus verschiedensten Gründen jedoch nicht in der Lage ohne weiteres mehr Öl zu fördern. Am Ende können sie also nur ihre bereits bestehenden Förderkapazitäten auf den Markt werfen und würden dann bei niedrigeren Ölpreisen Verluste machen.

Der iranische Abgesandte für die OPEC verdeutlichte am Wochenende seine Ablehnung für Produktionssteigerungen und verwies nochmals darauf, dass derartige Beschlüsse nur einstimmig getroffen werden könnten. Nun liegt es wohl an Saudi Arabien die Wogen bis zum 22. Juni und damit bis zum nächsten großen OPEC-Gipfel zu glätten. Wir werden in den nächsten Tagen darüber berichten, mit welchen Argumenten und Zugeständnissen Saudi Arabien dabei ins Spiel bringen wird.
 

Libysche Ölexporte nach Angriff auf Exporthäfen unter Druck

Bewaffnete Gruppen haben Mitte der letzten Woche die wichtigsten libyschen Exporthäfen Es-Sider und Ras Lanuf angegriffen und dadurch die Verladung von Öltankern erheblich beeinflusst. Die Angriffe setzten sich am Wochenende weiter fort. Die Schäden sind dem Vernehmen nach immens, mehrere Tanks im Hafen Ras Lanuf stehen in Flamen und die Feuer drohen sich mangels Löschschaums weiter auszubreiten. Damit könnten die Verladekapazitäten an diesem Hafen nun komplett zum Erliegen kommen. Die libysche Ölproduktion ist mittlerweile um knapp 0,4 Millionen Barrel pro Tag gefallen. Die libysche Armee plant aktuelle eine Gegenoffensive, wann diese Greifen wird ist unklar. Sollte die Ölproduktion Libyens weiter sinken, könnte das für erheblichen Druck auf den sich gerade entspannenden Markt sorgen.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 68,02 Cent pro Liter Heizöl. Am Fretiag waren es noch 69,45 Cent.

Momentan lautet unser wichtigster Tipp für den Heizölkauf: Machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig – und nutzen Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf insbesondere dann, wenn sich der Tank leert.

Gerade der Einfluss des Euros zeigt heute, dass die Anzahl unsicherer Markfaktoren und kurzfristiger Gegentendenzen momentan so hoch ist, dass sich Vorhersagen innerhalb kürzester Zeit erledigen können. Zwar weiß niemand wie lange und in welchem Umfang, aber genau das ist momentan das Problem für Heizölkäufer. Wenn Sie sich heute zum Kauf entscheiden, können Ihnen die Entwicklungen der nächsten Monate vollkommen gleich sein – und Sie holen die Tankanzeige aus dem roten Bereich.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

 

Heizölnews Autor

Peter Dudda - Autor

Der Ölmarkt und der Euro-Dollar-Kurs bestimmen Ihren Heizölpreis. Die Märkte bieten täglich Überraschungen. Wir liefern Ihnen die Hintergrundinformationen.

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