Der Heizölpreis: Ölpreise ziehen auf neue Jahreshochs, Heizölpreis stabil

21. Februar 2019, Nicola Bergau

Heizöl am Donnerstag etwas günstiger

In einer Flut an Gerüchten, Ankündigungen und Absichtsbekundungen wichtiger Öl-Nationen stiegen die Preise gestern auf neue Jahreshochs. Am wichtigsten sind Gerüchte um Angriffe auf die Ölwirtschaft Venezuelas und die Hoffnung auf eine Lösung des Handelsstreits. Heizöl heute dennoch etwas günstiger.

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Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Angeblicher Angriff auf venezolanische Ölindustrie
  • USA und China sollen intensiv an Lösung für Handelsstreit arbeiten
  • API-Bericht deutet auf knappere Versorgunglage
  • Brasilien betritt die öffentliche Öl-Bühne
  • Saudis, Kuwait, Russland planen mehr Kooperation im OPEC-Gefüge
  • Brent bei 67,15 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 619,00 US-Dollar
  • Euro bei 1,1335 US-Dollar
  • Heizölpreis bei 70,51 Euro / 100L
     

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 Hoffnung auf Lösung des Handelsstreits zwischen USA und China
 OPEC-Förderkürzung übererfüllt
 Abschaltung Safaniyah-Ölfeld im arabischen Golf
 Revolution in Venezuela und Verschärfung der US-Sanktionen
 Mögliche Anschläge auf Öl-Industrie Nigerias und Venezuelas
 Saudi-Arabien plant weitere Kürzungen
 IEA sieht Möglichkeit für ausbalancierten Markt 2019
 Russland verspricht volle Umsetzung der OPEC+ Kürzungen bis April

Saudi-Arabien und Kuwait wollen Ölförderung in neutraler Zone wieder aufnehmen
 OPEC-, EIA- und IEA-Monatsbericht
 US-NOPEC-Gesetzgebung in Vorbereitung
 China will heimische Ölwirtschaft ausbauen
 Russland und OPEC wollen Allianz stärken

Brasilien weitet Ölproduktion aus
 Kanada weitet Ölproduktion nach Kürzungen wieder aus
 OPEC+ Kürzungen bisher nicht vollständig umgesetzt
 Chinesische Wirtschaft verliert immer weiter an Kraft
 USA fördern auf Rekordniveau und nähern sich Energieunabhängigkeit


 

 

 

Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 67,15 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwoch betrug noch 66,32 US-Dollar, der Schlusspreis wurde bei 67,08 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 619,00 US-Dollar. Der Vergleichswert am Mittwoch lag bei 609,75 US-Dollar, der Schlusspreis bei 616,50 US-Dollar.

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 21.02.2019 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Der gestrige Handelstag war ein Lehrstück in Sachen Marktmechanismen. Denn die Ölpreise wurden hauptsächlich von Gerüchten, Ankündigungen und Aussagen wichtiger Mitstreiter im Ölgeschäft dominiert. Zusätzlich wechselte der sogenannte Frontmonat, also der Erfüllungszeitraum von Future-Optionen.

Zwei Faktoren waren besonders wichtig: Einerseits scheint es, als ob sich eine Lösung im Handelsstreit ankündigt. Die USA und China sollen nach Meldungen jeweils an Verträgen bzw. Papieren arbeiten, die das Zollproblem aus der Welt schaffen könnten. Die beiderseitigen Anstrengungen sind zwar noch kein Fakt, doch die bilateralen Bemühungen können vorerst als klares Signal interpretiert werden, dass einer der wichtigsten Bremsklötze für die Konjunkturentwicklung 2019 bald passé sein könnte.

Außerdem soll es nach staatlicher Aussage Angriffe auf die venezolanische Ölindustrie gegeben haben. Besonders heikel daran ist, dass der Ölminister indirekt die USA für die Aktivitäten der „Terroristen“ verantwortlich macht. Die USA hatten zuletzt mit martialischem Vokabular dazu aufgerufen, dass sich das Militär von Maduro abwenden solle oder „alles verlieren“ könnte. Wer sich letztendlich für die Angriffe auf Ölanlagen verantwortlich zeigt, kann jedoch bisher nicht ausgemacht werden.

In diesem Spannungsfeld ist es fast unweigerlich zu neuen Anstiegen bei den Ölpreisen gekommen. Da hatten auch Aussagen Saudi-Arabiens, man wolle die Produktion gemeinsam mit Kuwait wieder anheben, kaum Auswirkungen. Ölfelder in der neutralen Zone zwischen beiden Ländern waren bisher ein unüberwindlicher Streitgegenstand, für den es nun bald eine Einigung geben könnte. Dann stünden auf einmal rund 600.000 B/T mehr Öl auf dem Markt zur Verfügung. Diese Einigung liefe natürlich den Kürzungsbemühungen der OPEC unter Wortführerschaft der Saudis zuwider. Darum muss erst einmal abgewartet werden, ob der diplomatische Erfolg auch wirtschaftlich genutzt werden soll.

Gleichzeitig hat Brasilien angekündigt, eine von vier schwimmenden Ölförderanlagen vor der Küste in Betrieb nehmen zu wollen. Damit stellt sich das sonst kaum öffentlichkeitswirksame Ölland plötzlich mit rund 150.000 B/T mehr auf dem Markt auf. Drei weitere Anlagen sollen noch in diesem Jahr folgen.

Der API-Bericht zu den US-Ölbeständen ging gestern fast unter. Trotz gestiegener Rohölbestände deuten die gesunkenen Produktbestände auf eine insgesamt hohe Nachfrage und eine knappere Versorgungslage hin.

Obwohl der Euro sich schon zum zweiten Tag in Folge praktisch kaum bewegt zu haben scheint, ist Heizöl trotz neuer Jahreshöchststände der Ölpreise heute vorerst etwas günstiger. Heizölkunden profitieren dabei von sekundären Faktoren wie der Verfügbarkeit auf dem heimischen Markt und anderen Begleitumständen.

Allerdings müssen wir erneut davor warnen, dass die Stimmung an den Märkten dreht und somit weitere Preissteigerungen möglich werden. Mit dem heutigen Heizölkauf machen Sie sich von allen weiteren Überraschungen unabhängig.


Entwicklung Eurokurs

Zum Tagesstart kostete der Euro 1,1335 US-Dollar, am Mittwoch waren es 1,1339 US-Dollar. Der Referenzpreis der EZB für Mittwoch wurde noch bei 1,1342 US-Dollar festgesetzt.

Schon zum zweiten Tag in Folge tritt der Eurokurs auf der Stelle. Das liegt vorrangig an der Stabilität des Dollars, der trotz Notenbank-Protokoll und Meldungen zum Handelsstreit merkwürdig unbewegt bleibt. Die US-Notenbank Fed hatte in der Sitzungsmitschrift nur gezeigt, dass immer mehr Banker unsicher darüber sind, wie es mit Amerikas Wirtschaft weitergeht.

Auch die Gerüchte zu intensiven Lösungsbestrebungen im Handelsstreit zwischen China und USA hatten bisher keinen Effekt. Der Devisenmarkt scheint vorerst sehr viel gewillter als der Rohstoffmarkt, Bestätigungen und harte Fakten für all die Wortmeldungen abzuwarten.


Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • API verzeichnet knappere Versorgungslage
  • Venezuela, Brasilien, Handelsstreit und Co.: Prognosen zur Ölmarktsituation
  • Russland und Saudis bekräftigen Willen zur Zusammenarbeit


API: Hohe Nachfrage auf US-Markt

Es passiert recht selten, dass der Bestandsbericht des API die allgemeinen Erwartungen des Marktes zwar erfüllt, aber insbesondere bei den Rohölbeständen ein moderates Bild zeichnet. Auch wenn diese gestiegen sind, zeigt sich doch eine anhaltend agile Ölwirtschaft.


Die API-Daten im Überblick

API-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-08-210219 // Alle Angaben ohne Gewähr

Die geringer als erwartete Zunahme an Rohölbeständen wird allgemein als Folge der immer noch relativ geringen Raffinerieauslastung gedeutet, die saisonal durch Wartungsarbeiten bedingt ist. Gleichzeitig fielen aber die Vorräte in anderen Großlagerstätten der USA, weshalb diese Aufbauten unterm Strich als Abbauten gelesen werden.

Hinzu kommt ein breiter Abbau der Ölprodukte. Benzin wurde stärker nachgefragt als Destillate. Auch wenn sich beide Faktoren erst einmal etwas aufheben, so deuten die Gesamtabbauten doch darauf hin, dass der Markt weiterhin agil ist und genug Nachfrage herrscht.

Bestätigung für diese Einschätzungen gibt es erst heute Nachmittag, wenn der Bericht des Department of Energy folgt. Hier werden klare Fakten zur Nachfrage, den Im- und Exportwerten und auch den tatsächlichen Beständen geschaffen.


Neue Konstellationen für die Weltkonjunktur und den Ölmarkt

Aktuell häufen sich die Anzeichen dafür, dass der Ölmarkt 2019 doch knapper versorgt werden könnte als bisher angenommen. Oder wenigstens wieder mehr Öl nachfragt. Wichtig ist vor allem, dass sich eine Lösung im Handelsstreit abzeichnet, die dafür sorgen könnte, dass nicht nur China, sondern die ganze Welt wieder mehr Öl einkauft. Denn ohne Strafzölle steigt das Handelsinteresse, die Margen nehmen zu und die Produktion mit dem Treib- und Rohstoff Öl legt wieder zu.

Auch die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und Venezuela sollten nicht unterschätzt werden. Zwar liegt Venezuelas marode Ölindustrie sowieso schon knapp um die 1 Mio. B/T-Grenze und ist damit zunehmend bedeutungslos. Doch die angeblichen Angriffe auf die Ölanlagen der staatlichen Ölgesellschaft senken diesen Wert in der Wahrnehmung noch einmal akut und schlagartig. Dass angeblich die USA hinter diesen Anschlägen stecken sollen, zumindest indirekt, ist dabei ein politischer Affront, der durchaus in offenen Auseinandersetzungen enden könnte und diesen Wert noch weiter senken würde. Die USA hatten jedoch gleichzeitig erst vor einigen Tagen angeboten, den kontrollierten Abgang Maduros unterstützen zu wollen. Drohungen an das Militär, dass es Zeit sei, sich vom Präsidenten loszusagen oder die Konsequenzen tragen zu müssen, könnten diesem Angebot Nachdruck verleihen wollen. Ob die Anschuldigungen des venezolanischen Ölministers stimmen, kann natürlich erst einmal nicht bestätigt werden.

Brasilien ist zwar in der öffentlichen Wahrnehmung ein Kaffee-, kein Ölland. Aber in dieser Woche demonstriert das Land, dass es zukünftig durchaus eine wichtige Rolle spielen könnte. Und zwar schon in diesem Jahr und mit konkreten Förderzahlen. Vor der Küste liegen vier schwimmende Ölförderanlagen, von denen die erste in Bälde in Betrieb gehen soll. Damit wären in den kommenden Monaten rund 150.000 B/T mehr Öl zu erwarten. Sukzessive sollen weitere Anlagen in Betrieb gehen und dann eine Steigerung um 365.000 B/T im Jahr 2019 erreichen. Dies ist zwar kein atemberaubend großes Angebot. Doch mit der definitiven Positionierung Brasiliens als Gegengewicht zur OPEC wird ein klares Zeichen gesetzt: Preisdiktierende Monopole durch Ölkartelle nimmt der Markt 2019 nicht mehr hin.

Damit gerät die OPEC natürlich in Zugzwang. Gerade Saudi-Arabien schlägt momentan jedoch einen anderen Weg ein. Mit der erreichbaren Übereinkunft zu den Ölförderanlagen in der neutralen Zone mit Kuwait tut sich eine neue Ölquelle auf, die genutzt werden will. Das ließe sich zwar nicht mit den Kürzungsbestrebungen vereinbaren. Doch in diesem Fall übertrifft der politische Faktor erst einmal den wirtschaftlichen.

Tatsache ist jedoch, dass gerade die Saudis nun unter dem Druck stehen, auf die wirtschaftliche Positionierung der USA, Brasiliens und nicht zuletzt auch Kanadas zu reagieren. Wie weit jedoch der weitere Kürzungswille des wichtigsten OPEC-Mitglieds reicht, bleibt erst einmal fraglich. Fakt ist, dass sich kaum ein OPEC-Land allzu stark sinkende Ölpreise leisten kann. Denn viele Quellen sind uralt, die Effektivität der Ölförderung nimmt im Vergleich zur boomenden Schieferölindustrie in den USA immer weiter ab.


Russland und Saudi-Arabien bekräftigen Kooperationswillen

Zeitlich nicht ganz zufällig haben Russland und Saudi-Arabien erneut öffentlich bekräftigt, in Sachen Energie zukünftig stärker zusammenarbeiten zu wollen. Russland ist wichtigster Verbündeter des Ölkartells und trägt neben den Saudis einen großen Teil der im Dezember beschlossenen Kürzungen.

Allerdings spielt Russland seine Position durchaus auch aus und hat bisher weniger als die vereinbarten 300.000 B/T gekürzt. Die Saudis zeigten sich darüber verstimmt, was das Kürzungsabkommen in keinem guten Licht erscheinen ließ. Mit der Bekräftigung der Zusammenarbeit soll ein Signal gesetzt werden, dass die Kürzungsvereinbarungen Bestand haben und damit die Preissituation stabil ist.

Sollten die Anleger nervös werden, droht nämlich ein Preisabfall, den sich die OPEC, wie schon gesagt, kaum leisten kann. Russland hingegen gehört zu den Ländern, denen ein moderates Preisniveau nichts ausmacht. Das wissen die Russen, das wissen die Saudis. Dass sich Moskau an die Seite der OPEC stellt, hat dabei vor allem politische Gründe und ist als Gegenaktion zur aufsteigenden Ölmacht der USA zu begreifen.


Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 70,51 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 70,70 Cent.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Nicola Bergau - Leiter Onlinehandel
            

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