Saudische Öltanker im Visier – das sagen die Heizölpreise

26. Juli 2018, Peter Dudda

Heizölpreise steigen am Donnerstag leicht an 26.07.18

In der Nacht kam es nach Angaben Saudi Arabiens zu einem Angriff auf zwei Öltanker. In der Folge wurden die Öl-Exporte Saudi Arabiens nach Europa eingestellt. Zusätzlich stützen gesunkene US-Ölbestände die Kurse. Warum der Heizölpreis (bisher) dennoch nur moderat steigt, erfahren Sie hier.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Saudische Öltanker unter Beschuss
  • US-Rohöl- und Produktbestände gesunken
  • Trump und Junckers: Einigung bei Handelszöllen?
  • Brent bei 74,39 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 660,75 US-Dollar
  • Euro steigt auf 1,1727 US-Dollar
  • Heizölpreis steigt auf 69,37 Euro / 100L
     

 Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung
 

 Angriff auf saudische Öltanker / Exportstopp nach Europa
 China investiert in die Infrastruktur
 DOE: Vorräte an US-Öl sinken
 Iran und USA drohen sich gegenseitig
 Nachfrage im US-Markt zieht an
 Produktionsschwierigkeiten in Kanada bis September
 Steigende Ölproduktion in OPEC-Staaten begrenzt Reservekapazitäten
 Weniger US-Ölbohranlagen

 Einvernehmliches Ergebnis im Handelsstreit zwischen USA und EU
 Libysche Ölhäfen wieder geöffnet, doch Lage weiterhin angespannt

Debatte um Abbau der strategischen US-Öl-Reserven
 EIA: US-Ölförderung wird im Juli und August stark steigen
 US-Sanktionen: Ausnahmen für Abnehmer iranischen Öls
 Wachstum der globalen Ölnachfrage verlangsamt sich
 Handelsstreit zwischen USA, China

 


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 26.07.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen etwas stärker bei 74,39 US-Dollar. Der Vergleichswert von Mittwochmorgen lag noch bei 73,93 US-Dollar, der Schlusspreis wurde gestern exakt auf dem Wert des Startniveaus festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 660,75 US-DollarDer Vergleichswert am Mittwoch lag bei 655,50 US-Dollar, während der Schlusspreis am Mittwoch bei 656,75 US-Dollar festgehalten wurde.

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

An der Ölsorte Brent lässt sich der impulsarme Handel am Mittwoch ablesen: Trotz einschlägiger Nachrichten hat sich an den Kursverläufen nur wenig getan. Mit Blick nach Saudi Arabien, in die USA und die EU könnten die Kurse heute wieder etwas mehr Schwung kommen.

Vor allem die verkündete Einigung zwischen dem Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump, könnte heute für steigende Kurse sorgen. Heizölkunden profitieren indes von einem stärkeren Euro, der das in US-Dollar gehandelte Öl in der EU etwas günstiger macht. Doch mit Blick auf die Nachrichtenlage ist Vorsicht geboten: Aktuell stehen drei Faktoren im Raum, die heute vom Handel in steigende Ölpreise umgesetzt werden könnten.
 

Entwicklung Eurokurs

Der Euro hat sich im Vergleich zum Wochenstart weiter leicht zugelegt. Zum Donnerstagmorgen kostete er 1,1727 US-Dollar, der Vergleichswert für Mittwoch betrug 1,1685 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzpreis zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,1690 US-Dollar fest.

Getrieben wird der Euro von den Entwicklungen in Washington, rund um die Einigung zwischen dem Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten im Artikel.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Saudische Öltanker unter Beschuss
  • Einigung zwischen Juncker und Trump
  • DOE-Bericht: US-Bestände gefallen
     

Jemenitische Houthi-Rebellen attackieren saudische Öltanker

Es ist eine Nachricht die insbesondere für den europäischen Ölmarkt von besonderer Tragweite sein könnte: Vergangene Nacht kam es in der Straße von Bab el Mandeb zu Angriffen auf zwei saudische Öltanker. Insgesamt hatten die beiden Schiffe zwei Millionen Barrel Öl geladen und waren auf dem Weg nach Europa. Größere Schäden sind an den beiden Schiffen nicht zu beklagen. Die Straße Bab el Mandeb bildet nahezu ein Nadelöhr zur Einfahrt in das Rote Meer, welches zum Erreichen der Mittelmeerverbindung, dem Suez-Kanal, durchquert werden muss. Als Angreifer macht die saudische Regierung jemenitische Houthi-Rebellen aus. Die Houthi-Rebellen befinden sich seit Jahren in einem blutigen Konflikt mit der jemenitischen Regierung, welche wiederum aktiv von Saudi Arabien unterstützt wird.

Als erste Reaktion stellt Saudi Arabien alle Ölexporte die über das Rote Meer und die Straße von Bab el Mandeb laufen müssten vorerst ein. Wie lange die Beschränkungen anhalten ist indes noch nicht abzusehen. Dem Vernehmen nach geht es nun erst einmal darum, die Sicherheitslage für die Schifffahrt zu bewerten. Ob auch andere Länder ihre Exporte über die betroffenen Seewegroute einstellen ist aktuell noch unklar. Eine gänzliche Einstellung der Öl-Exporte nach Europa wird es aller Voraussicht nach nicht geben. Denn bleibt der Weg durch das Rote Meer verwehrt, gibt es immer noch den längeren Weg um den afrikanischen Kontinent herum. Das dieser allerdings ungleich kostenintensiver ist, versteht sich von selbst.

Wie stark die Meldung Einfluss auf die Ölpreisentwicklung haben wird bleibt abzuwarten. Sollte die Versorgung Europas mit Öl tatsächlich langfristig beschränkt sein und das Öl nur noch über den Umweg um Afrika herum angeschifft werden können, könnte das Kurssteigerungen bedeuten.
 

Streit um Handelszölle – Einigung mit Langfristwirkung?

Unerwartet versöhnliche Töne konnten gestern auf dem Treffen zwischen dem Chef der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker und dem US-Präsidenten Donald Trump vernommen werden. Juncker ist eigens nach Washington gereist, um Druck aus dem Handelsstreit mit den USA zu nehmen. Dabei allerdings nicht als Bittsteller. Ziel war es eher Donald Trump zu zeigen, dass die EU und die USA fair und auf Augenhöhe in der Lage sein sollten, die Streitereien um Handelszölle in konstruktive Ergebnisse zu beiderseitiger Zufriedenheit zu verwandeln.

Das Ergebnis lässt sich damit zusammenfassen, dass beide Parteien Zölle auf Industrieprodukte abbauen wollen und darüber hinaus über den Abbau weiterer Handelshemmnisse konstruktiv verhandeln wollen. Zusätzlich machte Juncker die Zusage, dass Europa künftig mehr Sojabohnen, aber auch Flüssiggas aus den USA importieren wird. Ausgenommen sind dem Vernehmen nach aber weiterhin die US-Zölle auf europäische Autos. Da in den USA vor allem deutsche Autos Importschlager sind, dürfte die Einigungsnachricht zumindest in diesem Wirtschaftszweig mit Ernüchterung aufgenommen werden.

Für die Ölpreise ist die Situation dagegen klar: Da die Nachfrage gefährdet sein kann, sorgen Handelskonflikte in der Regel für fallende Ölpreise. Kommt es wieder zu einer Entspannung und Handelsbeschränkungen werden abgebaut, sorgt das dann wiederum stützend für die Kurse. Letztlich bleibt aber abzuwarten wie lange die Meldung Bestand haben wird. Kehrtwenden so sagt man, seien zumindest dem US-Präsidenten nicht fremd.

 

DOE bestätigt API: US-Rohölbestände sinken deutlich

Und auch die dritte wichtige Meldung hat im Prinzip durchgehend ein preissteigerndes Potenzial. Geht es nach dem wöchentlichen US-Bestandsberichts des US-Department of Energy, haben die Öllager in den USA in der vergangenen Berichtswoche weiter Lagerraum freimachen müssen.
 

Die DOE-Daten im Überblick

 

DOE-Bericht-US-Ölmarkt-Kalenderwoche-30-269718 // Alle Angaben ohne Gewähr

 


Wie zu erwarten ist die Raffinierauslastung gesunken, liegt mit 93,8% aber immer noch auf hohem Niveau. Auch wenn wir uns immer noch mitten im Sommer befinden, stellen sich die Raffinierbetreiber ab jetzt schon so langsam auf die im Herbst typischerweise abflauende Nachfrage nach Ölprodukten ein und drosseln ihre Auslastung. So richtig gerechnet hat mit den nur geringen Abschlägen bei der Auslastung wohl keiner. Entsprechend groß die Überraschung über die starken Abbauten bei den US-Rohölbeständen.

Gestützt werden die Abbauten auch durch einen Rückgang der Öl-Importe, bei einer gleichzeitigen Steigerung von Öl-Exporten aus dem US-Markt. Hier liegt zugleich die Krux. Analysten betonen das die Betrachtung von Importen schwierig und verzerrend für die wöchentlichen Bestandszahlen sein kann. Im vorliegenden Fall vermutet man, dass ein bis zwei Öltanker nicht rechtzeitig bis zum „Redaktionsschluss“ des DOE für die Anlandung an die US-Westküste gemeldet wurden. Denn allein dort seien die Bestände um 4,5 Millionen Barrel zurückgegangen. Hat die Versorgung mittlerweile stattgefunden, werden diese Werte in der nächsten Woche auf die Bestände aufaddiert – in der Folge könnte das DOE in der nächsten Woche starke Aufbauten bei den Beständen vermelden. Insgesamt entkräftet diese Betrachtung die preistreibende Wirkung des aktuellen DOE-Berichts.

Auch die Werte aus den Produktkategorien werden mit einiger Entspannung wahrgenommen. Vor allem ein gestiegener Benzinbedarf ist in der Ferienzeit nichts ungewöhnliches, das bestätigt auch die leicht gestiegene Nachfrage. Die Rohöl-Förderung hat nach den DOE-Daten indes nicht zugenommen. Die Anspannung in der Versorgungslage bleibt damit weiter bestehen und der dieswöchige DOE-Bericht wird von den Märkten wohl eher preistreibend interpretiert.

 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 69,59 Cent pro Liter Heizöl. Am Mittwoch waren es 69,37 Cent.

Die ausbleibenden Auswirkungen der drei tendenziell preissteigernden Meldungen von heute Morgen verwundern.  Je nachdem wie die Entwicklung an den Märkten weitergeht, könnte es heute noch zu nachgelagerten Preissteigerungen kommen.

Damit wird es immer wichtiger, sich das heutige Preisniveau zum Heizölkauf zu sichern. Das gilt insbesondere, wenn sich der Tank leert. Denn so machen Sie sich möglichst schnell von allen Marktmechanismen und Kehrtwenden unabhängig, die den Markt seit Wochen immer wieder überraschen.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Peter Dudda - Autor
            

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