Heizölpreis sinkt trotz anhaltender Produktionsausfälle

3. Juli 2018, Felix Schmidt

Heizölpreis fällt trotz Lieferengpässe. 03.07.2018

Auch am zweiten Tag der Woche stehen die Versorgungsengpässe im Vordergrund. Doch einige Signale, die den Preis drücken, setzen sich heute durch. Der Heizölpreis fällt erstmals seit einiger Zeit.

Ölpreisentwicklung – Wichtiges auf einen Blick

  • Produktionsausfälle können noch nicht kompensiert werden
  • Mögliche Ausnahmeregelung bei Iran-Sanktionen
  • Steigende Preise schwächen das Nachfragewachstum ab
  • Brent bei 77,92 US-Dollar / ICE-Gasoil bei 664,00 US-Dollar
  • Euro schwächer bei 1,1636 US-Dollar
  • Heizölpreis sinkt und liegt derzeit bei 70,18 Euro / 100L

Wesentliche Einflussfaktoren auf die aktuelle Ölpreisentwicklung

 Anzahl der US-Ölbohranlagen sinkt  Ölpreise laut Trump zu hoch, Saudi-Arabien soll Produktion hochfahren
 US-Rohölbestände stark rückläufig  Nach Beschluss: OPEC-Staaten heben Ölproduktion sukzessive an
 US-Regierung erhöht den Sanktionsdruck gegen den Iran Wachstum der Ölnachfrage verlangsamt sich
 Produktionsunterbrechungen in Libyen und Kasachstan halten an  Handelsstreit zwischen USA, EU und China

 

 

Abstimmungsergebnis der letzten Woche

  • 30% / 102 Stimmen: Der Heizölpreis steigt
  • 70% / 238 Stimmen: Der Heizölpreis sinkt


Aktuelle Ölpreise an der Londoner Warenterminbörse ICE:

Der Kurs der europäischen Referenzölsorte Brent notierte am Morgen bei 77,92 US-Dollar. Der Vergleichswert von Montag betrug noch 78,37 US-Dollar, der Schlusspreis für Montag wurde bei 77,30 US-Dollar festgesetzt.

ICE Gasoil, der maßgebliche Indikator für den inländischen Heizölpreis, stand am Morgen bei 664,00 US-DollarDer Vergleichswert am Montag lag etwas höher, bei 669,50 US-Dollar, während der Schlusspreis zum Wochenstart bei 663,50 US-Dollar notierte.

 

Heizölpreisentwicklung der letzten 30 Tage Stand: 03.07.2018 // Alle Angaben ohne Gewähr

Alle Angaben ohne Gewähr. Weitere aktuelle Notierungen finden Sie täglich neu auf unserer Heizölpreisseite.
 

Die Preisentwicklung im Überblick

Schon zum gestrigen Wochenstart war klar, dass die derzeitigen Engpässe – wesentlich bedingt durch unerwartete Produktionsausfälle in Libyen, Kasachstan und Venezuela – den Ölpreis weiterhin nach oben schieben. Grundsätzlich hat sich an dieser Lage auch am Dienstag erst einmal nichts geändert – im Gegenteil. Durch die Force Majeure-Meldung aus Libyen sind die Ölexporte des Landes mittlerweile fast vollständig zum Erliegen gekommen.

Umso überraschender ist die Tatsache, dass die Preise heute, trotz der widrigen Bedingungen, ins Rutschen kommen und leicht unterhalb des gestrigen Preisniveaus notieren. Drei Faktoren könnten bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt haben. Zum einen hatte US-Präsident Trump am Wochenende via Twitter angekündigt, Saudi-Arabien stärker in die Pflicht nehmen zu wollen, was die Erhöhung der Rohölproduktion angeht. Außerdem sind seit heute etwas mildere Töne von Seiten der US-Regierung in Bezug auf die Sanktionen für den Iran zu vernehmen. Schließlich hatte sich auch das Ölnachfragewachstum abgeschwächt – möglicherweise auch in Folge des Handelsstreits zwischen den USA, China und der EU.
 

Entwicklung Eurokurs

Am Dienstagmorgen verzeichnete der Eurokurs ein leichtes Minus und lag bei 1,1636 US-Dollar. Vermutlich war man sich noch nicht so ganz sicher, was man von der Einigung im Asylstreit zwischen der CDU und der CSU halten sollte. Zum Wochenstart gestern lag der Kurs zur gleichen Zeit nämlich noch bei 1,1664 US-Dollar. Die EZB legte den Referenzwert am Montag auf 1,1639 US-Dollar fest.

Bereits ein paar Stunden später ergibt sich ein etwas anderes Bild. Der Eurokurs klettert wieder über das Niveau des Vortages. Dementsprechend war das Signal der Einigung zwischen den Schwesterparteien also auch für den Devisenmarkt wichtig. Die Befürchtung, dass der Streit weiter eskalieren und die Bundesregierung somit in Bedrängnis geraten könnte, hatte die Gemeinschaftswährung deutlich belastet. Denn Ende der vergangenen Woche schaffte sie den Sprung über die Marke von 1,17 US-Dollar, wo sie sich letztlich aber nicht halten konnte.
 

Im Detail: Einflussfaktoren am Markt und in der Politik

  • Sind die USA bei den Iran-Sanktionen kompromissbereit?
  • Langsameres Ölnachfragewachstum mildert die Preissteigerungen ab

Die aktuelle Lage an den Märkten zeigt, dass es viele Hebel gibt, die den Ölpreis beeinflussen können. Mit Blick auf die Rekordproduktion in den USA stellt sich beispielsweise die Frage, warum sich das gestiegene Angebot nicht unmittelbar in einem sinkenden Preis für die Verbraucher ausdrückt. Hierzu lässt sich feststellen, dass die begrenzten Pipeline-Kapazitäten derzeit verhindern, dass das Rohöl schnell genug in die Exporthäfen in den Südstaaten gelangt. Hinzu kommen die anhaltenden Lieferunterbrechungen aus Kanada.

Selbst wenn die OPEC-Staaten derzeit zusätzliche Mengen Öl an den Markt bringen, die weit über der Ende Juni beschlossenen Erhöhung von 0,6 Mio. Barrel pro Tag liegen, reichen die Bemühungen nicht aus, um die ungeplanten Ausfälle zu kompensieren. Größtes Sorgenkind bleibt Libyen. Allein dort ist die Ölproduktion zuletzt um 0,85 Mio. Barrel pro Tag gesunken. Hinzu kommen die temporären Engpässe in Kanada und Kasachstan. Blickt man in Richtung Venezuela, dessen Ölexporte ebenso wie die des Irans, sanktioniert werden, so fügen sich die einzelnen Bausteine zusammen und liefern eine Antwort auf die Frage, warum der Ölpreis zurzeit auf seinem hohen Niveau verharrt.
 

Schlägt die US-Regierung bei den Iran-Sanktionen mildere Töne an?

Nachdem die Regierung um US-Präsident Trump ankündigte, ausnahmslos alle Länder zu sanktionieren, die Öl aus dem Iran importieren, könnte es laut US-Außenministerium nun zu einer Einzelfallprüfung kommen. Bestimmte Länder oder Unternehmen könnten dann von den Sanktionen ausgenommen werden. Die Verhandlungen finden derzeit insbesondere zwischen asiatischen und europäischen Ländern statt. Ob und in welchem Umfang eine solche Regelung getroffen wird, ist derzeit jedoch noch unklar.
 

Die Nachfrage nach Öl ebbt wieder ab

Laut den Analysten der Barclays Bank hat sich das Wachstum der Ölnachfrage mittlerweile wieder verlangsamt. Nachdem die steigende Nachfrage in den letzten Wochen und Monaten einer der wesentlichen Preistreiber war, sieht es jetzt so aus, als könnten die gestiegenen Preise den Spieß wieder umdrehen und die Nachfrage fallen lassen. Von dieser Entwicklung sind derzeit nicht nur die USA betroffen. Auch in China hat sich das Nachfragewachstum abgeschwächt. Dort hatten zuletzt die Investitionen in den Infrastrukturausbau die Ölnachfrage kräftig nach oben getrieben. Doch mit sinkenden Investitionen in diesem energieintensiven Bereich nimmt folglich auch der Ölbedarf ab. Nicht zu vernachlässigen ist auch der andauernde Handelsstreit zwischen den USA, China und der EU, der die Ölnachfrage ebenfalls ausbremst.
 

Heizölpreisentwicklung

Eine 3.000 Liter Standard Lieferung kostet aktuell im bundesweiten Durchschnitt rund 70,18 Cent pro Liter Heizöl. Zum Wochenbeginn gestern waren es 70,41 Cent.

Anhaltende Produktionsausfälle und Lieferengpässe sorgen dafür, dass der Ölpreis auf der Stelle tritt. Das schlägt sich auch beim Heizölpreis nieder. Dennoch können wir heute, zum ersten Mal seit einiger Zeit, einen leichten Preisrückgang verzeichnen. Dafür war aber eine ganze Reihe von Signalen nötig, die den Ölpreis drücken. Angefangen mit der Einigung zwischen der CDU und der CSU im Asylstreit, die den Eurokurs positiv beeinflusste, über die mögliche Ausnahmeregelung bei den Iran-Sanktionen bis hin zur sinkenden Nachfrage nach Öl.

Zu einem der größten Unsicherheitsfaktoren werden die weltweiten Lieferengpässe. Deshalb sollten Sie das heutige Preisniveau für den Heizölkauf nutzen, um sich von allen weiteren Marktfaktoren unabhängig zu machen. Das gilt natürlich insbesondere dann, wenn sich Ihr Tank leert.

Wenn Sie monatliche Zahlungsarten wie den Heizöl-Ratenkauf oder das heiz&SPAR Wärmekonto nutzen wollen, sollten Sie mehr Zeit bis zur Lieferung einplanen. Die Bearbeitungszeit kann durch den Postweg bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen. Ein fixer Liefertermin kann erst nach Freigabe der Finanzierung durch die Bank bzw. Eingang des unterschriebenen Vertrages abgestimmt werden.

Grundsätzlich empfehlen wir Ihnen unseren Service für eine regelmäßige Preisbenachrichtigung zu nutzen oder einen Heizöl-Wunschpreis anzulegen. So können Sie von Preisrückgängen profitieren und günstiger Heizöl bestellen.

     Felix Schmidt – Autor
            

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