Wieso beeinflusst die Corona-Pandemie die Ölpreise?

Durch die Pandemie sind die Ölpreise auf ein Langzeittief gefallen | Foto: Tam Wai, Unsplash

Bereits Anfang des Jahres äußerten Wirtschaftsexperten die Sorge vor einem Einbruch der Ölpreise durch Covid-19. Damals lag das Epizentrum der Corona-Krise noch in China. Tatsächlich sind die Preise inzwischen auf ein Langzeittief gesunken. Wir erläutern die Mechanismen hinter dieser Entwicklung.

Handel - ein globaler Wirtschaftsmotor

Die wirtschaftliche Vernetzung ist in den vergangenen Jahrzehnten immer engmaschiger geworden. China ist im Zuge dessen ins Zentrum zahlreicher Produktions- und Exportprozesse gerückt. Deutschland profitiert von dieser Zusammenarbeit in der Regel. So kommen etwa viele Teile für die heimische Automobilindustrie aus China. Die Produktions- und Lieferprozesse sind so geplant, dass jeder Schritt effizient ineinandergreift. Doch die Corona-Pandemie hat weltweit zu Restriktionsmaßnahmen geführt, die es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat. Entsprechend hat sich die Zulieferung in diversen Industrien verkompliziert - oder ist teilweise zum Erliegen gekommen. Produktionsbänder stehen still. Dies ist nicht nur für das jeweilige Unternehmen kritisch. Vielmehr entstehen Wirkungsketten. Denn wenn die Unternehmen nicht mehr produzieren können, sinkt ihre Nachfrage nach Öl weiter. Gleiches gilt für die Zulieferer. Letztlich wirken sich die Maßnahmen bis hin zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus, die unter Umständen mit Verdiensteinbußen konfrontiert sind. So sinkt auch der private Konsum, was wiederum Rückkopplungseffekte auf die Ölpreise auslöst. Am Konsum hängt unmittelbar auch das weltweite Handelsvolumen. Und nicht zuletzt sind Anleger an den Börsen weniger risikobereit. Auch das beeinflusst die Ölpreise aktuell und spiegelt sich in den Notierungen wider.
 

Reisen und Tourismus

In zahlreichen Ländern müssen die Menschen derzeit mit Ausgangsbeschränkungen und Reiseverboten umgehen. Die Innenstädte und Hauptstraßen sind leergefegt, kaum jemand fährt Auto. Flugreisen sind praktisch vollständig eingestellt. Die direkte Nachfrage nach Kraftstoffen ist in diesem Sektor also deutlich zurückgegangen. Nicht nur die EU-Kommissionspräsidentin, Ursula von der Leyen, sondern auch Bundesaußenminister Heiko Maaß und das Auswärtige Amt verweisen darauf, dass die weltweite Reisewarnung weiterhin bestehen bleibt. Sie raten davon ab, Urlaubsreisen für Sommer oder Herbst zu planen. Und so wird auch der Reise- und Tourismussektor weiterhin im Griff von Covid-19 bleiben.

Reisebewegungen sind durch die Corona-Pandemie fast vollständig zum Erliegen gekommen

Die Wechselwirkung von Angebot und Nachfrage

Die Nachfrage nach Öl ist also ein wesentlicher Dreh- und Angelpunkt im Hinblick auf die Ölpreisentwicklung während der Corona-Pandemie. Sie wird durch zahlreiche Variablen auf ganz unterschiedlichen Ebenen beeinflusst – beispielsweise durch den Stillstand in Produktionsbetrieben, ein reduziertes globales Handelsvolumen oder auch durch den Einbruch im Reise- und Tourismussektor, wie er in den vorherigen Abschnitten exemplarisch diskutiert wurde.

Hinzu kommt, dass sich die Weltwirtschaft vor Covid-19 gut entwickelt hatte. Die Börsen notierten Hochs und entsprechend hatten die Ölproduzenten ihre Produktion ausgeweitet. Insbesondere in den USA, aber auch in Saudi-Arabien und Russland stiegen die Fördermengen. Parallel zum Nachfragetief gibt es also auch ein deutliches Überangebot an Öl, das die Preise noch stärker unter Druck setzt, da die Lagerkapazitäten zusehends knapp werden. Während sich die Endverbraucher in der Regel über niedrige Ölpreise freuen, offenbart sich insbesondere in den USA das Problem, dass sich die Schieferölförderung bei niedrigen Ölpreisen nicht rentiert. Geraten die US-amerikanischen Produzenten in Schieflage, hat dies negative Auswirkungen auf die amerikanische Volkswirtschaft – und damit auch für heimische Endverbraucher, denn die USA sind einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands.

Die produzierenden Staaten haben verschiedene Möglichkeiten, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Zuletzt beschlossen die OPEC+ Mitglieder eine Rekordkürzung ihrer Fördermengen – auch im Hinblick auf die schwindenden Lagerkapazitäten. Regulierer in den USA erwägen ebenso eine Drosselung der Produktion. Zusätzlich könnte die US-amerikanische Regierung staatliche Hilfen für die US-Ölindustrie beschließen - oder Strafzölle auf Ölimporte aus anderen Ländern erheben.

Wird kein Öl nachgefragt, füllen sich die Lager und Produktionsstätten stehen still

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