Der Heizölpreis im Mai: knapper Markt vs. trübe Konjunkturaussichten

Berg- und Talfahrt beim Heizölpreis im Mai 2019

Im Mai wurde der Markt von der sogenannten Backwardation-Situation bestimmt. Sofort verfügbares Öl war sichtbar teurer als Termingeschäfte. Dies spiegelte die Stimmung wider: Momentan wird das Angebot aufgrund zahlreicher geopolitischer Faktoren immer knapper. Wir blicken auf den Heizölpreis im Mai.

Im Überblick: das Öljahr 2019

  • Januar: Politische und wirtschaftliche Unsicherheit treibt Kurse vor sich her
  • Februar: Bessere Konjunkturerwartungen treiben den Heizölpreis an
  • März: USA und OPEC bringen sich stärker in Position – neue Preishochs
  • April: Markt beharrt auf preissteigender Stimmung


Kompakt informiert: die wichtigsten Entwicklungen im Mai

  • Iran-Sanktionen: Politische Spannungen im Nahen Osten nehmen zu
  • Neue Eskalationsstufen im Handelskrieg China – USA schwächen Konjunkturaussichten
  • OPEC will Kürzungsdeal verlängern


Geopolitik bestimmt das Marktgeschehen

In einem geopolitisch ohnehin angespannten Jahr könnte der Mai getrost als der bisher schwierigste Ölmonat bezeichnet werden. Denn die Situation im Nahen Osten spitzt sich angesichts der US-Sanktionen gegen Iran immer weiter zu. Dabei geht es längst nicht mehr nur um ein Handelsembargo auf iranisches Öl. Sowohl die USA als auch Iran haben den politischen Ton im Mai verschärft und dabei auch das Militär einbezogen.

Der Konflikt hat in der Region, auf der ganzen Welt und natürlich in den Ölmärkten einen profunden Dominoeffekt. Länder wie Indien und China suchen nach Wegen, die drohenden Strafen für den Import iranischen Öls zu umgehen, und werden dafür aus Washington ebenfalls mit Drohungen überzogen. Internationale Unternehmen ziehen sich zunehmend aus Iran und Irak zurück und machen so sehr deutlich, wie sie die Stabilität der Region bewerten.

Gleichzeitig – und das war für den Ölpreis im Mai entscheidend – sinken die Exportquoten Irans zusehends. Das Angebot wurde zusätzlich durch die Venezuela-Sanktionen, libysche Exportprobleme wegen des Bürgerkriegs, Pipelineausfälle und eine sinkende Produktion in der Nordsee belastet.
 

Die Heizölpreisentwicklung im Mai im Überblick

Die Heizölpreisentwicklung im Mai 2019 im Überblick // Alle Angaben ohne Gewähr // © TOTAL
 

OPEC befeuert Preissteigerungen

Wenig überraschend meldete sich auch die OPEC im Mai zu Wort und signalisierte eine weitestgehende Einigkeit darüber, dass man die Kürzungen nach dem Auslaufen des aktuellen Förderdeals weiterführen wolle. Lediglich Russland sei noch nicht vollends an Bord und auch über die Quoten an sich gebe es angesichts der undurchsichtigen Marktsituation noch Verhandlungsbedarf.

Das Anliegen hinter den Kürzungen ist klar: Man will die Ölpreise durch die künstliche Verknappung nicht einbrechen lassen, um die größtenteils vom Öl abhängigen Wirtschaften der OPEC nicht zu gefährden. Zudem will man mit diesem Schritt auch seine Vormacht auf dem Markt beweisen, die durch das Erstarken von Nicht-OPEC-Akteuren wie den USA zusehends ins Wanken kommt.

Klar ist aber auch, dass sich diese Kürzungen als problematische Rechnung erweisen könnten. Denn mit jedem Dollar, der auf ein Barrel Öl aufgeschlagen wird, steigt die Rentabilität der Ölproduktion insbesondere in den Ländern, die auf modernere Technologien und einfacher zu erschließende Ölquellen setzen können. Und zu diesen Ländern gehören eben nicht Saudi-Arabien oder Irak, sondern die USA, Kanada und demnächst auch Brasilien.
 

USA und China liefern Bremsklötze für die Konjunktur

Preissteigender könnte eine Marktstimmung also kaum sein. Doch wird der Blick vom aktuellen Angebot auf die kommenden Monate erweitert, so dreht sich die Stimmung um: Neue Handelszölle zwischen den USA und China und weitere politisch-ökonomische Maßnahmen wie das Blacklisting von Huawei haben den Konjunkturaussichten erneut einen riesigen Bremsklotz vor die Füße geworfen. Und das, obwohl dieser Klotz nach Monaten der Entspannung schon fast erledigt schien.
 

Die Preisentwicklung: Extreme und Pendelbewegungen

Unter diesen Voraussetzungen ist es kein Wunder, dass der Ölmonat Mai von Extremen geprägt war: Zur Monatsmitte schnellten die Ölpreise und der Heizölpreis deutlich nach oben, nur um zum Monatsende wieder ebenso deutlich abzufallen. Dazwischen waren die Ausschläge mehr als einmal von klaren Höhen und Tiefen geprägt. Auch das ist ein Zeichen der vertrackten und widersprüchlichen Situation, die sich in der Entwicklung auf unserer Heizölpreisseite sehr gut ablesen lässt.

Der Eurokurs verharrte im Mai in einer fast konstanten Pendelbewegung, die eher passiv der Entwicklung des Dollars folgte, als durch Entwicklungen in der Eurozone klar konturiert zu werden. Genauso wie der Ölpreis hat der Eurokurs jedoch im Monatsvergleich an Wert verloren und dabei ein ums andere Mal ein günstigeres Heizölpreisniveau verhindert.
 

Iran-Sanktionen: Die Gegner bringen sich in Stellung

Es ist kaum übertrieben, die aktuelle Lage im Nahen Osten als brisant zu bezeichnen. Denn die US-Sanktionen gegen Iran entfalteten insbesondere im Mai weitreichende politische und wirtschaftliche Effekte. Dabei ist es immer schwieriger, die Maßnahmen und Gegenmaßnahmen der unterschiedlichen Länder zu überschauen. Wir liefern einen Überblick:

Zwar besteht allseitig die Hoffnung, dass es sich bei all diesen Schritten um Säbelrasseln handelt. Doch angesichts der schnellen Abfolge von Ereignissen im Mai bleibt auch die Gefahr von offenen Auseinandersetzungen, die die ganze Region ergreifen würden.
 

Handelsstreit: neue Zölle, neue Spannungen, neue Sorgen

Ginge es nach US-Präsident Trump, hätte China den Forderungen der USA in Sachen Handelsabkommen längst nachgegeben und die Strafzölle und Gegenstrafzölle auf amerikanische und chinesische Waren wären vom Tisch. Doch die Verhandlungen zogen sich auch im Mai hin und trieben den schnell agierenden Präsidenten zu neuen Aktionen, die die Konjunkturaussichten nach einer kurzen Phase der Aufhellung schnell wieder in den Pessimismus trieben.

Zunächst kündigte Trump auf Twitter überraschend neue Strafzölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar an und machte diese Androhung wenige Tage später wahr. Die Märkte reagierten mit deutlichen Abschwüngen. China hielt zwangsläufig dagegen und installiert seinerseits neue Zölle auf Waren im Wert von 60 Milliarden US-Dollar.

Mit dem Blacklisting des chinesischen Smartphone-Riesen Huawei hoben die USA den Handelsstreit auf eine ganz neue, auch für die breite Masse greifbare Ebene. Denn gleichzeitig wurde dem US-Unternehmen Google verboten, zukünftig Android-Dienste an den Hersteller zu liefern. Bisher wurde dieses Präsidentendekret noch ausgesetzt, doch es zeigt sehr deutlich, wie ernst es Trump mit seinem Wunsch ist, die chinesische Wirtschaft in Schranken zu weisen.

Direkt am Monatsende kündigte Trump außerdem neue Zölle auf mexikanische Waren an und machte einmal mehr deutlich, wie sehr seine Regierung auf eine Abschottungspolitik setzt, die die heutige Wirtschaftsrealität zu verneinen sucht.

Denn protektionistische Maßnahmen gegen ein Land haben heute immer Auswirkungen auf die hochgradig vernetzte Weltwirtschaft. Dementsprechend sind die Sorgen um die Weltkonjunktur – und damit auch die Nachfrage nach Öl – berechtigt. Genauso folgerichtig sanken die Ölpreise im Mai stets parallel zu den Signalen, die die Zölle für die Konjunkturerwartung in den kommenden Monaten lieferten.
 

Weitere Marktnews im Mai in Kürze

  • Libyscher Bürgerkrieg erreicht Ölfelder – Märkte reagieren mit Preisaufschlägen 
  • Pipelineausfall in Nigeria, Probleme an russischer Pipeline und geringere Ölproduktion in der Nordsee verschärfen Angebotssituation 
  • Venezuelas Situation wird immer prekärer – das trifft auch die Ölwirtschaft 
  • USA bauen Rohölvorräte deutlich aus und lagern so viel Öl wie zuletzt Mitte 2017

Der Heizölpreis im Juni: Was weiter wichtig bleibt

Die Angst vor dem Abschwung erhält klare Impulse und bestimmt Prognosen zur langfristigen Nachfrageentwicklung. Der Heizölpreis reagierte im Mai dementsprechend erratisch. Es wird deutlich, dass die Angebotsverknappung eine Momentaufnahme ist, die angesichts einer sinkenden Nachfrage in den kommenden Monaten schnell an Bedeutung verlieren könnte. Dies macht zwar Platz für weitere Preisabschwünge, doch sollten diese vorerst nicht zu hoch kalkuliert werden. Denn die geopolitischen Spannungen auf der anderen Seite der Waagschale haben ein fast ebenso großes Gewicht.

Ob sich diese beiden Aspekte im Juni ausbalancieren oder neue Fakten geschaffen werden, muss tagesaktuell beurteilt werden. Der Juni wird zudem ein OPEC-Monat, in dem wir verstärkt auf die (Vor-)Verhandlungen zu den möglichen neuen Kürzungen blicken werden.

Turbulente und schwer prognostizierbare Entwicklungen wird es auf jeden Fall weiterhin geben. Damit Sie bestens informiert sind und begründete Entscheidungen zum Heizölkauf treffen können, liefern wir Ihnen tägliche Analysen in unseren Heizölnews und auf unserer Heizölpreisseite.

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